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Promotionsrecht für HAW

Im neuen Promotionsverband Baden-Württemberg sind insgesamt 24 Hochschulen und 223 Professor*innen vertreten. Nicht die einzelne Hochschule, sondern der Promotionsverband wird künftig die Doktorgrade an besonders qualifizierte Absolventinnen und Absolventen der HAW verleihen. Für besonders forschungsstarke und forschungsaktive Professorinnen und Professoren wird ein Promotionszentrum eingerichtet. Dies ermöglicht einheitliche Prozesse und Qualitätsstandards und den wissenschaftlichen Austausch über die Hochschulgrenzen hinweg.

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften erhalten Promotionsrecht

Die Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg haben einen neuen Weg zur Promotion: Ein gemeinsamer Promotionsverband verleiht künftig den Doktorgrad. Der Wissenschaftsausschuss des Landtags hat am 21. September 2022 sein Einvernehmen mit einer entsprechenden Verordnung erteilt. Die erste Vollversammlung des Promotionszentrums findet am 28. Oktober 2022 an der HFT Stuttgart statt.

Prof. Dr. Volker Reuter, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der HAW und des neu gegründeten Promotionsverbands: „Die HAW in Baden-Württemberg machen … den folgerichtigen und ihrer Entwicklung in der anwendungsorientierten Forschung angemessenen Schritt innerhalb des Wissenschaftssystems. Unsere forschungsaffinsten und -stärksten Professorinnen und Professoren haben jetzt die Möglichkeit, in ihren gesellschaftlich hochrelevanten Projekten und Themen junge Menschen eigenverantwortlich und qualitätsgesichert zur Promotion zu führen. Dies ist auch eine Stärkung und Anerkennung der regionalen Innovationssysteme, die sich um die HAW-Standorte etabliert haben.“

Baden-Württemberg war 2014 das erste Land, das eine Klausel im Hochschul­gesetz verankert hat, die es möglich macht, Zusammenschlüssen von HAW das Promotionsrecht zu geben. Nachdem die HAW in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren auch auf dem Gebiet der Forschung Spitzenleistungen erbracht haben, hat die Wissenschaftsministerin entschieden, von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen. Baden-Württemberg ist nach Hessen und Sachsen-Anhalt das dritte Bundesland, das für die HAW ein eigenes Promotionsrecht einführt.

Das qualitätsgesicherte Recht zur Promotion geht befristet für sieben Jahre an einen Promotionsverband, nicht an eine einzelne HAW. Nach diesem Zeitraum wird das neue Konzept evaluiert.

Qualitätsgesicherte Promotionen

Für die Promotion im HAW-Verband gelten die gleichen Qualitätsanforderungen wie für die Promotion an einer Universität. So müssen auch im Promotions­zentrum schriftliche Betreuungsvereinbarungen abgeschlossen werden und die Annahmeanträge einem Kollegium, dem Promotionsausschuss, zur Entschei­dung vorgelegt werden. Kern der Qualitätssicherung ist die zeitlich befristete Aufnahme der – anhand objektiver Kriterien nachgewiesen – forschungsstärksten Professorinnnen und Professoren in das Promotionszentrum. Beim Start des Zentrums werden es 223 Gründungsmitglieder sein, deren Anträge individuell geprüft und begutachtet wurden. Ein wissenschaftlicher Beirat wird außerdem die Promotionsver­fahren begleiten und darauf achten, dass die Evaluierung, auf deren Grundlage im Jahr 2029 über die Verlängerung des Promotionsrechts entschieden wird, die notwendigen Qualitätsstandards aufweist.

Konkurrenzfähigkeit der HAW steigt

Rektorin Renate Kirchhoff: „Durch das Promotionsrecht der forschungsstarken Professor*innen steigt die Konkurrenzfähigkeit der baden-württembergischen HAW bei der Gewinnung professoralen Personals enorm. Und die eigenen Leistungen der Professor*innen wie ihrer Hochschulen werden jetzt sichtbar.“ Der neue Promotionsweg eröffnet forschungsaffinen Absolvent*innen der HAW eine klarere Option ihrer akademischen Qualifikation. „Für uns als SAGE*-Hochschule ist zentral, dass sie nun auch zum Beispiel in „Soziale Arbeit“ promovieren können, also in Disziplinen, die spezifisch sind für HAW – das war bisher nicht möglich“, ergänzt Kirchhoff.
(*SAGE-Hochschulen sind Hochschulen der Bereiche Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung)

Verschiedene Wege zur Promotion bleiben bestehen

Die Hochschullehrenden an HAW sind zwar schon lange und erfolgreich aktiv in der Begleitung von Promotionen, doch bislang lag das Promotionsrecht im Land einzig bei Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Die Evangelische Hochschule (EH) Freiburg hat bisher sehr erfolgreich im Rahmen von Forschungskooperationen mit Kolleg*innen von Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen Promotionen für ihren Nachwuchs ermöglicht. „Doch dieses Verfahren, für das Universitätsfakultäten auf Antrag der forschungsstarken Professor*innen der EH Freiburg Rechte zur Durchführung von Promotionen gewähren konnten, ist ein sehr aufwändiger Umweg zur Promotion“, erklärt Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff. Forschung ist bereits seit den 1980er Jahren in Deutschland ein Auftrag der HAW. An der Evangelischen Hochschule gibt es seit 1984 institutionalisierte Forschung.

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