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Illustration: Zwei ältere Personen sitzen auf Rollatoren gestützt und werden von einem von einer Hand gehaltenen Schirm bedeckt

Die Klimafrage ist eine soziale Frage

Viele spüren Ohnmacht: Klimakrise, steigende Kosten, Energiearmut. Ist das ein Thema für Soziale Arbeit? Materialien zum gemeinsamen Verstehen und ins Handeln kommen. 

Die Klimafrage ist eine soziale Frage

Viele spüren Ohnmacht: Klimakrise, steigende Kosten, Energiearmut. Ist das ein Thema für Soziale Arbeit? Materialien zum gemeinsamen Verstehen und ins Handeln kommen. 

Bildungsbaustein 02

Inwiefern ist die Klimakrise für die Soziale Arbeit relevant?

Was passiert, wenn die Klimakrise nicht nur Gletscher schmelzen lässt, sondern auch soziale Ungleichheiten verschärft? Wer leidet besonders unter Hitzewellen, steigenden Mieten oder Umweltkatastrophen und warum?

Klar ist, die Klimakrise ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein Soziales. Dabei trifft sie nicht alle Menschen gleich, sondern verstärkt bestehende Ungleichheiten global, aber auch in unserem Arbeitsalltag hier in Deutschland. 

Für die Soziale Arbeit ist das besonders relevant. Sie begleitet Menschen, die in herausfordernden Lebenslagen sind. In folgender Einheit wird sich deshalb gezielt mit den Verbindungen zwischen Klimakrise und sozialen Lebensbereichen auseinandergesetzt. Im Fokus stehen dabei Menschen aus verschiedenen Generationen, mit gesundheitlichen Einschränkungen, in prekären Wohnsituationen sowie Menschen, die von Armut betroffen sind und klassistische Erfahrungen machen. Genau diese Gruppen spüren die Folgen der Klimakrise oft zuerst und am stärksten. 

Ziel der Einheit ist es, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und ihre Bedeutung für die Praxis der Sozialen Arbeit sichtbar zu machen. 

Praktische Bausteine für die Soziale Arbeit – sofort einsatzbereit.
Auf dieser Seite finden Sozialarbeitende fertige Materialien zum Thema Klimakrise für die Praxis. Alle Inhalte stehen als Texte und PDFs zur Verfügung – einzeln in den Abschnitten herunterladbar oder hier als komplettes Paket.

Alle Arbeitsblätter des Bausteins als PDF-Dokument herunterladen

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Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit Workshopteil 2

Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit

Teilt euch in vier Gruppen ein. Jede Gruppe erhält einen kurzen Text, der mit jeweils unterschiedlicher Fokussierung die Relevanz von Klimakrise für Soziale Arbeit herausstellt. 

In einem ersten Schritt setzt ihr euch in eurer Gruppe mit den untenstehenden Fragen auseinander. Grundlage sind der kurze Text, euer bereits vorhandenes Wissen und ggf. kurze Recherchen während eurer Gruppenarbeit.

Anschließend werden die Gruppen so gemischt, dass aus allen Themengruppen „Expert*innen“ anwesend sind. Berichtet euch gegenseitig und kommt über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ins Gespräch.

Phase 1 (15 Minuten)

Lest den kurzen Text. Klärt miteinander Verständnisfragen. Notiert euch Verständnisfragen, die ihr nicht klären konntet. Tauscht euch gemeinsam über den Text aus und macht euch Notizen.

  • Welche Aussagen des Textes zum jeweiligen Fokus (Gesundheit, Klassismus, Generation oder Wohnen) haben euch überrascht oder besonders angesprochen?
  • Sind euch Auswirkungen dieses Bereichs bereits im beruflichen Kontext begegnet?
  • Welche Charakteristika von Diskriminierung (Marginalisierung, Machtlosigkeit, Individualisierung, Exklusion, Schuldzuweisungen) lassen sich ausmachen?

Phase 2 (15 Minuten)

Ihr finden euch in gemischten Gruppen zusammen. In jeder der neuen Gruppe ist mindestens eine Person aus der ersten Gruppe. 

