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Kritische Hochschulfinanzierung ist zentrales Thema bei Eröffnung des Akademischen Jahres 2019/20

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Rektorin Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff; Foto: Marc Doradzillo

Alle staatlichen Hochschulen und Universitäten in Baden-Württemberg beschäftigt seit mehreren Wochen der neu auszuhandelnde Hochschulfinanzierungsvertrag für die Jahre 2021 bis 2025. Eine Besonderheit ist, dass alle Hochschularten einig sind zu nahezu gleichlautenden Forderungen. „Dies ist beachtlich, da die Finanzierungsstrukturen unterschiedlich sind“, führte Rektorin Prof. Dr. Renate Kirchhoff im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Akademischen Jahres am 6. November in der Evangelischen Hochschule aus. Sie griff in ihrer Rede zwei Forderungen auf und konkretisierte diese für die Evangelische Hochschule.

Überführung der Ausbauprogramme in die Grundfinanzierung der Hochschulen

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) haben seit 2007 48 Prozent mehr Studienplätze eingerichtet, finanziert durch befristete Programme und damit auch befristete Stellen.An der Evangelischen Hochschule Freiburg sind die Studienplätze in den Ausbauprogrammen jedoch nur zu etwa 15-40 Prozent dessen refinanziert worden, was an reinen Landesmitteln in einen Studienplatz im Sozialbereich in Baden-Württemberg fließt. Kosten für Sanierung von Gebäuden, Bauunterhaltung und Forschung sind hier nicht mitgerechnet.

Kirchhoff: „Wir fordern daher die Verstetigung der Programmmittel – und Verstetigung heißt, dass wir weg wollen von jahresweisen teilweise rückwirkenden Zahlungen hin zu einer Perspektive auf fünf, besser auf zehn Jahre. Mit diesen Mitteln sollen Menschen unbefristet angestellt werden, die dringend und unbefristet gebraucht werden.“

Erhöhung der Kopfpauschalen um 1000 Euro

Das Wissenschaftsministerium hat errechnet, dass aktuell 1500 Euro pro Studienplatz weniger seitens des Landes an die Hochschulen fließen als noch im Jahr 2001. Gleichzeitig sind die Ausgaben aufgrund neuer Aufgaben erheblich angestiegen, wie zum Beispiel durch Digitalisierung von Lehre, Forschung und Verwaltung, der Umgang mit der anwachsenden Heterogenität von Studierenden, veränderte Rahmenbedingungen, unter denen Angewandte Forschung stattfindet, erhöhte rechtliche Anforderungen nicht nur durch den Datenschutz, Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses und Third Mission.

Die Internationalisierung an der Evangelischen Hochschule Freiburg verzeichnet seit 2005 eine Budgetsteigerung von 550 Prozent. „Das geht nur, wenn Rücklagen angegriffen werden und wenn der Betreuungsschlüssel zur Disposition gestellt wird“, so Kirchhoff. „Das kann nicht im Interesse des Landes sein, denn seine Entwicklung lebt ganz wesentlich von beruflich und akademisch qualifizierten Menschen im Bereich MINT und im Bereich Soziales, Bildung und Gesundheit.

Die Forderung der Evangelischen Hochschule weicht insofern von der staatlicher Hochschulen ab, als eine anteilige auskömmliche Finanzierung von etwa 50 Prozent im Blick ist. Die Hochschule benötigt diese für alle Studienplätze im Bereich Bachelor und konsekutiver Master. Da die Evangelische Hochschule bisher auf die Ausschreibungen der Masterstudienplätze nicht antragsberechtigt war, musste die Evangelische Landeskirche in Baden die konsekutiven und forschungsorientierten Master-Studiengänge vollständig finanzieren.

Kirchhoff: „Da wir zweimal reale Kürzungen um 5 Prozent erfahren haben, die abgeschafften Studiengebühren nicht refinanziert wurden und die Finanzhilfe für die programmfinanzierten Studienplätze schlechter ist als für die Studienplätze im grundfinanzierten Bereich, hat sich der prozentuale Anteil der staatlichen Zuweisung insgesamt seit 2007 deutlich reduziert. Unsere Trägerin, die badische Landeskirche, wird das nicht kompensieren; ich halte das auch nicht für ihre Aufgabe. Warum sollte Kirche den sukzessiven Rückzug des Landes aus der Finanzierung von jenen Hochschulen finanzieren, die das Land notwendig braucht. 30 Prozent der Absolvent*innen im Bereich Soziales und Gesundheit haben die HAWs in kirchlicher Trägerschaft qualifiziert – mal abgesehen von Forschung und Transfer sowie Förderung akademischen Nachwuchses. “

Für das kommende Jahr 2020 stehen für Rektorin Kirchhoff drei Hochschulthemen im Vordergrund: die Internationalisierung, das neue Friedensinstitut und die Generalsanierung der Hochschule.

