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Selbst das Zukunftsmodell Kita 2036 entwerfen – auch das gehört bei uns zum Studium im 2. Semester im B.A. Kindheitspädagogik

Wie sieht eine Kita oder der Ganztag im Jahr 2036 aus, wenn wir heute den Mut haben, Kindheit neu zu denken?

Wie muss ein Ganztag oder eine Kita gestaltet sein, damit Kinder nicht nur betreut, sondern beteiligt, ihre Entwicklung und ihre Bildungsbestrebung umfassend unterstützt werden? Welche Räume brauchen Kinder? Welche Fachkräfte? Welche Formen der Zusammenarbeit mit Familien und dem Sozialraum? Und wie kann eine solche Zukunft überhaupt finanziert und rechtlich ermöglicht werden?

Mit diesen Fragen setzen sich Studierende des 2. Semesters Kindheitspädagogik (also im immer Sommersemester) in einem etwas anderen Studienformat auseinander: In Kleingruppen entwickeln sie über ein Semester hinweg ein eigenes, hoch innovatives Zukunftsmodell – entweder für eine Kita oder für einen Ganztag. Dabei erhalten sie keinen vorgefertigten Lösungsweg. Sie müssen recherchieren, analysieren, bewerten, konzipieren, rechnen, diskutieren, argumentieren, eigenständig Beratung einfordern und immer wieder die Frage stellen:

Was brauchen Kinder und Familien in der Zukunft – und wie können wir dafür heute die richtigen Strukturen schaffen?

Dabei entsteht ein ganzheitliches Konzept, in dem sich der Innovationsgedanke wie ein roter Faden durch alle Bereiche zieht: von den rechtlichen und fachlich-normativen Grundlagen, den historischen Wurzeln über die Kultur des Aufwachsens bis hin zu pädagogischem Profil, Betreuungsangebot, Personal, Finanzierung und Trägerstruktur.

Die Studierenden beschäftigen sich dabei unter anderem mit zukunftsfähigen pädagogischen Konzepten, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung, Kinderrechten, neuen Formen der Zusammenarbeit mit Familien, Sozialraumorientierung, nachhaltigen und flexiblen Raumkonzepten, multiprofessionellen Teams, Fragen der Professionalisierung, rechtlichen Rahmenbedingungen und tragfähigen Finanzierungsmodellen.

Sie erwerben dabei nicht nur Fachwissen. Sie lernen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen eigene, begründete Konzepte zu entwickeln.

Und dann wird es ernst.

Am Ende des Semesters verlassen die Studierenden den Seminarraum und treten vor ein großes Publikum aus Trägervertreter:innen, Vertreter:innen der Stadt, Kommiliton:innen und Schüler:innen von Gymnasien mit sozialpädagogischer Ausrichtung.

Ihre Aufgabe:

Sie müssen ihr Zukunftsmodell in einem Pitch präsentieren.

Nicht als reine Präsentation eines Studienprojekts, sondern als fiktive Bewerbung um die Umsetzung ihres Modells.

Sie müssen ihr Publikum davon überzeugen,

  • wozu ihre Einrichtung gebraucht wird,
  • was sie besser oder anders macht,
  • warum ihr pädagogisches Konzept zukunftsfähig ist,
  • wie ihre Idee rechtlich und organisatorisch umgesetzt werden kann,
  • wer dafür gebraucht wird
  • und vor allem:

Aus welchen Gründen es sich lohnt, in diese Zukunft zu investieren.

Denn die fiktive ausschreibende Gemeinde hat einen Fördertopf eingerichtet: Innovative Einrichtungen für Kinder und Familien im Jahr 2036 werden dauerhaft gefördert. Gefördert werden unter anderem Personal, bauliche Maßnahmen, Ausstattung, laufender Betrieb, Beratung, Fortbildung, Evaluation und Qualitätssicherung.

Die Studierenden erzählen deshalb nicht nur von ihrer Idee. Sie begründen, kalkulieren und verteidigen sie, auf einem hohen fachlichen Niveau.

Können das Studierende im 2. Studiensemester?

Ja, weil sie sich in selbstorganisierten Lerngruppen ihre Schwerpunkte selbst auswählen, sich ihr Wissen selbstbestimmt aneignen und entlang ihrer individuellen Fragen und Herausforderungen von Lehrenden begleitet werden. Und genau darin liegt die besondere Stärke dieses Studienformats:

Aus eigenen Ideen werden visionäre Konzepte und überzeugende Zukunftsmodelle.

Im vergangenen Sommersemester haben Studierende bereits zum 13. Mal mit ihren Entwürfen eindrucksvoll gezeigt, dass sie bereit und in der Lage sind, Zukunft für Kinder und Familien aktiv zu gestalten. Sie haben sich in kurzer Zeit ein beeindruckendes Wissen über pädagogische, rechtliche, gesellschaftliche, räumliche, organisationale und finanzielle Fragen angeeignet und dieses Wissen mit eigenständigem analytischem Denken verbunden.

Die Ergebnisse waren mehr als überzeugende Studienleistungen: Sie führten zu fachlich anspruchsvollen Gesprächen mit Vertreter:innen aus Praxis, Politik und Hochschule. Das Publikum ließ sich nicht nur von den Zukunftsvisionen begeistern, sondern diskutierte mit den Studierenden auf Augenhöhe über deren fachliche Grundlagen, Realisierbarkeit und gesellschaftliche Bedeutung.

Das ist Kindheitspädagogik als Zukunftsgestaltung.

Studierende lernen nicht nur, bestehende pädagogische Praxis zu verstehen und zu reflektieren.

Sie lernen,

  • Zukunft zu denken.
  • Verantwortung zu übernehmen.
  • Positionen zu entwickeln.
  • Wissenschaft in Praxis zu übersetzen.
  • Und andere für ihre Ideen zu gewinnen.

Denn die Einrichtungen, in denen Kinder morgen aufwachsen, entstehen nicht von selbst.

Sie brauchen Menschen, die den Mut haben, sie neu zu denken.

Herzlichen Dank an die Studierenden des Bachelor-Studiengangs Kindheitspädagogik, die nun mit einem guten fachlichen Fundament ins 3. Studiensemester starten.

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