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Wiedereröffnung 2022 nach Großprojekt Generalsanierung

Die Hochschule hat ihren Campus über mehrere Jahre vergrößert und vor allem umfassend modernisiert, 2014 mit dem Kubus (Gebäude B), 2015 dem neuen Dietrich-Bonhoeffer-Platz und 2022 mit der Wiedereröffnung des komplett sanierten Gebäudes der Hochschule (Gebäude A und C). 1975 hat sie ihren Campus in Freiburg-Weingarten erstmals bezogen – damals noch als Fachhochschule und für rund 500 Studierende konzipiert. Inzwischen gibt es rund 1000 Studierende, mehr Hochschulpersonal, die Forschung expandierte, die Weiterbildungsangebote wurden ausgebaut.

Generalsanierung mit Gold-Standard

Im August 2022 wurde das Hauptgebäude der Evangelischen Hochschule Freiburg nach zweijähriger Generalsanierung planmäßig wiedereröffnet. Der Hochschulbau erfüllt jetzt neueste Standards der Nachhaltigkeit.

Das Hochschulhauptgebäude stammt aus dem Jahr 1975 und erfüllte nicht mehr die aktuellen Baustandards. Dies betraf zum Beispiel die Wärmedämmung, die Gebäudetechnik aber auch den Brandschutz. Nach der Generalsanierung entspricht das – früher „Altbau“ genannte – Gebäude neuesten Standards der Nachhaltigkeit. Kriterien hierfür hat die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, entwickelt. Das ganzheitliche Zertifizierungssystem bezieht die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen ein – und das über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

Anfang 2023 erhielt das Gebäude der Evangelischen Hochschule auf dem Campus in Freiburg-Weingarten das DGNB Zertifikat in Gold. Damit erfüllt es weit mehr Kriterien der Nachhaltigkeit als durch öffentlich-rechtliche Vorgaben festgelegt ist.

Mit den Kriterien der DGNB für nachhaltiges Bauen wird die Gesamtperformance eines Gebäudes bewertet – nicht nur einzelne Maßnahmen. Im Fokus stehen insbesondere die Themenfelder Ökologie, Ökonomie sowie soziokulturelle und funktionale Aspekte.

Was Nachhaltigkeit für ein Gebäude bedeutet

Der nachhaltige Umgang mit Gebäuden, ob Sanierung oder Neubau, hat enorme Potenziale zur Reduzierung von CO2-Emissionen für den Klimaschutz. Dazu gehört, dass Baustoffe verwendet werden, die wenig „graue Energie“ binden. Darunter wird die Energie eines gesamten Produktionsprozesses verstanden, von der Rohstoffgewinnung über den Transport, die Lagerung, den Verkauf bis zur Entsorgung. Darüber hinaus sollen Baustoffe zum Einsatz kommen, die eine möglichst lange Nutzungsdauer haben. Es geht also um Ökologie in Verbindung mit Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit.

Schadstoffe vermeiden

Im Zuge der Sanierung wurde das gesamte Gebäude (früher „Altbau“ genannt) auf Schadstoffe untersucht, da aufgrund der Bauzeit in den 70er Jahren mit Schadstoffen zu rechnen war. In einem sehr aufwendigen Verfahren wurden alle Schadstoffe beseitigt. Zum Beispiel wurde die mit gebundenen Asbestpartikeln durchsetzte Farbe von den Betonwänden entfernt. Dafür wurde das Gebäude komplett mit Folien abgeklebt und mit einem Unterdruck versehen, damit keine partikelbehaftete Raumluft nach draußen entweichen konnte. Die Handwerker betraten und verließen über Schleusen mit Duschen das Gebäude. Weiter wurden alle neu eingebauten Materialien auf Schadstoffarmut beurteilt und bewertet. Nach Fertigstellung fand im Gebäude eine Schadstoffmessung statt, bei der über 500 Stoffe untersucht wurden. Das Ergebnis war durchweg positiv.