Ihr „puzzelt“ euer Wissen zusammen und besprecht die wichtigsten Punkte zu den verschiedenen Bereichen, mit ihren Gemeinsamkeiten und jeweiligen Spezifika.

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Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit Workshopteil 2

Gesundheitliche Folgen des Klimawandels

Unsere Lebensqualität ist eng an unser gesundheitliches Wohlbefinden sowie unsere Wahrnehmung und Bewertung unserer Gesundheit gebunden. Die Umweltqualität bzw. die Umweltbedingungen wirken sich zunehmend auf die menschliche Gesundheit und somit auch die Lebensqualität aus. Um dauerhaft die Lebensqualität sichern zu können, ist Klimapolitik somit unverzichtbar.   

Die Zunahme von Extremwetterereignissen, die Verschlechterung der Luft-, Boden- und Wasserqualität sowie der Zustand von Gewässern stehen in engem Zusammenhang mit den Folgen der Klimakrise und Umweltverschmutzung und stellen zunehmend erhebliche gesundheitliche Risiken dar. So wirkt sich die Feinstaubbelastung beispielsweise auf Atemwegserkrankungen und das Herz-Kreislauf-System aus und verursacht die „höchsten umweltbezogenen Krankheitslasten“ (Sachverständigenrat für Umweltfragen 2023: 15). Gleichzeitig schlagen sich zunehmende und sich intensivierende Extremwetterereignisse wie Hitzewellen schon seit einigen Jahren in steigenden Mortalitäts- und Krankheitsinzidenzen nieder. Auch die sich verschlechternde Boden- und Wasserqualität bleiben nicht ohne gesundheitsbezogene Folgen und begünstigen die Verbreitung von Infektionskrankheiten und Krankheitserregern und verstärken damit bestehende gesundheitliche Belastungen. 

Diese Risiken werden zusätzlich durch infrastrukturelle Rahmenbedingungen verstärkt. Die Versiegelung von Flächen verhindert beispielsweise die natürliche Kühlung und trägt zur Entstehung von Wärmeinseln bei. Fehlende Grünflächen, Gewässer oder Schattenplätze erhöhen insbesondere in dicht besiedelten Gebieten die gesundheitlichen Gefahren bei Extremwetterereignissen. Anhand dessen wird deutlich, dass nicht nur klimatische Veränderungen, sondern auch die aktive Gestaltung von Lebensräumen zu gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels beiträgt. 

Hinzu kommen weitere umweltbedingte Belastungsfaktoren, die in Wechselwirkung mit den genannten Entwicklungen stehen.  Die steigende Antibiotikaresistenz infolge konventioneller Massentierhaltung zieht eine erschwerte Behandlung bakterieller Infektionserkrankungen nach sich. Gleichzeitig führt der zunehmende Einsatz gesundheitsschädlicher Chemikalien in verschiedenen Bereichen des alltäglichen Lebens (z. B. bei der Produktion von Kleidung, in Verpackungen etc.) zu weiteren gesundheitsbezogenen Belastungen. Ökologische Veränderungen, infrastrukturelle Bedingungen und Produktionsweisen sind eng miteinander verknüpft und verstärken gemeinsam die gesundheitlichen Risiken der Klimakrise. 

Studien zeigen außerdem, dass die Umweltqualität weltweit zunehmend als negativ, belastend und schädlich wahrgenommen wird. Die Klimakrise und die damit einhergehenden Diskurse führen vermehrt zu Gefühlen der Überforderung, Hilflosigkeit, des Verlusts oder auch zu Frustration. Neben den genannten physischen Auswirkungen von Extremwetterereignissen zeigen sich daher häufig auch psychische Folgen wie Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen oder auch posttraumatische Belastungsstörungen. 

