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Professor Fabian Frank

In der Lehre vertritt Fabian Frank Theorien der Sozialen Arbeit und das Handlungsfeld Gemeindepsychiatrie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der sozial- und gemeindepsychiatrischen Versorgung sowie der Entwicklung komplexer Interventionen.

zur Person

Teilhabe von Psychiatrieerfahrenen stärken

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Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabuthema. Welche regionalen Angebote fehlen Menschen mit Psychiatrieerfahrung? Und wie ließe sich aus ihrer Sicht die gesellschaftliche Akzeptanz erhöhen?

Ein Gespräch mit Prof. Dr. phil. Fabian Frank

Herr Frank, was ist unter Gemeindepsychiatrie zu verstehen? Gemeint ist ein spezifisches Versorgungssetting. Die Unterbringung von psychisch erkrankten Personen in stationären Einrichtungen wurde seitden 1970er-Jahren immer wieder kritisch thematisiert, zum Beispiel mit der sogenannten „Psychiatrie-Enquete“. Dort wurde gefordert: „Raus aus den Heimen, raus aus den Kliniken.“ Daraus hat sich die Sozialpsychiatrie entwickelt, die auch soziale Komponenten einer psychischen Erkrankung in den Blick nimmt und die Einbindung von Menschen in gesellschaftliche Zusammenhänge. Die Gemeindepsychiatrie knüpft daran an und konzentriert sich auf Personen mit schweren oder chronischen psychischen Erkrankungen, die in ihrer Teilhabe eingeschränkt werden. Idealerweise sind Angebote der Gemeindepsychiatrie ambulant und dort, wo die Menschen auch leben und arbeiten. Das sind zum Beispiel Tagesstätten und Begegnungsangebote, ambulant betreutes Wohnen oder niedrigschwellige Beratungsangebote.

Das Projekt trägt den Zusatz „Postkartenbefragung“. Was heißt das? Unsere Befragung soll so knapp wie möglich sein, um viele Personen zu erreichen. Sie soll tatsächlich auf der Vorder- und Rückseite einer Postkarte Platz haben. Das entlastet auch die Mitarbeitenden in den Einrichtungen, die eventuell beim Beantworten unterstützen müssen.

Warum arbeiten auch Studierende bei diesem Forschungsprojekt mit? In unserem Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit sind Studienprojekte im fünften und sechsten Semester Pflicht. Das sollen keine „Sandkastenprojekte“ sein, sondern solche, die zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führen und politische sowie praktische Implikationen mit sich bringen können. Auch dieses Projekt ist wieder ein besonders gutes Lernfeld für die Studierenden, da dahinter ein echter Auftraggeber steht.

Was erhoffen Sie sich langfristig von dem Projekt? Wir möchten eine Sensibilisierung für die Perspektive von Psychiatrieerfahrenen erreichen. Und natürlich ist das Projekt auch gelebte Partizipation: Die Befragten werden gehört, indem sie ihre Erlebnisse in der Gesellschaft beschreiben. Wir fragen ja nicht nur, was ihnen an Angeboten fehlt, sondern auch, was sich gesellschaftlich ändern müsste, damit für sie Teilhabe und Akzeptanz besser klappen.

Prof. Dr. Fabian Frank; Foto: Bernd Schumacher

Mehr Info zum Projekt

Nutzer*innenperspektiven auf die regionale gemeindepsychiatrische Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe – eine „Postkartenbefragung“

  • Projektleitung: Prof. Dr. Fabian Frank (Prorektor für Forschung und Transfer, EH Freiburg), Jessica Krebs (Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut für Geschlechterfragen SoFFI F.)
  • Auftraggeber: Gemeindepsychiatrischer Verbund (GPV) des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald
  • Kooperation: GPV Freiburg-Stadt
  • Laufzeit: 10/2022 bis 07/2023
  • Ziel: Durch die Befragung von Nutzer*innen der regionalen gemeindepsychiatrischen Versorgung sollen die Bedarfe gesellschaftlicher Teilhabe identifiziert werden, um langfristig die Akzeptanz von Psychiatrieerfahrenen zu erhöhen.
  • Hintergrund: Der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald ist ein Zusammenschluss der an der Versorgung psychisch kranker Menschen beteiligten Akteur*innen. Er will die Perspektive von Psychiatrieerfahrenen stärken und klären, welche Angebote und Hilfen von Nutzer*innen der gemeindepsychiatrischen Versorgung gewünscht sind.
  • Forschungsdesign: Durchführung einer quantitativen Querschnittsbefragung innerhalb von 1–2 Wochen in Einrichtungen des GPV Breisgau-Hochschwarzwald und des GPV Freiburg-Stadt. Rekrutierung und Datenerhebung erfolgen durch Mitarbeiter*innen der beteiligten gemeindepsychiatrischen Einrichtungen. Für die Entwicklung von Prozeduren der Rekrutierung, der Instrumente zur Datenerhebung, des Datenmonitorings und der Datenauswertung sind Studierende der EH Freiburg verantwortlich. Sie werden den beteiligten Einrichtungen die Ergebnisse in Fokusgruppen vorstellen und praktische Implikationen diskutieren.