Alexander Becker
Kanzler
Die Hochschule hat ihren Campus über mehrere Jahre vergrößert und vor allem umfassend modernisiert, 2014 mit dem Kubus (Gebäude B), 2015 dem neuen Dietrich-Bonhoeffer-Platz und 2022 mit der Wiedereröffnung des komplett sanierten Gebäudes der Hochschule (Gebäude A und C). 1975 hat sie ihren Campus in Freiburg-Weingarten erstmals bezogen – damals noch als Fachhochschule und für rund 500 Studierende konzipiert. Inzwischen gibt es rund 1000 Studierende, mehr Hochschulpersonal, die Forschung expandierte, die Weiterbildungsangebote wurden ausgebaut.
Das Hochschulhauptgebäude stammt aus dem Jahr 1975 und erfüllte nicht mehr die aktuellen Baustandards. Dies betraf zum Beispiel die Wärmedämmung, die Gebäudetechnik aber auch den Brandschutz. Nach der Generalsanierung entspricht das – früher „Altbau“ genannte – Gebäude neuesten Standards der Nachhaltigkeit. Kriterien hierfür hat die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, entwickelt. Das ganzheitliche Zertifizierungssystem bezieht die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen ein – und das über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.
Anfang 2023 erhielt das Gebäude der Evangelischen Hochschule auf dem Campus in Freiburg-Weingarten das DGNB Zertifikat in Gold. Damit erfüllt es weit mehr Kriterien der Nachhaltigkeit als durch öffentlich-rechtliche Vorgaben festgelegt ist.
Mit den Kriterien der DGNB für nachhaltiges Bauen wird die Gesamtperformance eines Gebäudes bewertet – nicht nur einzelne Maßnahmen. Im Fokus stehen insbesondere die Themenfelder Ökologie, Ökonomie sowie soziokulturelle und funktionale Aspekte.
Was Nachhaltigkeit für ein Gebäude bedeutet
Der nachhaltige Umgang mit Gebäuden, ob Sanierung oder Neubau, hat enorme Potenziale zur Reduzierung von CO2-Emissionen für den Klimaschutz. Dazu gehört, dass Baustoffe verwendet werden, die wenig „graue Energie“ binden. Darunter wird die Energie eines gesamten Produktionsprozesses verstanden, von der Rohstoffgewinnung über den Transport, die Lagerung, den Verkauf bis zur Entsorgung. Darüber hinaus sollen Baustoffe zum Einsatz kommen, die eine möglichst lange Nutzungsdauer haben. Es geht also um Ökologie in Verbindung mit Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit.
Schadstoffe vermeiden
Im Zuge der Sanierung wurde das gesamte Gebäude (früher „Altbau“ genannt) auf Schadstoffe untersucht, da aufgrund der Bauzeit in den 70er Jahren mit Schadstoffen zu rechnen war. In einem sehr aufwendigen Verfahren wurden alle Schadstoffe beseitigt. Zum Beispiel wurde die mit gebundenen Asbestpartikeln durchsetzte Farbe von den Betonwänden entfernt. Dafür wurde das Gebäude komplett mit Folien abgeklebt und mit einem Unterdruck versehen, damit keine partikelbehaftete Raumluft nach draußen entweichen konnte. Die Handwerker betraten und verließen über Schleusen mit Duschen das Gebäude. Weiter wurden alle neu eingebauten Materialien auf Schadstoffarmut beurteilt und bewertet. Nach Fertigstellung fand im Gebäude eine Schadstoffmessung statt, bei der über 500 Stoffe untersucht wurden. Das Ergebnis war durchweg positiv.
Überholte Gebäudetechnik
Auch die Gebäudetechnik entsprach nicht mehr aktuellen Erfordernissen: Das betraf nicht nur die übliche Gebäudetechnik wie Sanitär, Lüftung, Heizung, Strom, sondern auch die Technik für zeitgemäßes Lehren und Lernen. So sind zum Beispiel Lehrräume für eine hybride Lehre ausgerüstet. Im gesamten Gebäude steht jetzt hochleistungsfähiges W-Lan zur Verfügung. Die Hochschullehrenden können an ihrem Pult die gesamte Seminartechnik mit Beamer und smarten Whiteboards steuern.
Brandschutz und pädagogisches Konzept passen jetzt zusammen
Das Hochschulgebäude brauchte ein neues Brandschutzkonzept. Hierbei geht es vor allem um die Sicherheit der Menschen im Gebäude oder in dessen näheren Umfeld. Doch der Brandschutz wirkt sich auch erheblich auf das pädagogische Nutzungskonzept aus. Die großen Foyers, die sich auf allen drei Stockwerken des Hochschulbaus befanden und heute immer noch befinden, konnten nur noch als Durchgangsorte genutzt werden. Mit dem neuem Brandschutzkonzept sind nun aus den Flur- und Foyerbereichen Kommunikationszonen und Arbeitsbereiche für Kleingruppen geworden, im Zuge von „New Work“ entstanden neue offene Raumkonzepte für die Hochschulverwaltung. Auch solche soziokulturellen Kriterien fließen in den DGNB-Gold-Standard ein.
