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„Wir haben einen besonders attraktiven Ort geschaffen“

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Ein Gespräch mit Kanzler Dr. Ulrich Rolf

Das Hauptgebäude der Evangelischen Hochschule Freiburg ist generalsaniert und umgebaut worden. Zu einem zeitgemäßen Hochschulbetrieb passte das Gebäudekonzept aus den 70er-Jahren nicht mehr. Was hinter der Modernisierung steckt und warum es dabei um mehr als um ein Gebäude geht, erklärt Dr. Ulrich Rolf, Kanzler der Hochschule.

Das Hauptgebäude der Evangelischen Hochschule Freiburg stammt aus den 70er-Jahren. Jetzt hat die Hochschule es generalsanieren lassen. Was heißt das genau? Wenn man es technisch ausdrückenwürde, haben wir das alte Gebäudean die heutigen Bedürfnisse angepasst. Der Bau stammt aus dem Jahr 1975. Er war schlicht nicht mehr nutzbar. Es gab zum Beispiel keine gut funktionierende Wärmedämmung, unübersichtlich verschachtelte Flure, keinen zeitgemäßen Brandschutz. Es passte aber auch nicht mehr in die heutige Zeit. Heute hat ein Hochschulbetrieb andere Ansprüche an die Architektur und Raumgestaltung, als man sie zur Zeit des Baus hatte.

Welche Anforderungen soll das neue Gebäude erfüllen? Lassen Sie mich das anhand der Planung illustrieren. Wir haben zum Umbau des Hauptgebäudes eine Beratungsfirma an Bord geholt. Die wichtigste Frage, die diese Firma uns gestellt hat, war nicht: Welche Räume brauchen Sie? Sondern: Wie funktioniert ihr eigentlich? Was macht ihr? Zu welchen Themen forscht ihr? Welche Fächer gibt es hier? Wie wird an der Hochschule gelehrt, gelernt, gearbeitet und kommuniziert?

Wie beantwortet man diese Fragen? Das war eine spannende und wichtige Erfahrung. Man muss sich das als einen Prozess vorstellen, an dem ziemlich viele verschiedene Parteien beteiligt sind. Da ist zum einen die Evangelische Hochschule selbst. Aber das Gebäude gehört nicht uns, sondern unserem Träger, der Evangelischen Landeskirche in Baden. Da sind die Hochschullehrenden, die andere Ansprüche und Ideen haben als die Studierenden oder die Verwaltung, die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen aus dem Forschungsbereich, dazu das Publikum von Fachtagen und wissenschaftlichen Weiterbildungen, Gäste von öffentlichen Vorträgen. Die Beratungsfirma hat eine Menge Know-how in diesen Dingen mitgebracht, sie ist auf solche Hochschulprojekte spezialisiert. Die Ausarbeitung der Antworten geschah dann in Workshops – gemeinsam mit Studierenden, mit Lehrbeauftragten, mit Professor*innen, wissenschaftlich Mitarbeitenden und mit Verwaltungsangestellten. Das heißt, alle Gruppen an der Evangelischen Hochschule und der Träger als Bauherr waren an der Planung zum Umbau beteiligt und haben ihre Ideen eingebracht. Dadurch haben wir auch viel über uns gelernt. Einiges davon haben wir nur diffus geahnt oder vermutet, jetzt haben wir es schriftlich fixiert und in ein Raumkonzept übersetzt. Die Umsetzung der Anforderungen, die das Beratungsbüro ausgearbeitet hatte in Abstimmung mit dem Bauherrn und dem Architekten, ist ein stetiges Aushandeln. Am Anfang steht da ein abstraktes Raumprogramm. Irgendwann geht es um ganz konkrete Dinge wie Materialien von Oberflächen, von Böden, von Wänden, die technische Ausstattung von Lehrräumen und speziellen Fachräumen, es geht um die Bestellung von multifunktionalen Möbeln.

Man muss sich das als einen Prozess vorstellen, an dem ziemlich viele verschiedene Parteien beteiligt sind.

Ulrich Rolf

Was sind die wichtigsten Dinge, die sie gelernt und umgesetzt haben? Die Evangelische Hochschule hat einen sehr guten Ruf als Wissenschaftseinrichtung, und auch, weil der Kontakt zwischen den Gruppen an der Hochschule als verbindlich, persönlich und kommunikationsstark gilt. Der Austausch ist bei uns sehr gewünscht. Und das alles spiegelt sich in dem modernisierten Gebäude wider. Dort haben wir zum Beispiel Kommunikationszonen aufgesetzt – mit einem neuen Raumkonzept und mit passender Ausstattung.

