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Karriere in der Wissenschaft ist mehr Berufung als Beruf, sagt Mareike Ochs

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Mareike Ochs ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Soziale Arbeit. Für ihr Konzept „Wissenschaft als Haltung“ hat sie 2023 den Lehrpreis der EH Freiburg erhalten.

Bei mir sind es 80 Prozent Berufung und 20 Prozent Beruf. Ich bin der Überzeugung, dass Menschen in der Sozialen Arbeit ohnehin in Richtung Berufung tendieren. Die Arbeit mit Menschen erfordert immer auch eine gewisse Haltung. Wir müssen Leidenschaft mitbringen. Sonst könnten wir in vielen Bereichen nicht immer wieder wichtige Impulse einbringen. So gesehen ist mein Fachgebiet oft mehr Herzensangelegenheit als Berufstätigkeit. Das hat auch seine Schattenseiten, denn es braucht Abgrenzung. Dazu gehört, dass die Soziale Arbeit immer noch nicht das politische und gesellschaftliche Ansehen hat, das sie haben sollte. Das ist mein Hauptantrieb, warum ich mich im Berufsverband für Soziale Arbeit engagiere. Dort bin ich 1. Vorsitzende für Baden-Württemberg, weil es mir wichtig ist, Sozialer Arbeit eine Stimme zu geben. Von den Kontakten zu den Praktiker*innen im Verband profitiert wiederum meine wissenschaftliche Arbeit: Forschung und Lehre sollen schließlich nicht an der Arbeitsrealität vorbeigehen.

Wo Menschen etwas aus Leidenschaft machen, sind Grenzen wichtig.

Mareike Ochs
Verleihung Lehrpreis 2023: li. Anke Stallwitz, re. Mareike Ochs

Was ich hier an der EH Freiburg mache, ist meine Leidenschaft. Mein Schwerpunkt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin ist die Lehre. Ich bin dankbar für die Freiheit der Lehre und freue mich, wenn meine Beiträge zu Diskussionen anregen. Das gibt mir das Gefühl, eine sinnvolle Arbeit zu machen. Mit meinem Lehrkonzept „Wissenschaft als Haltung“versuche ich, Studierende ab dem ersten Semester dafür zu sensibilisieren, eine eigene wissenschaftliche Haltung zu entwickeln. Das geht über das Reflektieren der eigenen Grenzen hinaus und erfordert das Kennenlernen des Wissenschaftssystems inklusive seiner zum Teil prekären Dynamiken. Für mich gehören dazu beispielsweise die Fragen: Wie kriege ich das alles als Mutter hin? Wie viel mehr Sicherheit bringt mir ein Doktortitel? Gerade Menschen, die nicht aus einer Akademikerfamilie kommen, so wie ich, können davon auch schnell überfordert sein. Dem möchte ich in meiner Lehre frühzeitig begegnen.

Die Soziale Arbeit hat immer noch nicht das politische und gesellschaftliche Ansehen, das sie haben sollte.

Mareike Ochs

Wissenschaft, wie ich sie erlebe, ist kein Nine-to-five-Job, den man jedes Wochenende ruhen lässt. Dieses Spannungsfeld müssen wir im Blick haben: Wenn alle immer zu viel geben, kommen nicht unbedingt die bestmöglichen Ergebnisse heraus. Gerade in Bereichen, wo wir etwas aus und mit Leidenschaft machen, ist es wichtig, klare Regeln zu haben, damit man nicht untergeht. Ressourcen sind endlich, Zeit ist es auch.

(Protokoll: Dirk Nordhoff)

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