Beispiele für die nachhaltige Sanierung
Kanzler
Kanzler
Sanierung war Großprojekt
„Die Sanierung dieses Stammgebäudes der Hochschule war ein Großprojekt – sowohl im Blick auf die beteiligten Parteien als auch operativ. Von Anfang an war mit der Frage der Sanierung die Frage der Nutzung des Südgeländes verbunden. Kurze Wege ermöglichten, es durchzuspielen: das Südgrundstück sollte für studentisches Wohnen genutzt werden sollte; und das Wohnheim sollte den Anforderungen an Vereinbarkeit von Studium und Familie genügen. Das war schnell das gemeinsame Ziel bei der Gestaltung von Verträgen zwischen dem Träger badische Landeskirche, der Stadt Freiburg und dem Studierendenwerk Freiburg. Ich danke den Beteiligten für diese Zielorientierung und den langen Atem, der erfolgreich durch diverse und durchaus riskante Verhandlungsschleifen hindurchgeführt hat.“
Rettung für den Hochschulbetrieb: Wohnheim zur Zwischennutzung
„Die Sanierung war notwendig, weil der Hochschulbau aus dem Jahr 1975 nicht mehr nutzbar war: es gab nur die Option der Generalsanierung, des Neubaus oder der Schließung. Die Entscheidung fiel 2017 für die Sanierung. Nun war es so, dass das Stammgebäude in der Sanierungsphase nicht betreten werden konnte. Es war die Rettung für den Hochschulbetrieb, dass Herr Metz es erwirken wollte und konnte, dass wir das jetzige Wohnheim zwei Jahre als Interimsgebäude nutzen konnten: Seminarräume und Büros waren dort untergebracht.“
Das ganze Ensemble auf dem Campus ist vollständig
„Die Sanierung startete im Sommer 2020 und war exakt 2 Jahre später abgeschlossen: wir konnten das Stammgebäude planmäßig zum Wintersemester 2022/23 in Betrieb nehmen. Geradezu euphorisch waren die Begegnungen im Eingangsbereich. Und so haben wir im November letzten Jahres den Bezug des Gebäudes mit Vertreter*innen des Trägers und des Bauträgers schon einmal gefeiert. Heute geht es um das ganze Ensemble auf dem Campus, denn erst mit dem Wohnheim ist er ganz. Das Ergebnis der Sanierung sind moderne Lehr- und Lernwelten. Als Präsenzhochschule aus Überzeugung bietet die Ausstattung die Möglichkeit, digitale Tools für den vertieften Kompetenzerwerb von Studierenden, für Forschung und Transfer national und international regelhaft einzusetzen. Die Gestaltung bildet zudem ab, dass wir Bildungsprozesse als kommunikative Prozesse verstehen, und dass Zusammenarbeit der Mitglieder der Hochschule der Begegnung bedarf.“
„Wir haben einen besonders attraktiven Ort geschaffen“
Das Hauptgebäude der Evangelischen Hochschule Freiburg ist generalsaniert und modernisiert worden. Zu einem zeitgemäßen Hochschulbetrieb passte das Gebäudekonzept aus den 70er-Jahren nicht mehr. Was hinter der Modernisierung steckt und warum es dabei um mehr als um ein Gebäude geht, erklärt Dr. Ulrich Rolf, Kanzler der Hochschule, im Hochschulmagazin.
Gelungenes Zusammenspiel von Ästhetik und Funktion
Auf dem Campus der Evangelischen Hochschule Freiburg stehen sich inzwischen der mit zwei Preisen ausgezeichnete „Kubus“ von 2014 und das Hauptgebäude aus den 70er Jahren gegenüber. Dieser große Bau – durch eine Glasbrücke verbunden mit einem kleinen Anbau – wurde im August 2022 nach zweijähriger Generalsanierung wiedereröffnet. In wenigen Monaten, voraussichtlich März/April 2023 soll eine weitere Eröffnung gefeiert werden: nämlich die des Studierendenwohnheims mit Kita. Bauherr ist das Studierendenwerk Freiburg (SWFR). Das Wohnheim ist das dritte Gebäude, das mit dem Kubus und dem Hauptgebäude in einer gedachten Reihe steht. weiterlesen im Hochschulmagazin ev.olve