Überholte Gebäudetechnik

Auch die Gebäudetechnik entsprach nicht mehr aktuellen Erfordernissen: Das betraf nicht nur die übliche Gebäudetechnik wie Sanitär, Lüftung, Heizung, Strom, sondern auch die Technik für zeitgemäßes Lehren und Lernen. So sind zum Beispiel Lehrräume für eine hybride Lehre ausgerüstet. Im gesamten Gebäude steht jetzt hochleistungsfähiges W-Lan zur Verfügung. Die Hochschullehrenden können an ihrem Pult die gesamte Seminartechnik mit Beamer und smarten Whiteboards steuern.

Brandschutz und pädagogisches Konzept passen jetzt zusammen

Das Hochschulgebäude brauchte ein neues Brandschutzkonzept. Hierbei geht es vor allem um die Sicherheit der Menschen im Gebäude oder in dessen näheren Umfeld. Doch der Brandschutz wirkt sich auch erheblich auf das pädagogische Nutzungskonzept aus. Die großen Foyers, die sich auf allen drei Stockwerken des Hochschulbaus befanden und heute immer noch befinden, konnten nur noch als Durchgangsorte genutzt werden. Mit dem neuem Brandschutzkonzept sind nun aus den Flur- und Foyerbereichen Kommunikationszonen und Arbeitsbereiche für Kleingruppen geworden, im Zuge von „New Work“ entstanden neue offene Raumkonzepte für die Hochschulverwaltung. Auch solche soziokulturellen Kriterien fließen in den DGNB-Gold-Standard ein.

Beispiele für die nachhaltige Sanierung

  • Rohbau aus Beton wurde erhalten
    Das Grundskelett des Hauptgebäudes (Gebäudeteile A und C) aus Beton blieb erhalten. Da Beton einen vergleichsweise hohen Anteil grauer Energie hat, war diese Entscheidung der Wiederverwertung ein wesentlicher Schritt dahin, langlebige Baustoffe möglichst weiter zu nutzen.
  • Bauschutt, der zum Beispiel beim Abriss des kleinen Anbaus anfiel, wurde bereits auf der Baustelle recycelt.
  • Raumkühlung durch Grundwasser
    Sämtliche Räume im sanierten Gebäude werden im Sommer gekühlt. Hierfür transformiert eine Wärmepumpe die niedrigen Temperaturen des Grundwassers – i. d. R. 10 Grad – in die Fußbodenheizung. Es wird also „natürlich“ gekühlt.
  • Erneuerbare Energie aus Sonnenstrahlen
    Die Evangelische Hochschule installiert im Laufe des Jahres 2023 Sonnenkollektoren auf dem mehrteiligen Gebäudedach. Damit wird insbesondere in den Sommermonaten bis zu 17 Prozent des Stromverbrauchs abgedeckt. Für die Hochschule sind die Kollektoren ein wichtiges Add-on. Denn der Gold-Standard des Hochschulgebäudes würde auch ohne ihren Einsatz erreicht werden.
  • So klein wie möglich bauen
    Der Bauherr badische Landeskirche hat bei der Sanierungskonzeption Wert darauf gelegt, dass nur angemessene Fläche gebaut wird, also nicht mehr Raum entsteht, als tatsächlich benötigt wird. Es ging also darum, so „klein“ wie möglich und gleichzeitig effizient und funktional zu bauen. Denn nicht nur die Investitionskosten für Bau bzw. Sanierung, sondern auch die Kosten der Unterhaltung eines Gebäudes fließen in seine Gesamtökobilanz ein. Betrachtet werden dadurch die gesamten Kosten im Lebenszyklus eines Gebäudes über mehrere Jahrzehnte. Im Fokus steht nicht die Minimierung der Baukosten allein, sondern die Betrachtung des Gesamtaufwands inklusive der Bewirtschaftungskosten im Zeitablauf.

