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Stabwechsel im Prädikant*innendienst

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Ute Niethammer; © Fotostudio Stock-Müller

Jedes Jahr starten in Baden neue Ausbildungskurse für theologisch interessierte Menschen, die danach ehrenamtlich Gottesdienste leiten und predigen können. Rund 450 dieser Prädikantinnen und Prädikanten sind derzeit in badischen Gemeinden tätig. Anstelle des jährlichen Fortbildungstags findet corona-bedingt am Samstag, 31. Oktober 2020, um 11 Uhr ein besonderer Gottesdienst in der Karlsruher Stadtkirche statt: Pfarrerin Dr.in Ute Niethammer wird als neue Leiterin des Prädikant*innendienstes und Dozentin der Evangelischen Hochschule Freiburg in ihr Amt eingeführt.

„Wir sind die einzige Hochschule bundesweit, an der die Prädikantinnen- und Prädikantenarbeit angesiedelt ist. Dadurch können wir sie beforschen. Hierfür sind bei uns – einer Hochschule für angewandte Wissenschaften mit einem Schwerpunkt im Bereich empirischer Forschung – die Voraussetzungen ideal. Wir gehen zum Beispiel der Frage nach, welche Chancen die Arbeit ehrenamtlich tätiger Prädikant*innen für heute notwendig vielfältiges gottesdienstliches Handeln bietet“, betont Rektorin Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff.

Alle Getauften seien zum priesterlichen Dienst berufen – in Beruf und Familie oder in der Kirche, hatte Martin Luther 1520 seiner Schrift „Von des christlichen Standes Besserung“ festgestellt. Dazu müsse man nicht geweiht, aber durchaus von der Kirche berufen sein, so Luther. In der badischen Landeskirche machen jedes Jahr bis zu 40 Menschen die einjährige Ausbildung zum Prädikanten oder zur Prädikantin. In acht Modulen vertiefen sie ihr Wissen über das Alte und Neue Testament, über Kirchenmusik und die Gestaltung von Gottesdiensten und lernen – in der so genannten Homiletik – vor allem zu predigen.

Nach ihrer Berufung durch den Landesbischof leiten sie ehrenamtlich Gottesdienste, auch mit Taufe und Abendmahl. Nach dem Besuch von weiteren Ergänzungsmodulen übernehmen sie darüber hinaus Trauungen, Bestattungen und Gottesdienste in Heimen und Krankenhäusern. Durchschnittlich 15 Prozent aller Gottesdienste in der Evangelischen Landeskirche in Baden werden von Prädikantinnen und Prädikanten geleitet. In Regionen mit vielen offenen Pfarrstellen kann dieser Anteil auf rund ein Drittel klettern.

Ute Niethammer freut sich auf neue Aufgabe, „weil ich sehr gern Menschen dabei begleite sich zu entwickeln – je erwachsener umso besser“. Viele begännen die Ausbildung kurz vor dem Ruhestand, doch auch in diesem Jahr seien Jüngere, darunter eine 28jährige, im Kurs. Die Auseinandersetzung mit den Kursteilnehmenden zwinge außerdem dazu, „theologisch aktuell zu bleiben, um zu schauen, welche neuen Ansätze für unsere heutige Zeit passen“, so Pfarrerin Niethammer.

Die Antwort auf die Frage, was eigentlich Gottesdienst sei, falle, so Niethammer, „je nach Lebensphase anders aus“. Es gehe darum „abzubilden, was Menschen suchen und brauchen“. Als Dozentin im Bachelor-Studiengang Religionspädagogik / Gemeindediakonie freue sie sich ebenso darauf, mit den Studierenden der Frage nachzugehen, „worauf es heute im Gottesdienst und in der Predigt wirklich ankommt“.

Ute Niethammer, die am Reformationstag gottesdienstlich in ihr Amt eingeführt wird, folgt Pfarrer Dr. Dieter Splinter nach, der seit 2011 für die Aus- und Fortbildung der Prädikantinnen und Prädikanten verantwortlich war und nun in Ruhestand geht. Unter seiner Leitung wurde die Prädikantenausbildung neu aufgestellt: Orientiert am Bolognaprozess entwickelte Dieter Splinter einzelne Module, die nun flexibel und auch zeitlich gestreckt absolviert werden können.

„Dieses in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einmalige System hat die Ausbildung für Berufstätige oder auch stark in die Familienarbeit eingebundene Menschen attraktiv und machbar gemacht“, betont Kirchenrat Michael Löffler, der den Gottesdienst am Reformationstag gemeinsam mit der Rektorin der Evangelischen Hochschule Freiburg, Prof.in Dr.in Renate Kirchhoff leiten wird.

Zuvor, von 1993 bis 2011, hatte Dieter Splinter als Pfarrer der Stadtkirche in Karlsruhe mit Citykirchenarbeit begonnen und zum Beispiel 50 Ausstellungen organisiert. Auch jetzt im Ruhestand will er, so sagt er, „probieren, was ich bisher noch nicht gemacht habe“, zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse vertiefen.

Mit der Leitung des Prädikant*innendienstes verbunden ist auch die Lehrbeauftragung für Liturgik und Homiletik an der Evangelischen Hochschule Freiburg.