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Simulation in der Interkulturellen Pädagogik setzt professionelle Schauspieler*innen ein

Wie werden angehende Pädagog*innen auf herausfordernde Gesprächssituationen etwa mit Sorgeberechtigten, Kolleg*innen, Jugendlichen oder Vertreter*innen gesellschaftlicher Gruppen vorbereitet? Wie lernen sie beispielsweise, mit Gesprächen mit diskriminierenden Inhalt umzugehen, der sich auf Kinder der Kita bezieht? Challenge-Based Learning ist hier die Antwort: Lernen am konkreten Beispiel – nicht nur in der Theorie – in einer Simulation mit professionellen Schauspieler*innen in interkulturellen Kontexten. Im Bachelor-Studiengang ist das seit Jahren fester Bestandteil der Lehre.

Studierende auf dem Campus der EH Freiburg, Foto: Marc Doradzillo

Die Lehrveranstaltung „Interkulturelle Pädagogik“ im Studiengang Kindheitspädagogik nutzt die Methode der Simulationen, um die professionelle Handlungskompetenz der Studierenden in herausfordernden und interkulturell geprägten pädagogischen Situationen zu erweitern. Im Mittelpunkt steht nicht allein der Erwerb theoretischen Wissens, sondern dessen Verbindung mit konkretem Handeln, persönlichem Erleben und anschließender Reflexion.

„Die Simulation schafft einen geschützten Erfahrungsraum zwischen Hochschule und Berufspraxis“, erklärt Dozentin Sibylle Fischer. Die Studierenden können darin herausfordernde Gesprächssituationen realitätsnah erleben, eigene Handlungsweisen erproben und ihr Verhaltensrepertoire erweitern. Besonders gefördert werden dabei kommunikative, selbstreflexive, affektive und handlungsbezogene Kompetenzen.

Die Simulation gliedert sich in drei aufeinander bezogene Phasen und sieht zwei Varianten vor. Eine mit Vorbereitung auf den Gesprächsinhalt und zu einem späteren Zeitpunkt eine spontane Gesprächssituation.

Briefing – Vorbereitung und Entwicklung von Handlungsoptionen

Die Studierenden erhalten eine authentische Situationsbeschreibung aus dem pädagogischen Berufsalltag, aus der sich eine konkrete Gesprächssituation entwickelt, beispielsweise mit Sorgeberechtigten oder unter Kolleg*innen. Dabei kann es z.B. um diskriminierende Äußerungen und Wertungen gegenüber Kindern und deren Familien anderer Religionen und Weltanschauungen gehen. Damit setzen sich die Studierenden zunächst individuell auseinander bevor sie anschließend in Kleingruppen unterschiedliche Handlungsoptionen entwickeln. Diese werden begründet und gegebenenfalls kurz erprobt.
Dadurch, dass Studierende keine Handlungsweisen vorgegeben bekommen, werden auch spontane Reaktionen, Unsicherheiten und individuelle Deutungsmuster sichtbar und für den späteren Reflexionsprozess nutzbar.

Simulation – authentisches Interaktionsereignis

In der eigentlichen Simulation treffen die Studierenden auf professionell eingesetzte Schauspieler*innen, die festgelegte Rollen übernehmen, z.B. die der Eltern. Die Studierenden handeln in einer dynamischen, möglichst realitätsnahen Situation und gehen auf unerwartete Reaktionen ihres Gegenübers ein.
Dabei können sie Gesprächsführung, Perspektivübernahme, Umgang mit Emotionen und Widerstand sowie die flexible Anpassung des eigenen Verhaltens unmittelbar erproben.
Die Lehrenden begleiten die Simulation professionell und sorgen zugleich für einen sicheren Lernrahmen. Bei Überforderung können sie intervenieren und die Studierenden wieder in die Handlungssituation zurückführen.

Debriefing – Reflexion und Transfer

Das Debriefing bildet einen zentralen Bestandteil des Lernprozesses. Die Studierenden reflektieren zunächst ihr eigenes Erleben und Handeln: Was ist passiert? Was hat mich irritiert? Wie habe ich reagiert und warum/wozu?
Anschließend wird die Interaktion fachlich eingeordnet. Eigene Handlungsmuster werden mit Konzepten und Themen der Interkulturellen Pädagogik, beispielsweise Vorurteilen, Stereotypen, Othering, Diskriminierung, Macht, Intersektionalität und professioneller Haltung, in Verbindung gebracht.
Abschließend entwickeln die Studierenden alternative Handlungsmöglichkeiten und übertragen ihre Erkenntnisse auf zukünftige berufliche Situationen.
Einer zweiten Simulation stellen sich die Studierenden ohne Vorbereitung.

Didaktischer Mehrwert

Die Simulation verbindet Erfahrung, Handlung, Reflexion, fachliche Einordnung und Transfer. Dadurch können Studierende nicht nur theoretisch nachvollziehen, was professionelles Handeln in interkulturell geprägten Situationen bedeutet, sondern unmittelbar erfahren, welche Anforderungen, Unsicherheiten und emotionalen Reaktionen damit verbunden sein können.
Die Methode unterstützt insbesondere die Entwicklung von situativer Handlungssicherheit, kommunikativer Flexibilität, Selbstreflexivität und professioneller Haltung. Aus der konkreten Erfahrung wird durch das Debriefing ein reflektierter Lernprozess, der auf zukünftige pädagogische Handlungssituationen übertragen werden kann.

Sibylle Fischer: „‚Praxis‘ im Studium verstehen wir an der Evangelischen Hochschule ganz umfassend. Wir verbinden praktische Arbeit mit Kindern und theoriebasierte pädagogische Entscheidungen. In allen Semestern sind Praxisbezüge integriert.“

Dieses besondere Lehrformat findet seit 10 Jahren im Bachelor Kindheitspädagogik statt. Der Studiengang Kindheitspädagogik bildet für Tätigkeiten mit Kindern zwischen 0 und 14 Jahren und deren Bezugspersonen aus. Innerhalb des Studiums fokussieren sich einzelne Lehrangebote auf verschiedene Altersgruppen und Handlungsfelder.

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Selbst das Zukunftsmodell Kita 2036 entwerfen – auch das gehört bei uns zum Studium im 2. Semester im B.A. Kindheitspädagogik

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