Ansprechperson

Auszug aus Begrüßungsrede von Rektorin Renate Kirchhoff anlässlich der feierlichen Wiedereröffnung des Hochschulstammgebäudes im April 2023

Sanierung war Großprojekt

„Die Sanierung dieses Stammgebäudes der Hochschule war ein Großprojekt – sowohl im Blick auf die beteiligten Parteien als auch operativ. Von Anfang an war mit der Frage der Sanierung die Frage der Nutzung des Südgeländes verbunden. Kurze Wege ermöglichten, es durchzuspielen: das Südgrundstück sollte für studentisches Wohnen genutzt werden sollte; und das Wohnheim sollte den Anforderungen an Vereinbarkeit von Studium und Familie genügen. Das war schnell das gemeinsame Ziel bei der Gestaltung von Verträgen zwischen dem Träger badische Landeskirche, der Stadt Freiburg und dem Studierendenwerk Freiburg. Ich danke den Beteiligten für diese Zielorientierung und den langen Atem, der erfolgreich durch diverse und durchaus riskante Verhandlungsschleifen hindurchgeführt hat.“

Rettung für den Hochschulbetrieb: Wohnheim zur Zwischennutzung

„Die Sanierung war notwendig, weil der Hochschulbau aus dem Jahr 1975 nicht mehr nutzbar war: es gab nur die Option der Generalsanierung, des Neubaus oder der Schließung. Die Entscheidung fiel 2017 für die Sanierung. Nun war es so, dass das Stammgebäude in der Sanierungsphase nicht betreten werden konnte. Es war die Rettung für den Hochschulbetrieb, dass Herr Metz es erwirken wollte und konnte, dass wir das jetzige Wohnheim zwei Jahre als Interimsgebäude nutzen konnten: Seminarräume und Büros waren dort untergebracht.“

Das ganze Ensemble auf dem Campus ist vollständig

„Die Sanierung startete im Sommer 2020 und war exakt 2 Jahre später abgeschlossen: wir konnten das Stammgebäude planmäßig zum Wintersemester 2022/23 in Betrieb nehmen. Geradezu euphorisch waren die Begegnungen im Eingangsbereich. Und so haben wir im November letzten Jahres den Bezug des Gebäudes mit Vertreter*innen des Trägers und des Bauträgers schon einmal gefeiert. Heute geht es um das ganze Ensemble auf dem Campus, denn erst mit dem Wohnheim ist er ganz. Das Ergebnis der Sanierung sind moderne Lehr- und Lernwelten. Als Präsenzhochschule aus Überzeugung bietet die Ausstattung die Möglichkeit, digitale Tools für den vertieften Kompetenzerwerb von Studierenden, für Forschung und Transfer national und international regelhaft einzusetzen. Die Gestaltung bildet zudem ab, dass wir Bildungsprozesse als kommunikative Prozesse verstehen, und dass Zusammenarbeit der Mitglieder der Hochschule der Begegnung bedarf.“

Mehr Info im Hochschulmagazin

„Wir haben einen besonders attraktiven Ort geschaffen“

Das Hauptgebäude der Evangelischen Hochschule Freiburg ist generalsaniert und modernisiert worden. Zu einem zeitgemäßen Hochschulbetrieb passte das Gebäudekonzept aus den 70er-Jahren nicht mehr. Was hinter der Modernisierung steckt und warum es dabei um mehr als um ein Gebäude geht, erklärt Dr. Ulrich Rolf, Kanzler der Hochschule, im Hochschulmagazin.

Gelungenes Zusammenspiel von Ästhetik und Funktion

Auf dem Campus der Evangelischen Hochschule Freiburg stehen sich inzwischen der mit zwei Preisen ausgezeichnete „Kubus“ von 2014 und das Hauptgebäude aus den 70er Jahren gegenüber. Dieser große Bau – durch eine Glasbrücke verbunden mit einem kleinen Anbau – wurde im August 2022 nach zweijähriger Generalsanierung wiedereröffnet. In wenigen Monaten, voraussichtlich März/April 2023 soll eine weitere Eröffnung gefeiert werden: nämlich die des Studierendenwohnheims mit Kita. Bauherr ist das Studierendenwerk Freiburg (SWFR). Das Wohnheim ist das dritte Gebäude, das mit dem Kubus und dem Hauptgebäude in einer gedachten Reihe steht. weiterlesen im Hochschulmagazin ev.olve

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