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Gute professionelle Beziehungen mit Kindern gestalten: Bundesministerium fördert Forschung

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Mit dem Forschungsprojekt KiRI wird erhoben, wie pädagogische Fachkräfte sowie Personen der Tagespflege ihre Beziehungen zu den Kindern in Krippe und Kindertagespflege gestalten. Dazu gehört auch, individuelle und strukturelle Ursachen zu untersuchen, die zu Fehlverhalten führen können. Nicht zuletzt nehmen die sich stetig verändernden Anforderungen einer vielfältigen Gesellschaft an professionelle Kinderbetreuung zu, demgegenüber führt der Fachkräftemangel zu Personalknappheit in pädagogischen Arbeitsfeldern. Diese Faktoren können Stress im Arbeitsalltag steigern. Umso mehr brauchen Fachkräfte Wissen, wie sie Kinderrechte im Alltag und ihre Handlungskompetenzen verbessern können: KiRI will diese vermitteln. KiRI ist die Abkürzung für „Kinderrechtsbasierte Interaktionsgestaltung im pädagogischen Alltag in der Krippe und Kindertagespflege" und es ist ein Projekt, das vom Bundesforschungsministerium über eine Laufzeit von vier Jahren gefördert wird.

Symbolbild: © Bildagentur PantherMedia / ArturVerkhovetskiy

Das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) an der EH Freiburg hat den Zuschlag für dieses große Forschungsprojekt erhalten. Es erforscht mit KiRI die unterschiedlichen Gelegenheiten der Interaktion zwischen Fachkraft und Kind im pädagogischen Alltag. Zudem erlernen die Fachkräfte, wie sie ihr Verhalten und dessen Wirkung reflektieren und verändern können. Sie werden beispielsweise dafür sensibilisiert, kindliche Bedürfnisse wahrzunehmen, die durch Körpersprache ausgedrückt werden und sie erlernen, auch in stressigen Situationen feinfühlig zu reagieren, also ihr Verhalten an Kinderrechten auszurichten. Denn im Arbeitsalltag kommen auch Fehlverhalten von Fachkräften und Tagespflegepersonen vor – unterschiedlich häufig und intensiv, jedoch praktisch in jeder Einrichtung frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung vor.

In acht Krippengruppen und in acht bis 16 Kindertagespflegestellen werden insgesamt 32 Fachkräfte und Tagespflegepersonen für einen Zeitraum von drei Jahren in ihrem Alltag begleitet. Mit den Methoden von KiRI kann ein vertiefter Einblick in die aktuelle pädagogische Handlungspraxis und ihre Herausforderungen erworben werden. Hierfür arbeitet das ZfKJ mit mehreren Partnern aus der Praxis zusammen: dem Amt für städtische Kindertageseinrichtungen der Stadt Freiburg, dem Caritasverband Freiburg, der Fachstelle für Kindertagespflege im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sowie der Kindertagespflege im Amt für Kinder, Jugend und Familie Freiburg.

Gefördert wird das Forschungsprojekt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und läuft von Januar 2026 bis Dezember 2029.

An den Ausbau von außerfamiliären Betreuungskapazitäten für Kinder in den ersten drei Lebensjahren werden unterschiedliche gesellschaftliche An- und Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel in pädagogischen Berufen zu – und damit auch die Überforderung des Personals. Der hiermit verbundene Stress und unreflektierte Machtstrukturen können zu verletzendem Verhalten gegenüber den Kindern führen. Die vorhandenen Machtstrukturen sind einerseits individell begründet und andererseits in den jeweiligen Institutionen festgelegt. Die Machtverhältnisse beeinflussen nicht nur das Interaktionsverhalten gegenüber Kindern, sondern ebenso das Selbstverständnis der Fachkräfte bzw. Pflegepersonen. Und obwohl Kinderschutzkonzepte zwar eine Bedingung zur Betriebserlaubnis sind, so bleibt deren Qualitätsmanagement und die Nachhaltigkeit der Umsetzung den Einrichtungen selbst überlassen. Daher ist es wichtig, kinderrechtsverletzende Routinen und Strukturen im pädagogischen Alltag aufzudecken sowie die Rahmenbedingungen innerhalb der Einrichtungen zu verbessern. Darüber hinaus soll ein Bewusstsein für die Rechte der Kinder und für das Gewicht ihrer Stimmen geschaffen werden.

Die Projektleitung von KiRI haben Prof.in Dr.in Maike Rönnau-Böse und Prof.in Dr.in Silke Kaiser inne. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sind Jessica Ferber, Juliane Cichecki und Annika Lorenzen.

Maike Rönnau-Böse, Foto: Marc Doradzillo

Maike Rönnau-Böse hat die Professur für Pädagogik der Kindheit inne und sie leitet den Bachelor-Studiengang Kindheitspädagogik. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Resilienz, Gesundheitsförderung, Spieltherapie und Zusammenarbeit mit Eltern. Gemeinsam mit Prof.in Dr.in Silke Kaiser leitet sie das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZFKJ) an der EH Freiburg.

Silke Kaiser, Foto: Bernd Schumacher

Silke Kaiser ist Professorin für Kindheitspädagogik und leitet den Master-Studiengang Bildung und Erziehung im Kindesalter. Sie forscht etwa zu seelischer Gesundheit und Resilienz sowie zu Interaktion und Beziehung von Kindern und Jugendlichen.

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