Diese Gesundheitsrisiken sind sozial ungleich verteilt und verstärken darüber hinaus bereits bestehende soziale Ungleichheiten. Das zeigt sich beispielsweise an Hitzehotspots in Städten sowie an der fehlenden Möglichkeit ärmerer Menschen, Umweltrisiken zu entgehen.  
„Merkmale wie Alter, Geschlecht, gesundheitlicher Zustand, soziale Benachteiligung oder Migrationsgeschichte“ (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V., 2025: 5) sowie die damit einhergehenden Benachteiligungen innerhalb unserer Gesellschaft erhöhen das Risiko, in besonderem Maße von den Folgen der Klimakrise betroffen zu sein und auch beim Auffangen der gesundheitlichen Folgen benachteiligt zu werden. Gesundheit ist also keine individuelle Verantwortung, sondern durch Kontextbedingungen geformt.

Literaturverzeichnis

an der Heiden, M., Zacher, B., Diercke, M., Bremer, V., & RKI-Geschäftsstelle für Klimawandel & Gesundheit. (2025, Juli 24). Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität KW 28/2025. Robert  Koch-Institut. https://doi.org/10.25646/13281

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V. (2025, Juni). Klimaanpassung in der Sozialen Arbeit Ein Leitfaden für Einrichtungen und Dienste. Abgerufen von: www.klimaanpassung-sozial.de.

Frick, V., Fülling, J., Harms, C., Grothmann, T., & Marken, G. (2025). Umweltbewusstsein in Deutschland 2024: Kurzbericht zur Bevölkerungsumfrage / Herausgeber: Umweltbundesamt ; Redaktion: UBA, Fachgebiet I 1.4: Dr. Angelika Gellrich, BMUV, Referat G I 1: Heike Williams ; Autorenschaft, Institution: Dr. Vivian Frick, Dr. Julia Fülling, Carlotta Harms, Dr. Torsten Grothmann, Gesa Marken (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)). https://epflicht.bibliothek.uni-halle.de/handle/123456789/15396

Hertig, E., Hunger, I., Kaspar-Ott, I., Matzarakis, A., Niemann, H., Schulte-Droesch, L., & Voss, M. (2023). Klimawandel und Public Health in Deutschland — Eine Einführung in den Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit 2023. https://doi.org/10.25646/11391

Sachverständigenrat für Umweltfragen. (2023). Umwelt und Gesundheit konsequent zusammendenken: Sondergutachten. Geschätsstelle des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU).

Winklmayer, C., Matthies-Wiesler, F., Muthers, S., Buchien, S., Kuch, B., An Der Heiden, M., & Mücke, H.-G. (2023). Hitze in Deutschland: Gesundheitliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention. https://doi.org/10.25646/11645

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Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit Workshopteil 2

Soziale Ungleichheit und Klimawandel

Von Armut betroffene Menschen verursachen grundsätzlich am wenigsten
CO2-Emissionen, da ihnen der Zugang zu Ressourcen strukturell
erschwert wird. Gleichzeitig leiden sie am stärksten unter den Folgen
der Klimakrise.

Sie sind stärker von den Extremwetterereignissen betroffen, aufgrund von schlechteren Wohnverhältnissen, Arbeitsbedingungen, erschwertem Zugang zum Gesundheitssystem etc. Reiche Menschen und Unternehmen hingegen sind für den größten Teil der Emissionen verantwortlich, von den Auswirkungen jedoch am wenigsten betroffen. Dem zugrunde liegen tiefgreifende Ungerechtigkeiten wie wirtschaftliche und politische Machtverhältnisse, ein kapitalistisches Wirtschaftssystem, koloniale Ausbeutung, die bis heute wirkt und Diskriminierungen. Hinsichtlich der Betroffenheit und der Verantwortung für den Klimawandel ist also eine Schieflage festzuhalten.  

Innerhalb dieser Ungleichheiten gibt es im Zusammenhang mit Klimakrise und Klimaschutz zudem spezielle klassistische Diskriminierungen von Menschen mit wenig Einkommen. „Klassismus bezeichnet die Diskriminierung aufgrund des sozialen Status, der hegemonialen Strukturen der Stigmatisierung, Unterdrückung und Benachteiligung zugrunde liegen“ (Gamper & Kupfer 2024). Weiter ist der Begriff der Nachhaltigkeit zentral. „Nachhaltigkeit“ ist kein neutraler und wertfreier Begriff, er ist unscharf und vor allem positiv und normativ konnotiert. Vorstellungen über arme Menschen, die der Begriff Klassismus fassen will, durchdringen auch die gesellschaftlich dominante Vorstellung davon, was nachhaltig ist und was nicht.  

