Anne Schönstein schloss ihren M.A. Soziale Arbeit mit staatlicher Anerkennung als Sozialarbeiterin 2024 an der EH Freiburg ab. Ihren M.A. in Gender and Development erlangte sie 2007 an der Universität Sussex in England; zuvor ihr Diplom in Betriebswirtschaft an der Hochschule Pforzheim. Die längste Zeit arbeitete sie bisher auf internationaler Ebene bei einer Nichtregierungsorganisation. Seit 2024 ist Anne Schönstein beim Landratsamt Emmendingen als Koordinierende Stelle Integrationsmanagement angestellt. Sie ist zudem selbständig tätig, u.a. im Bereich Persönlichkeitsentwicklung.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Zunächst zum besseren Verständnis: beim Integrationsmanagement (IM) geht es darum, geflüchteten Menschen in Baden-Württemberg eine frühzeitige und nachhaltige Orientierung und Teilhabe zu ermöglichen. Dazu werden sie von Integrationsmanager*innen individuell beraten. Die Koordinierende Stelle IM im Landkreis Emmendingen gibt es seit Ende 2024.
Als Koordinierende Stelle Integrationsmanagement bin ich für die zentrale Steuerung in meinem Landkreis zuständig. Prozessbegleitung bzw. -entwicklung ist integraler Teil davon. Dabei trage ich zur Schaffung oder Anpassung von Strukturen bei. Ich vernetze Akteur*innen und organisiere und führe Vernetzungsveranstaltungen auf Kreisebene durch. Als Ansprechpartnerin für die Integrationsmanager*innen, das Sozialministerium Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium Stuttgart, die kreisangehörigen Städte, Gemeinden und Verbünde sowie die Träger der freien Wohlfahrtspflege ist mein Arbeitsalltag auch beeinflusst von den Anliegen dieser Akteur*innen. Gelegentliche Dienstreisen gehören ebenfalls zu meinem Arbeitsalltag, z.B. für Sitzungen des Strategischen Steuerungsgremiums zum IM auf Landesebene. Reflexion und Lernen – individuell, als Organisation sowie zwischen Organisationen – erachte ich als essenziell in unserer BANI-Welt (Anm. der Redaktion: Jamais Cascio prägte 2020 diesen Begriff, der für brittle, anxious, non-linear, incomprehensible steht). Daher integriere ich diese Prozesse systematisch in meiner Arbeit. Mein Arbeitsalltag sieht somit stets etwas unterschiedlich aus. Konstant ist, dass ich ihn autonom und im Zusammenspiel mit Kolleg*innen, Kooperations- und Netzwerkpartner*innen gestalte, Bedarfe und Lücken identifiziere und den Aufbau von Netzwerken und Kooperationen begleite.
Was haben Sie aus Ihrem Studium mitgenommen, das Ihnen bei Ihrer Arbeit nützlich ist?
Mitgenommen habe ich aus dem Studium an der EH Freiburg eine insgesamt gestärkte professionelle Haltung und wissenschaftsbasierte Ausrichtung sowie Selbstbewusstsein in Bezug auf die Profession Soziale Arbeit. Besonders nützlich ist, dass ich nun Theorie und Praxis miteinander verbinde.
Buchstäblich mitgenommen habe ich auch meine Leistungsnachweise. Diese Unterlagen nutze ich als persönliche Nachschlagewerke und Ressourcen in meinem Arbeitsalltag.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Freude und warum?
Auf struktureller Ebene mitzugestalten und konzeptionell zu arbeiten macht mir besonders viel Freude. Es gefällt mir, dass ich dabei sowohl strategisch auf der Leitungsebene arbeite als auch mit den Akteur*innen verbunden bin, die direkt in der Beratungspraxis stehen und dass sie sich offen und kritisch zugleich zeigen. Das trägt m. E. dazu bei, dass nachhaltige (Veränderungs-)Prozesse entstehen und gemeinsam entwickelte Lösungen auch umgesetzt werden. Besondere Freude macht es mir, Konzepte und Theorien der Sozialen Arbeit zu nutzen. Sie unterstützen mich z.B. dabei, Informationen zu sortieren und zu analysieren und dienen auch meiner Selbstreflexion. Nicht zuletzt macht es mir Freude, meine bisherigen Erfahrungen nun auf Landkreis- und Landesebene einfließen zu lassen. So kann ich unsere Gesellschaft hier vor Ort jetzt auch auf professioneller Ebene mitverändern.
Ihr persönlicher Tipp für Studierende und Studieninteressierte
Sei du selbst. Glaube an deine Kraft, zu menschenrechtsbasierten Veränderungen beizutragen. Dazu zählen vermeintlich kleine, praktische Dinge und menschenfreundliche Gesten ebenso wie vermeintlich große Innovationsideen. Vernetzte dich, gemeinsam sind wir stark und besser zu hören. Werde regelmäßig auch ganz leise im Außen wie im Innen.

