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Nachwuchsförderung durch Promotionsrecht für HAW

Promotion und Forschung sind notwendig miteinander verbunden – von beiden profitieren Profession und Disziplin. Die Evangelische Hochschule hat sich seit ihren Anfängen 1918 der Qualifikation zur professionellen Begegnung gesellschaftlicher Herausforderungen verschrieben. Diese Motivation der Hochschulgründung ist bis heute für die Hochschule leitend. Sie zeigt sich in den Studiengängen und ebenso in der langen Forschungstradition der Hochschule, institutionell beginnend in den 80er Jahren. In diesem Kontext sind Promotionen ein entscheidender Baustein, den die Hochschule institutionell seit 2005, personell bereits seit vielen Jahren, mit verschiedenen Formaten unterstützt.

September 2022 – Hochschulen für Angewandte Wissenschaften erhalten Promotionsrecht – Wissenschaftsausschuss des Landtags bestätigt Verordnung

Die Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg haben einen neuen Weg zur Promotion: Ein gemeinsamer Promotionsverband wird künftig den Doktorgrad verleihen können. Der Wissenschaftsausschuss des Landtags hat am Mittwoch (21. September) sein Einvernehmen mit einer entsprechenden Verordnung erteilt. Noch im September soll das neue Promotionsrecht im Gesetzblatt verkündet werden.

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Ich freue mich sehr, dass mit dem Einvernehmen des Wissenschaftsausschusses zur Rechtsverordnung ein neuer Weg für die wissenschaftliche Weiterqualifikation offen steht. Viele junge Menschen werden davon profitieren. Die beteiligten Hochschulen werden in ihrer wissenschaftlichen Arbeit weiter gestärkt.“

Prof. Dr. Volker Reuter, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der HAW und des neu gegründeten Promotionsverbands: „Die HAW in Baden-Württemberg machen heute den folgerichtigen und ihrer Entwicklung in der anwendungsorientierten Forschung angemessenen Schritt innerhalb des Wissenschaftssystems. Unsere forschungsaffinsten und -stärksten Professorinnen und Professoren haben jetzt die Möglichkeit, in ihren gesellschaftlich hochrelevanten Projekten und Themen junge Menschen eigenverantwortlich und qualitätsgesichert zur Promotion zu führen. Dies ist auch eine Stärkung und Anerkennung der regionalen Innovationssysteme, die sich um die HAW-Standorte etabliert haben“

Baden-Württemberg war 2014 das erste Land, das eine Klausel im Hochschul­gesetz verankert hat, die es möglich macht, Zusammenschlüssen von HAW das Promotionsrecht zu geben. Nachdem die HAW in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren auch auf dem Gebiet der Forschung Spitzenleistungen erbracht haben, hat die Wissenschaftsministerin entschieden, von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen.

Promotionszentrum

Laut Verordnung geht das Promotionsrecht an einen Hochschulverband, dem alle staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und die drei Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft in Baden-Württemberg angehören. Nicht die einzelne Hochschule, sondern der Promotionsverband wird künftig die Doktorgrade an besonders qualifizierte Absolventinnen und Absolventen der HAW verleihen. Für besonders forschungsstarke und forschungsaktive Professorinnen und Professoren wird ein Promotionszentrum eingerichtet. Dies ermöglicht einheitliche Prozesse und Qualitätsstandards und den wissenschaftlichen Austausch über die Hochschulgrenzen hinweg.

Qualitätsgesichert

Für die Promotion im HAW-Verband gelten die gleichen Qualitätsanforderungen wie für die Promotion an einer Universität. So müssen auch im Promotions­zentrum schriftliche Betreuungsvereinbarungen abgeschlossen werden und die Annahmeanträge einem Kollegium, dem Promotionsausschuss, zur Entschei­dung vorgelegt werden. Kern der Qualitätssicherung ist die zeitlich befristete Aufnahme der anhand objektiver Kriterien nachgewiesen forschungsstärksten Professorinnnen und Professoren in das Promotionszentrum. Beim Start des Zentrums werden es 223 Gründungsmitglieder sein, deren Anträge individuell geprüft und begutachtet wurden. Ein wissenschaftlicher Beirat wird außerdem die Promotionsver­fahren begleiten und darauf achten, dass die Evaluierung, auf deren Grundlage im Jahr 2029 über die Verlängerung des Promotionsrechts entschieden wird, die notwendigen Qualitätsstandards aufweist.

Pressemitteilung des Wissenschaftsministeriums vom 21.09.2022

Juni 2022 – Neues Promotionsrecht für HAW

Mit der zukünftigen Gründung eines Promotionsverbands der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) Baden-Württemberg im Juni 2022 erhalten ihre Professor*innen das Promotionsrecht. Wissenschaftsministerin Bauer sagte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass dies die HAW stärke. Und das Promotionsrecht sei ein Beitrag zur Chancengerechtigkeit der Absolvent*innen.