Die Debatte um Nachhaltigkeit und Klimaschutz wird vor allem individualisierend geführt, obwohl die Ursache strukturell ist. Davon ist die Soziale Arbeit nicht befreit. Der „gute“ nachhaltige Lebensstil (Strömungen wie Veganismus, Öko-Life-Style etc.) wird insbesondere von der sogenannten Mittelschicht genutzt. Ein Lebensstil ermöglicht immer auch die Abgrenzung von anderen sozialen Schichten – in diesem Fall nach oben und nach unten: So ermöglicht der „nachhaltige Lebensstil“, sich von Armut betroffenen Menschen, die für den vermeintlich „guten“ Lebensstil keine Ressourcen haben, abzugrenzen und sich selbstwirksam und emanzipatorisch zu fühlen. Gleichzeitig grenzt sie sich von „oben“, dem Luxuskonsument*innen ab. So wird die Nachhaltigkeit als Mittel der Distinktion verwendet, sich nämlich gesellschaftlich abzugrenzen. Die „gute“ Nachhaltigkeit wird zu einem sozialen Privileg, das nicht alle haben. Denn Menschen, die nicht ausreichend Geld zur Verfügung haben, können sich kein E-Auto leisten und kein Bio-Essen kaufen.  

Diese Individualisierung lenkt von Fragen der Macht ab, von strukturellen Ursachen und von der Verantwortung des Staates, der Politik und dem kapitalistischen System. Sie versteckt die wahren Ursachen der Ungleichheit, nämlich eine ungleiche Verteilung der Ressourcen, die auf Ausbeutung beruht. Nicht nur national, sondern auch global gesehen, schließlich funktioniert die imperiale Lebensweise des Globalen Nordens nur mit Ausbeutung des globalen Südens. Weiter führt die Individualisierungsdebatte zu Stigmatisierungen der Menschen, die sich die „richtige“ Nachhaltigkeit nicht leisten können. Ihnen sei der Klimaschutz nicht wichtig, sie hätten kein Verantwortungsbewusstsein und müssten „erzogen“ werden. Anstatt die Unternehmen und den Staat in Verantwortung zu ziehen, die die Umweltzerstörung zulassen.  

Zusammenfassend lässt sich dieses Zusammenspiel an Mechanismen als Umweltklassismus bezeichnen. Diese strukturell tief verankerten Ungerechtigkeitsfragen müssen sichtbar gemacht, kritisch in den Blick genommen und gesamtgesellschaftlich ausgehandelt werden. Es sind keine Einzelkonflikte, die Lebenssituationen Betroffener sind kollektivierbar und müssen an der Wurzel gepackt werden.  

Literaturverzeichnis

Gamper, M., & Kupfer, A. (2024). Klassismus. UTB. https://doi.org/10.36198/9783838559278

Kerle, A. (2025). Verzicht muss man* sich leisten können. In D. Wassermann, O. Zimmermann, J. Rieger, S. Stocker, K. Sen, M. Staats, & M. Burschel (Hrsg.), Handbuch Soziale Arbeit, Nachhaltigkeit und Transformation (1. Auflage). Beltz Juventa.

Klepp, S., & Hein, J. (Hrsg.). (2023). Umweltgerechtigkeit und sozialökologische Transformation: Konflikte um Nachhaltigkeit im deutschsprachigen Raum (1. Aufl., Bd. 1). transcript Verlag. https://doi.org/10.14361/9783839463253

Kuhn, A. (2023). Klimagerechte Nachbarschaften. Vorschlag für eine ökologische Klassenpolitik beim Wohnen.

