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Keine guten Noten für Pflegepolitik

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28.11.2018
Seelische Gesundheit/Inklusion, Zivilgesellschaft
Foto: © panthermedia.net / alexraths

Die deutsche Bevölkerung stellt der Pflegepolitik und der Pflegebranche kein gutes Zeugnis aus. Der DAK-Pflegereport 2018 hat untersucht, ob und wie sich in Deutschland die Lebens- und Versorgungssituationen Pflegebedürftiger auf regionaler Ebene unterscheiden und stellt die provokative Frage: Gibt es ein gutes Leben unter Bedingung von Pflegebedürftigkeit? Der Report wird von Professor Dr. Thomas Klie wissenschaftlich verantwortet. Er baut auf einer umfangreichen Bevölkerungsbefragung, regional ausgerichteten GKV-Routinedatenanalysen, von AGP Sozialforschung durchgeführten Regionalstudien mit qualitativen Interviews und Fokusgruppendiskussionen auf.

Die Deutschen sind pflegeerfahren, bringt der Bericht zutage. Über 50% der erwachsenen Bürger*innen haben Erfahrung mit auf Pflege angewiesenen An- und Zugehörigen. Die Pflege wird im Wesentlichen als ein privates Schicksal und eine Aufgabe von An- und Zugehörigen verstanden. Heime werden als Notlösung gesehen, ambulante Dienste und Pflegekräfte werden wertgeschätzt, aber kaum in Anspruch genommen.

Der Pflegepolitik und der Pflegebranche stellt die deutsche Bevölkerung kein gutes Zeugnis aus: Die Politik gewährleistet keine gute Qualität in Heimen und vernachlässigt das Thema Pflege. Teilen der Pflegebranche geht es im Wesentlichen um das Geldverdienen, nicht um den Menschen. Das Management und die Kooperation in der Pflege wird als häufig problembehaftet erlebt. Auch die Kommunalpolitik kümmert sich kaum um das Thema Pflege, stellen die für den DAK-Report Befragten fest: Die Sorgekultur und Infrastruktur vor Ort sind maßgeblich für die Qualität der Pflege. Ob Unterstützung aus der Nachbar- und Bürgerschaft erwartbar ist, ob ausreichende infrastrukturelle Angebote etwa der Tages- und Kurzzeitpflege vorhanden sind, ob die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankhäusern und Pflege funktioniert: all das hängt von den Verhältnissen vor Ort ab.

Die Pflegeversicherung für sich und der Pflegemarkt sind nicht in der Lage überall eine bedarfsdeckende infrastrukturelle Versorgung auf Pflege angewiesener Menschen sicherzustellen. Gleichwertige Lebensbedingungen für Menschen mit Pflegebedarf in Deutschland gibt es nicht.

Die Unterschiede sind eklatant, so Thomas Klie: „Die Lebenserwartung Pflegebedürftiger differiert regional um bis zu acht Jahren. Die Inanspruchnahme von ambulanten Diensten variiert um bis zu 20 % Prozent. Die Heimplatzquote ist je nach Bundesland unterschiedlich: sie reicht von 11 % bis 55 % in Heimen versorgter Pflegbedürftiger. Die Ausstattung mit Tagespflegeplätzen ist regional höchst verschieden.

Ein gutes Leben mit Pflegebedürftigkeit: die Frage irritiert zunächst. „Doch sie ist wichtig“, so Klie. „Bewährt sich das Konzept des guten Lebens von Martha Nussbaum doch gerade dort, wo die Lebenslagen prekär sind. Betroffene formulieren die Voraussetzungen für Bedingungen guten Lebens mit Pflegebedarf: soziale Unterstützung, suffiziente pflegerische Infrastrukturen, gute Kooperationen und Koordination vor Ort und Wertschätzung gegenüber auf Pflege angewiesener Menschen und pflegenden An- und Zugehörigen und Respekt in der örtlichen Bevölkerung: so die Sichtweise von auf Pflege angewiesenen Menschen und ihren An- und Zugehörigen, die interviewt wurden.“

Regionale Pflegekompetenzzentren, wie von der DAK-Gesundheit in die pflegepolitische Diskussion eingebracht, können sich nach Expert*innenmeinung ein wichtiger strategischer Baustein für eine regional und örtlich abgestimmte Pflegepolitik sein. Klie: „Dabei spielt insbesondere ein wirksames Care und Case Management eine wichtige Rolle, an dem es weithin in Deutschland noch fehlt.“

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