Woran kann ich erkennen, wie wohl sich die Kinder in der Krippe und in der Kindertagespflege fühlen? Wie gelingt es, Kinderrechte im pädagogischen Alltag lebendig zu machen? Wie funktioniert Demokratiebildung mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren?
Dies und mehr sind zentrale Fragen im neuen Praxisforschungsprojekt ‚KiRI‘ des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanziell über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert (01.01.2026 bis 31.12.2029). Ziel ist es, die kinderrechtsbasierte Gestaltung von Interaktionsgelegenheiten im pädagogischen Alltag in der institutionellen Betreuung zu erforschen und pädagogische Fachkräfte in Krippen sowie Tagespflegepersonen bei der Verbesserung ihrer Handlungskompetenzen in Bezug auf eine gelebte Schutzpraxis und in Demokratiebildungsprozessen zu unterstützen.
Denn im Kontext des Ausbaus von außerfamiliären Betreuungskapazitäten für Kinder in den ersten drei Lebensjähren treffen heterogene gesellschaftliche An- und Herausforderungen häufig auf einen bestehenden Personalmangel, welcher u. a. Überforderungssituationen seitens des pädagogischen Personals verstärkt. Das hiermit verbundene Stresserleben und unreflektierte Machtstrukturen können dabei zu verletzenden Verhaltensweisen von pädagogischen Fachkräften und Tagespflegepersonen gegenüber Kindern führen (= die Missachtung von Kindern und ihren Rechten, beispielsweise durch Ausgrenzung, Demütigung und Anschreien). Die vorhandenen Machtstrukturen sind dabei ein Ausdruck individueller Einstellungen und ebenso in den institutionellen Rahmenbedingungen verankert. Die Machtverhältnisse beeinflussen nicht nur das Interaktionsverhalten gegenüber Kindern, sondern ebenso das Selbstverständnis der pädagogischen Fachkräfte und Tagespflegepersonen. Fehlverhalten von und Grenzüberschreitungen durch Erwachsene im pädagogischen Alltag kommen unterschiedlich häufig und intensiv, jedoch praktisch in jeder Einrichtung frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung vor. Zwar wurden in den letzten Jahren Fälle von professionellem Fehlverhalten aufgedeckt, jedoch wird bei der insgesamt dürftigen Berichterstattung deutlich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit die Thematik des Kinderschutzes jedoch insbesondere auf schwere Fälle drastischen Fehlverhaltens lenkt und dabei vernachlässigt, dass in pädagogischen Settings vor allem seelische Verletzungen die Beziehungs- und Interaktionsgestaltung zwischen Kindern und Erwachsenen beeinflussen. Die Erarbeitung eines Kinderschutzkonzeptes ist zwar eine Bedingung zur Betriebserlaubnis, allerdings bleiben die Qualität und die Nachhaltigkeit der Umsetzung den Einrichtungen selbst überlassen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es entscheidend, kinderrechtsverletzende Routinen und Strukturen im pädagogischen Alltag aufzudecken sowie die Rahmenbedingungen innerhalb der Einrichtungen zu verbessern. In diesem Zusammenhang muss ein Bewusstsein für die Rechte der Kinder sowie die Bedeutung ihrer Stimmen geschaffen und nachhaltig umgesetzt werden. KiRI setzt hier an und begleitet insgesamt 32 pädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen in acht Krippengruppen und acht bis 16 Kindertagespflegepersonen über einen Zeitraum von drei Jahren in ihrem Alltag. Durch einen ethnografischen Feldzugang (= Datenerhebung vor Ort durch Beobachtung und Videografie) und ein qualitativ orientiertes Forschungsdesign ermöglicht KiRI einen vertieften Blick in die aktuelle pädagogische Handlungspraxis und kann Herausforderungen, Themen und Fragestellungen durch eine enge Verzahnung gemeinsam mit ausgewählten Praxispartnern im Raum Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald erarbeiten. Die Erkenntnisse können genutzt werden, um Weiterentwicklungspotenziale pädagogischer Prozess- und Strukturqualität zu ermitteln und qualitätsverbessernde Prozesse für Kleinkinder im institutionellen Setting anzustoßen.
Mitwirkende und Praxispartner
Projektleitungen:
- Prof.in Dr.in Maike Rönnau-Böse
- Prof.in Dr.in Silke Kaiser
Wissenschaftliche Mitarbeitende:
- Jessica Ferber
- Juliane Cichecki
- Annika Lorenzen
Praxispartner:
- Amt für städtische Kindertageseinrichtungen der Stadt Freiburg
- Caritas Freiburg
- Fachstelle für Kindertagespflege im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
- Kindertagespflege im Amt für Kinder, Jugend und Familie Freiburg
KiRI-Fachtagung ‚Forschung und Praxis‘
Mit Start im Herbst 2027 findet jährlich eine Fachtagung an der Evangelischen Hochschule Freiburg statt. Hier erhalten Teilnehmende aus Forschung und Praxis sowie weitere Interessierte spannende Einblicke in die (Zwischen-)Ergebnisse und Erfahrungen des Projekts. Des Weiteren werden in verschiedenen Formaten – u. a. in Vorträgen, Podiumsdiskussionen mit dem Fachbeirat des Projekts und Praxispartnern sowie in vertiefenden Workshops und Themenräumen – praxis- und theorierelevante Themen und Fragestellungen rund um die kinderrechtsbasierte Interaktionsgestaltung im pädagogischen Alltag in Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege diskutiert.
Sie sind schon jetzt interessiert? Schauen Sie gerne zu einem späteren Zeitpunkt wieder vorbei. Weitere Informationen sowie die konkreten Termine der Fachtagungen werden an dieser Stelle noch bereitgestellt.