Rektorin Renate Kirchhoff: „Durch das Promotionsrecht der forschungsstarken Professor*innen steigt die Konkurrenzfähigkeit der baden-württembergischen HAW bei der Gewinnung professoralen Personals enorm. Und die eigenen Leistungen der Professor*innen wie ihrer Hochschulen werden jetzt sichtbar.“

Das qualitätsgesicherte Recht zur Promotion geht befristet für sieben Jahre an einen Promotionsverband, nicht an eine einzelne HAW. Nach diesem Zeitraum wird das neue Konzept evaluiert.

Die 21 staatlichen und drei kirchlichen Hochschulen in Baden-Württemberg, die bereits in dem HAW BW e.V. verbunden sind, werden den hierfür notwendigen Verband gründen. Sie haben bereits landesweit adaptierte Qualitätskriterien für Forschung entwickelt, an denen sich die Aufnahme in den 2014 gegründeten Center of Applied Research (BW-CAR) orientiert. Auf diesen setzt das Promotionsrecht für forschungsstarke Professor*innen auf.

„Der neue Promotionsweg eröffnet forschungsaffinen Absolvent*innen der HAW eine klarere Option ihrer akademischen Qualifikation. Für uns als SAGE*-Hochschule ist zentral, dass sie nun auch zum Beispiel in „Soziale Arbeit“ promovieren können, also in Disziplinen, die spezifisch sind für HAW – das war bisher nicht möglich“, sagt Renate Kirchhoff.

Die Hochschullehrenden an HAW sind zwar schon lange und erfolgreich aktiv in der Begleitung von Promotionen, doch bislang lag das Promotionsrecht im Land einzig bei Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Die Evangelische Hochschule (EH) Freiburg hat bisher sehr erfolgreich im Rahmen von Forschungskooperationen mit Kolleg*innen von Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen Promotionen für ihren Nachwuchs ermöglicht. „Doch dieses Verfahren, für das Universitätsfakultäten auf Antrag der forschungsstarken Professor*innen der EH Freiburg Rechte zur Durchführung von Promotionen gewähren konnten, ist ein sehr aufwändiger Umweg zur Promotion“, erklärt Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff.

Die Wissenschaftsministerin betonte gegenüber der Stuttgarter Zeitung die hohe Anzahl von Promotionen, die durch HAW begleitet wurden. Allein die in BW-CAR organisierten Kolleg*innen haben über 600 junge Wissenschaftler*innen bei ihren Promotionen begleitet; an der EH Freiburg waren es 71.

Forschung ist bereits seit den 1980er Jahren in Deutschland ein Auftrag der HAW. An der Evangelischen Hochschule gibt es daher seit 1984 institutionalisierte Forschung, zunächst als Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung e.V., aus der 1995 FIVE – der Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg e.V. hervorgegangen ist.

Baden-Württemberg ist nach Hessen und Sachsen-Anhalt das dritte Bundesland, das für die HAW ein eigenes Promotionsrecht einführt.

(*SAGE-Hochschulen sind Hochschulen der Bereiche Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung)

Mehr Info

Juli 2022 – 24 HAW gründen Promotionsverband Baden-Württemberg

Auf der konstituierenden Sitzung des in diesen Tagen gegründeten Promotionsverbands Baden-Württemberg haben 24 Hochschulen den Grundstein für ein eigenständiges Promotionsrecht gelegt. Volker Reuter, Rektor der Technischen Hochschule Ulm wird erster Vorsitzender des Verbands.

Es war ein langer, mühsamer, aber letztlich erfolgreicher Weg für die HAW in Baden-Württemberg. Nun wurden die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Weiterentwicklungsklausel des Landeshochschulgesetzes (§ 76 Abs. 2) auf der konstituierenden Sitzung des dafür erforderlichen Zusammenschlusses von HAW geschaffen. Nach der bereits erfolgten Veröffentlichung der Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Wissenschaftsministerium und den Hochschulen Ende Juni 2022 ist der Promotionsverband der HAW durch die Vorstandswahlen jetzt handlungsfähig und die Voraussetzungen für die Verleihung des Promotionsrechts an den Verband sind somit geschaffen.

Durch die Verbandsversammlung, in der die Hochschulen durch Rektorinnen, Rektoren, Präsidentinnen, Präsidenten, Kanzlerinnen und Kanzler vertreten werden, wurde Prof. Dr. Volker Reuter zum Gründungsvorsitzenden gewählt. In den vierköpfigen Gründungsvorstand wurden außerdem gewählt: Prof. Dr. Andreas Frey, Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Dr. Henrik Becker, Kanzler der Hochschule für Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, Henning Rudewig, Kanzler der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Die Stimmung der ersten Sitzung war ebenso feierlich wie erleichtert, da die HAW in Baden-Württemberg damit einen lang ersehnten Entwicklungsschritt gehen konnten, der die Forschungsleistung dieses Hochschultyps bestätigt, anerkennt und entscheidend stärkt.