Kupfer, A., & Gamper, M. (2025). (Umwelt-)Klassismus und sozial-ökologische Transformation – eine Frage der Umweltgerechtigkeit. In A. Thiesen (Hrsg.), Die soziale Welt der Transformation (S. 353–366). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48380-7_26

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Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit Workshopteil 2

Generationsgerechtigkeit im Kontext des Klimawandels

In Diskussionen um den Klimawandel spielt die Frage der Generationengerechtigkeit eine große Rolle, da es hier um Verhalten geht, dessen Auswirkungen sich erst für künftige Generationen zeigen.

Klimapolitik muss sich daher der Frage stellen, was Gerechtigkeit generationenübergreifend heißt, welche Verantwortung welche Generation trägt und wie das politische und wirtschaftliche Entscheidungen prägen sollte. 

Der Artikel der Zeit „Aber die Alten sind schuld…“ (Lorenz 2023) greift die Zuschreibung von Verantwortung für die Klimakrise anhand von Generationen auf und fasst die Vorurteile bzw. gängige Zuschreibungen unter folgenden Punkten zusammen:

  • Die Jugend, welche sich auf die „Verfehlungen der Elterngeneration“ bezieht.
  • „Boomer schimpfen gern über Fridays-for-Future-Aktivisten, die sich nach dem Schulabschluss auf Bali selbst finden müssen.“
  • „best agern (…) die den Kopf schütteln über die Zalando-Bestellungen der Jungen – und dennoch für ein Menschenrecht auf Autos plädieren.“

Dabei zeigen Studien, dass Umweltbewusstsein generationenübergreifend vorhanden ist und Auswirkungen der Klimakrise alle Generationen betreffen. Gleichzeitig hat die Klimakrise sowohl auf jüngere wie auch auf ältere Menschen generationenspezifische Auswirkungen. 

Kinder und Jugendliche sind als eine der vulnerablen Gruppen in besonderem Maße von psychischen und physischen Auswirkungen der Klimakrise betroffen. Sorge um die eigene Zukunft, die bestehende Gefährdung der Lebensgrundlage und die geringen Chancen, selbst politisch Einfluss auf die Transformation nehmen zu können, stellen spezifische altersbedingte Herausforderungen dar. Auch ältere Menschen sind in besonderem Maße von klimatischen Veränderungen betroffen. Beispielsweise sind die Auswirkungen auf ihre Gesundheit besonders gravierend, was nicht zuletzt eine höhere Mortalität bei Hitzewellen zeigt. 

Wer „Verursacher*innen“ und „Leidtragende“ der Krise sind, ist also eine zentrale und medial ambivalent diskutierte Frage. Unter dem Begriff der „Generationengerechtigkeit“ bzw. der „intergenerationalen Gerechtigkeit“ ist die zentrale Gerechtigkeitsfrage nach der Verteilung von Verantwortung und Ressourcen in Bezug auf verschiedene Generationen zu einem wichtigen Leitprinzip der Klimapolitik geworden.  Zentral für politische Entscheidungen und Maßnahmen soll dabei sein, dass zukünftige Generationen weder ökologisch, ökonomisch, institutionell, technisch noch sozial unverhältnismäßigen Belastungen ausgesetzt werden dürfen.  

Bewusst oder auch unbewusst unterlassene Handlungen erhöhen die klimabezogenen Risiken der nachfolgenden Generationen. Aus einer Perspektive der Gerechtigkeit ist es somit ein wichtiges Anliegen, „die Handlungsspielräume nicht weiter einzugrenzen, damit die Risiken nicht unausweichliche Realität werden“ (Sparenborg 2021: 15).  

Literaturverzeichnis

Ayalon, L., Roy, S., Aloni, O., & Keating, N. (2023). A Scoping Review of Research on Older People and Intergenerational Relations in the Context of Climate Change. The Gerontologist, 63(5), 945–958. https://doi.org/10.1093/geront/gnac028

Buenning, M., Hagen, C., & Simonson, J. (2024). Wahrgenommene Bedrohung durch den Klimawandel in der zweiten Lebenshälfte. Deutsches Zentrum für Altersfragen, Heft 01/2024. https://www.dza.de/fileadmin/dza/Dokumente/DZA_Aktuell/DZA-Aktuell_01_2024_Bedrohung_Klimawandel.pdf