Wurde denn alles verändert? Das Grundskelett des Gebäudes blieb erhalten. ‚Sehr gute Betonqualität‘, wurde uns bestätigt. Das heißt, dass auch die Aufteilung, etwa die großen Foyers auf allen Etagen, so geblieben ist, wie sie von den Architekt*innen der 70er-Jahre vorgegeben wurde. Diese Foyers durften wir aber seit 2014 nicht mehr mit Möbeln ausstatten, da das Probleme für den Brandschutz gegeben hätte. Das heißt, sie konnten seitdem nicht mehr benutzt werden – ob für Arbeitsgruppen, Meetings, Ausstellungen, Pausen. Das haben wir jetzt durch die Sanierung bestmöglich gelöst.

Wie kann man sich das genau vorstellen? Das Gebäude ist fingerförmig angeordnet. In den „Fingern“ befinden sich Büros, Besprechungs-, Seminar- und spezielle Fachräume. Wenn man von dort in die Foyers kommt, gibt es nun verschiedenartige Zonen fürs Arbeiten und für die Kommunikation, egal, zwischen wem – zum Beispiel unter Studierenden und Dozierenden oder zwischen beiden Gruppen. Da gibt es sogenannte Kokons, also geschützte Bereiche, die etwas abgeschottet sind, in denen vier bis sechs Personen konzentriert arbeiten können, aber auch Sofas zum entspannten Sitzen. Die flexible Möblierung aus Hockern und kleinen Tischen ermöglicht eine spontane Organisation in Gruppen. Ob man sitzen oder stehen möchte, ob man sich nur unterhalten oder Notebooks hinstellen und arbeiten will, hohe Tische und Stühle oder Sofas mit Steckdosen bieten dazu allen Komfort.

Und gleichzeitig ist der Austausch, der geplante und der zufällige enorm wichtig.

Ulrich Rolf

Lässt sich sagen, dass das ganze Gebäude darauf ausgerichtet ist, innovatives und gutes Arbeiten zu ermöglichen? Genau – das gilt im Übrigen nicht nur für die Lehre, das gilt für alle Arbeitsbereiche der Hochschule. Wir wissen heute, dass viele Menschen einen festen Ort für ihre Arbeit brauchen – ob mit der berüchtigten Zimmerpflanze oder einem Familienfoto oder ohne das. Und gleichzeitig ist der Austausch, der geplante und der zufällige enorm wichtig. Er macht zufrieden, fördert bereichs- und fachübergreifendes Denken. Sogenannte Flurgespräche ersetzen nicht die interne Kommunikation, aber sie stärken das Interesse an Beteiligung, unterstützen Empathie und Innovation. Durch die Pandemie sind auch bei uns die Themen Homeoffice und mobiles Arbeiten in den Vordergrund gerückt. Die Arbeit findet nun nicht mehr ausschließlich an einem Ort statt, sondern im Wechsel in Büros, in Fokusräumen, in den Foyers oder auch zu Hause. In den offenen Bereichen des Hauses gibt es beispielsweise keine festen Sitze mehr, sondern Sitzbälle, es gibt eine Kuckucksuhr an der Wand, ein Teppich und eine Stehlampe bringen Auflockerung wie daheim.

Sie haben es eben schon angesprochen: Corona hat die Menschen ins Homeoffice gedrängt. Verkörpert die neue Architektur nun auch den Wunsch, dass sie wieder zurückkommen? Auf jeden Fall. Wir alle haben die Corona-Pandemie weitgehend zu Hause und in Videokonferenzen durchlebt. Und wir wissen, dass das Homeoffice bleiben wird, aber es gibt jetzt einen wichtigen Unterschied: Corona hat die Leute zwangsweise nach Hause geschickt. Sie durften nicht mehr in die Hochschule kommen. Jetzt ist das anders, jetzt dürfen alle wieder in ihre Büros. Homeoffice, das haben die vergangenen Jahre gezeigt, ist eine Bereicherung fürs Arbeiten – aber eben nur in Kombination mit der Präsenz. Nun ermöglichen wir die Präsenz in einem attraktiven und vor allem zeitgemäßen und funktionalen Hochschulgebäude.

Haben Sie einen Lieblingsort in dem neuen Gebäude? Ja, habe ich tatsächlich. Mein liebster Ort befindet sich im dritten Obergeschoss. Dort ist die Bibliothek auf zwei Ebenen untergebracht. Ich nenne das liebevoll unser Penthouse. Das ist komplett rundum verglast, wie das gesamte Gebäude übrigens auch. Aber durch die Lage im obersten Stockwerk hat man einen fantastischen Ausblick auf Freiburg und auf den umliegenden Schwarzwald. Es gibt eine wunderschöne, bepflanzte Terrasse, die man auch wirklich nutzen kann. Bänke, Tische und Sonnenschirme laden zum Verweilen ein. Wir haben da in Freiburg-Weingarten einen besonders attraktiven Ort geschaffen.