In der aktuellen Ausgabe der ZEIT (Nr. 02/2026) diskutiert Prof.in Dr.in Anke Stallwitz, Professorin für Sozialpsychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg, mit dem Bundesdrogenbeauftragten Hendrik Streeck über die Frage: Soll Deutschland harte Drogen wie Heroin, Kokain oder Ecstasy legalisieren, oder zumindest reguliert abgeben?

Regulierung statt Verbot
Anke Stallwitz plädiert für eine kontrollierte Abgabe von Drogen unter strengen Auflagen. Ihr Ausgangspunkt: Menschen durch Verbote vom Drogenkonsum fernzuhalten, ist keine realistische Option. Stattdessen bedarf es alternative, evidenzbasierte Lösungen, die den Konsum einbeziehen und darauf abzielen, gesundheitliche und soziale Folgeschäden wirksam zu begrenzen.
Sie argumentiert, dass Prohibition den Konsum nicht verhindert, sondern ihn in den Untergrund drängt. Dort ist er für die Regierung jedoch kaum zu kontrollieren. „Je stärker eine Substanz kriminalisiert ist, desto mehr fehlen informelle Kontrollregeln wie etwa bei Alkohol und Tabak.“, erklärt sie. Eine regulierte Abgabe könnte dabei helfen, den Schwarzmarkt zu reduzieren und Konsum sicherer zu gestalten.
„Wir sollten weg von der Vorstellung, dass wir Menschen vom Konsum abhalten können. Wir fokussieren uns zu sehr darauf, wie viele Menschen welche Substanzen konsumieren. Wichtiger ist, wie sie konsumieren, welche Risiken und gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Schäden daraus entstehen.“
Kontrollierte Abgabe
Aber wie könnte ein solches Modell aussehen? Anke Stallwitz kann sich vorstellen, dass Partydrogen wie Ecstasy oder Kokain testweise über Apotheken, begleitet von Beratung, anonymer Registrierung und Monitoring abgegeben werden könnten. Wichtig ist ihr dabei eine Evaluation der Maßnahmen durch ein Fachgremium, sodass diese bei Bedarf angepasst oder auch zurückgenommen werden könnten.
Aktuelle drogenpolitische Maßnahmen setzen für Anke Stallwitz nicht stark genug an der Lebenswelt der konsumierenden Menschen an: Konsum hat oft hedonistische Gründe und ist ein anthropologisches Phänomen. Die meisten Menschen konsumieren nicht abhängig oder problematisch. „Verbote schrecken manche ab, andere konsumieren gerade deshalb“ und „die meisten konsumieren unabhängig von der rechtlichen Lage“, sagt sie. „Ich wünsche mir, dass die deutsche Drogenpolitik neue, evidenzbasierte Wege beschreitet, anstatt mit der Prohibition weiterhin ein hohes Ausmaß an gesundheitlichen und sozialen Schäden in Kauf zu nehmen“.
Anke Stallwitz verweist in ihrer Argumentation auf ihre jahrzehntelange Forschung in Kanada, Schweden, Großbritannien und Deutschland sowie ihre Arbeit in der niedrigschwelligen Drogenhilfe. Unter anderem arbeitete sie bei der Evaluation des Heroinprojektes mit, welches zeigte, dass die legale Abgabe von Heroin verunreinigtes Straßenheroin erfolgreich ersetzen konnte.
Vollständiges Interview
- Das vollständige Interview in der ZEIT ist hier nachzulesen.
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