Kemfert, C. (2025). Generationengerechtigkeit in der Klimapolitik. Wirtschaftsdienst, 105(11), 803–807. https://doi.org/10.2478/wd-2025-0206

Liu, S., Heinzel, S., & Peter, F. (2024). Erderhitzung und Klimaemotionen – wie sich die Klimakrise auf die psychische Gesundheit auswirkt. In I. Bergen, F. Gramm, J. Grütters, & H. Kolbe (Hrsg.), Wie die Generation Z das Gesundheitswesen verändert: Zukunftspositive Geschichten der neuen Generation (S. 173–177). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-69213-4_27

Lübke, C. (2021). 12.4 Klimawandel und Klimaschutz im Bewusstsein der Menschen. Datenreport 2021. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, 455–461.

Schramkowski, B. (2022). Intergenerationale Ungleichheiten durch die Klimakrise: Gefahrdet ,okologische’ Gewalt das Kindeswohl?/Intergenerational Inequalities due to Climate Crisis: Ecological Violence as a Threat to Children’s Well-Being? Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, 25(1), 54–62.

Silvan Riepl, Erich Striessnig, & Tobias Johannes. (2022). Green Family Generationengerechtigkeit im Klimawandel [Discussion Paper No 14]. Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der  Wissenschaften e. V. im Namen des Netzwerks „Popu lation Europe‟. https://population-europe.eu/files/documents/dp_14_green-family_0.pdf

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Arbeitsblatt zur Gruppenarbeit Workshopteil 2

Wohnen in der Klimakrise

Wohnen gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen eines Menschen und muss daher besonders geschützt werden. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren eine zunehmende Mietenkrise, insbesondere in Städten.

Die Mieten steigen kontinuierlich, während viele Einkommen nicht im gleichen Maße wachsen. Dies führt dazu, dass insbesondere einkommensarme Haushalte einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für Wohnen aufbringen müssen. Im Bedürfnisfeld Wohnen treffen ökologische Fragen des Klimawandels und soziale Fragen aufeinander. Neben dem sozialen Aspekt des Wohnens hat das Wohnen, in der Form, wie es derzeit gestaltet ist, 

immense negative Auswirkungen auf die Umwelt. Studien zeigen, dass der Gebäudesektor für fast 1/3 aller Treibhausgase verantwortlich ist und der Energieverbrauch wegen der zum Großteil schlechten Sanierungszuständen enorm ist. Daher bietet der Gebäudesektor auch großes Potenzial für die Minderung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase (Emissionsminderung). Doch wenn die Maßnahmen für die Bekämpfung der Klimakrise im Bereich Wohnen ohne ernsthafte Berücksichtigung sozialer Fragen getroffen und umgesetzt werden, führt das zur Verschärfung der Mietenkrise. Eine Folge davon ist, dass u.a. die Akzeptanz für klimapolitische Maßnahmen wie Gebäudesanierungen und die Wärmeenergiewende sinkt.  

Im Wohnen zeichnet sich eine zentrale Schnittstelle der Klimakrise und der sozialen Ungleichheit ab. Absolut gesehen verursachen Menschen aus einkommensarmen Haushalten im Vergleich zu Menschen mit höherem Einkommen im Bereich Wohnen, so wie in vielen anderen Bereichen auch, deutlich weniger CO2-Ausstoß. Speziell im Wohnsektor ist der geringe Ausstoß klimaschädlicher Gase von Menschen mit niedrigem Einkommen darin begründet, dass sie auf deutlich weniger Wohnfläche leben. Pro Quadratmeter gerechnet benötigen sie verhältnismäßig jedoch mehr Energie, da sie meist in schlecht isolierten Wohnungen leben und somit verhältnismäßig hohe Energiekosten zu tragen haben. Das Leben in schlechten Wohnverhältnissen hat neben hohen Energiekosten, die in der Energiearmut enden können, zusätzlich zur Folge, dass sie in heißen Sommern stärker von der Hitze betroffen sind und in kalten Wintern frieren müssen. Nichtheizen und fehlendes Lüften kann wiederum Schimmel zur Folge haben. Die Auswirkungen einer schlecht isolierten Wohnung sind enorm. Es sind also die gleichen Gruppen von Menschen, und das untermauern Studien, die sowohl am meisten unter der Mietenkrise als auch unter den Folgen der Klimakrise leiden – die einkommensarmen Menschen. 