Internationale Pädagogik der Kindheit

Im Rahmen unserer 30-jährigen trinationalen Hochschulkooperation RECOS im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz soll der Bachelor-Studiengang Pädagogik der Kindheit international weiterentwickelt werden. Mit RECOS wird die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen, die Eröffnung von Arbeitschancen in den Nachbarländern gestaltet und die Basis für gemeinsame Forschungsprojekte wie zum Beispiel zum Kinderschutz im Dreiländereck geschaffen. Für die Kindheitspädagogik soll zunächst für Studierende aus Deutschland und Frankreich – in einem nächsten Schritt auch der Schweiz – ein internationales Studium der Pädagogik der Kindheit ermöglicht werden, das in einen Joint Degree mündet.

Friedensinstitut Freiburg

Zum 1. Januar 2020 nimmt das neu gegründete Friedensinstitut Freiburg an der Evangelischen Hochschule seine Arbeit auf. Die feierliche Eröffnung findet am 24. Januar 2020 in der Hochschule statt.

Das Friedensinstitut ist eine interdisziplinäre Forschungs- und Weiterbildungseinrichtung der Evangelischen Hochschule Freiburg. Inhaltliche Schwerpunkte werden die Themen Friedenspädagogik und Friedensarbeit, Friedensethik und zivile Konfliktlösung sein. Forschungsprojekte und Weiterbildungsangebote des Friedensinstituts werden in Zusammenarbeit mit nationalen wie internationalen Partner*innen entwickelt.

Generalsanierung der Hochschule

Im August 2020 wird die Hochschule bei laufendem Betrieb mit Büros, Seminarräumen, Bibliothek für eine rund zweijährige Übergangsphase in das neu gebaute Studierendenwohnheim des Studierendenwerks Freiburg auf dem Hochschul-Campus ziehen. Von 2020 bis 2022 wird der Altbau aus den 70er Jahren generalsaniert, so dass ab August 2022 der Hochschulbetrieb im sanierten Altbau wieder aufgenommen werden kann. Anschließend wird das Studierendenwohnheim bezugsfertig – für Studierende – gebaut.

– Preisträger*innen und Stipendiat*innen –

Kooperationspartner*innen der Evangelischen Hochschule Freiburg und ihre Trägerin, die Evangelische Landeskirche in Baden, vergeben jährlich im Rahmen der Eröffnung des Akademischen Jahres Preise und Stipendien an Studierende für herausragende Leistungen und besonderes soziales Engagement.

  1. Studienpreis des Diakonischen Werkes Baden
    Ausgezeichnet werden herausragende innovative Abschlussarbeiten aller Bachelor-Studiengänge. Lena Martens und Laura Spies erhalten den Studienpreis in Höhe von jeweils 500,- Euro für eine Teamarbeit: die gemeinsame Bachelorarbeit „Wahrnehmung von und Umgang mit herausforderndem Verhalten in Kindertageseinrichtungen“ im Studiengang Pädagogik der Kindheit.
    Den Preis überreichte Dr.in Ulrike Hahn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Baden und Mitglied des Kuratoriums der Hochschule.
  2. Stipendien der SPITTLER Immobiliendienste GmbH
    Prämiert werden mit diesem Stipendium Studierende der Sozialen Arbeit, die sich sozial engagieren und zwar besonders im Bereich Wohnen und Teilhabe. Preisträgerinnen sind die Bachelorstudierenden der Sozialen Arbeit Kathrin Bauhofer (500,- Euro) und Lucia Reiling (1.000,- Euro).
    Professorin Dr.in Hiltrud Loeken von der Evangelischen Hochschule überreichte die Stipendien stellvertretend für Geschäftsführer Frank Spittler.
  3. Dr.-Julie-Schenck-Preis der Evangelischen Landeskirche in Baden
    Dieser Preis wird Studierenden des Bachelor Religionspädagogik / Gemeindediakonie verliehen, die sehr gute Studienleistungen mit einem sozialen Engagement verbinden. Preisträger*innen sind Merrit Diederichs und Manuel Reutter. Beide haben den Bachelor Religionspädagogik/Gemeindediakonie absolviert und befinden sich aktuell im Master-Studiengang Religionspädagogik an der Evangelischen Hochschule Freiburg.
    Merrit Diederichs erhält den Preis in Höhe von 1.000,- Euro für ihre Bachelorarbeit „Antisemitismus als Herausforderung im Unterricht“ sowie besonderes ehrenamtliches Engagement. Manuel Reutter wird mit dem Preis in Höhe von 1.000,-Euro für seine Bachelorarbeit „Die Realität Gottes für Betende“ und ebenfalls für sein soziales Engagement ausgezeichnet.
    Den Preis übergab Werner Volkert, der Landeskirchliche Beauftrage für den gemeindepädagogischen und gemeindediakonischen Einsatz in Baden.

Fotohinweis (alle Bilder: Marc Doradzillo)
Fotos 1+2 der Bildergalerie zeigen Prof. Dr. Monika Gross von der Beuth Hochschule für Technik Berlin, die den Festvortrag am 06.11.2019 hielt. Gross ist seit 2016 Mitglied des Präsidiums der Hochschulrektorenkonferenz HRK und als HRK-Vizepräsidentin für Digitalisierung und wissenschaftliche Weiterbildung verantwortlich. Seit 2013 ist sie Mitglied im Programmbeirat „Forschung an Fachhochschulen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).