Die Qualitätssicherung der Promotionsverfahren im Verband wird durch verbindliche Prozesse, rechtliche und universitäre Standards gewährleistet. Das Kernelement ist ein qualitätsgeleiteter und auf einen Forschungsnachweis beruhender Auswahlprozess der am Promotionsrecht beteiligten Professorinnen und Professoren. Nur über den Nachweis von Forschungsstärke und ausreichende Forschungsaktivitäten können sie zeitlich befristet in das Promotionszentrum des Verbands aufgenommen werden. Das heißt auch, der Nachweis muss immer wieder erbracht und überprüft werden.

Eine Stärke und Besonderheit des baden-württembergischen Weges zu einem HAW-Promotionsrecht ist, dass er nicht jeder Hochschule, jeder Fakultät oder gar jedem/r Professor/Professorin, sehr wohl aber grundsätzlich allen nachgewiesen forschungsstarken Professorinnen und Professoren der Hochschulart einen unmittelbaren Zugang zum eigenständigen Promotionsrecht und dessen Ausübung ermöglicht.

Es kommt also nicht darauf an, an welche Hochschule und in welchen Fachbereich man berufen wurde, sondern ausschließlich auf die eigene, individuelle Forschungsleistung. Deren Stärke und Belastbarkeit muss jedoch zunächst nachgewiesen werden. Einen Automatismus oder eine Beteiligung in Erwartung einer hohen Forschungsaktivität wird es ebenso wenig geben, wie eine dauerhafte Zuerkennung dieses Privilegs. Die HAW und das Land geben damit gemeinsam ein übertragbares Beispiel für einen verantwortlichen Umgang mit dem Promotionsrecht.

Bereits seit 2014 wird die konsequente Qualitätssicherung und strikte Auswahl im HAW-Forschungsnetzwerk BW-CAR gelebt und erprobt, welches im September 2022 im Promotionszentrum des Verbands aufgehen wird. Diese „BW-CAR-Kennzahlen“ waren auch eine der Orientierungsgrundlagen für die Verleihung eines HAW-Promotionsrechts in Hessen (2016) und in Sachsen-Anhalt (2021).

Ebenfalls im September 2022 wird sich der Wissenschaftsausschuss des Landtags mit dem Thema beschäftigen, wie es die gesetzliche Regelung vorsieht. Nach dieser Befassung sollte zeitnah die formale Verleihung des Promotionsrechts an den Verband durch das Wissenschaftsministerium bzw. Frau Ministerin Bauer möglich sein.

(Pressemitteilung der HAW BW, 15. Juli 2022)

Mehr Info, Verwaltungvereinbarung, Verfahrenssatzung u.a.

https://hochschulen-bw.de/promotionsverband-bw/

Promotion für EH-Absolvierende im Verbund mit Universitäten und Pädagogischen Hochschulen

Promotionen von HAW konnten bisher in Kooperation mit Universitäten und Pädagogischen Hochschulen durchgeführt werden. Diese Option bleibt weiterhin bestehen.

Als Einrichtung engagiert sich die Hochschule mehrfach für die institutionelle Promotionsförderung.

  1. Die Hochschule richtet seit 2007 das hochschulübergreifende Doktorand*innenkolloquium der DGSA in Freiburg aus.
  2. Seit 2013 führt sie kindheitspädagogische Doktorandenkolloquien durch.
  3. Des weiteren ist die EH Freiburg Partnerinstitution eines kooperativen Doktorandenkolloquiums mit der PH Freiburg und der FH Nordwestschweiz.
  4. Im August 2015 ging ein kindheitspädagogisches Promotionskolleg, gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg programmatisch unterstützt, an den Start.
  5. Am 14. Oktober 2016 ist das Promotionskolleg „Versorgungsforschung: Collaborative Care“ mit einem Kick-off aller beteiligten Institutionen – darunter der Evangelischen Hochschule Freiburg vertreten durch Prof.in Dr.in Dörte Weltzien – und Promovierenden an der Katholischen Hochschule Freiburg an den Start gegangen. Das Wissenschaftsministerium fördert die Versorgungsforschung als einziges sozialwissenschaftliches Promotionskolleg. Es wird im Verbund der Evangelischen Hochschule Freiburg, der Katholischen Hochschule Freiburg, der Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule Freiburg durchgeführt.
  6. Seit 2018 findet regelmäßig das Doktorand*innenseminar zur Systematischen Theologie, Ethik und Religionsphilosophie statt.