Zusätzlich sind diese Haushalte oft mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, die ihre Situationen noch verschärfen. Dazu zählen unter anderem eine unzureichende Infrastruktur, kaum Zugang zu Grünflächen sowie Diskriminierung aufgrund der Wohnlage oder Prozesse der Gentrifizierung, bei denen einkommensarme Menschen aus ganzen Stadtteilen verdrängt werden.   

Klar ist, dass Gebäudesanierungen und die Wärmewende, also die Umstellung von Heizen und Warmwasser im Sinne der Klimaneutralität, im großen Stil unternommen werden müssen. Es gibt immer mehr staatliche Förderprogramme, die diese Prozesse vorantreiben sollen. In der Praxis zeigt sich, dass diese jedoch nicht die einkommensschwächeren Menschen, die meist in Mietverhältnissen wohnen, unterstützen, sondern überproportional von einkommensstarken Haushalten genutzt werden. Auch das führt zur Verschärfung sozialer Ungleichheit. Ein Beispiel hierfür ist das Gesetz der Modernisierungsumlage nach § 559 BGB, wodurch entstehende Modernisierungskosten zum Teil auf die Mietenden umgelegt werden können. Durch solche Umlagen steigen Mieten dauerhaft – auch nachdem die Sanierungskosten schon abbezahlt sind. Vermietende könnten für die Kostendeckung der Sanierungen Fördermittel beantragen, welches zur Folge hätte, dass die Mietsteigerungen aus Sicht der Mietenden geringer wären. Für Vermietende kann es wirtschaftlich attraktiver sein, auf Förderprogramme zu verzichten, da die Fördermittel von den Kosten, die auf die Miete umgelagert werden können, abgezogen werden müssen. Hier besteht also eine Abhängigkeit aus Sicht der Mietenden von den Vermietenden.  

Es gibt ein umfangreiches Mieter*innenrecht, jedoch zeigt sich die Durchsetzung dieser Rechte als schwierig, da es schlichtweg an Wissen darüber fehlt und die Angst auf Seiten der Mietenden zu groß ist, eine Mietkündigung zu bekommen.  

Die Transformation im Gebäudesektor, wie sie jetzt gestaltet ist, verschärft also soziale Ungleichheiten. Es braucht daher dringend Maßnahmen, die diese Transformation sozialverträglicher vorantreibt, ohne die bestehenden Ungleichheiten weiter zu verschärfen. 

Literaturverzeichnis

Braungardt, S., Kenkmann, T., Schumacher, K., Wieden, M. bei der, & Ökoinstitut. (2024). Sozialgerechte Förderung für energetische Sanierungen.

Kenkmann, T., Cludius, J., Hünecke, K., Schumacher, K., Stieß, I., Friedrich, T., Nitschke, L., Luca Raschewski, Meemken, S., & Beermann, A.-C. (2024). Soziale Aspekte von Umweltpolitik im Bedürfnisfeld Wohnen. 143.

Knopf, B., Verspohl, I., Schaffert, A., & Zeller, M.-L. (2024). Eine sozial gerechte und klimaneutrale Zukunft sichern.

Kuhn, A. (2023). Klimagerechte Nachbarschaften. Vorschlag für eine ökologische Klassenpolitik beim Wohnen.

Mellwig, Peter. 2024. Klimaschutz in Mietwohnungen: Modernisierungskosten fair verteilen. Kurzstudie zur Weiterentwicklung und Aktualisierung des “Drittelmodells”. Berlin: Deutscher Mieterbund, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Rehm, M. (2025). Warum wir Klima- und Verteilungspolitik zusammendenken müssen. WSI-Mitteilungen, 78(6), 414–414. https://doi.org/10.5771/0342-300X-2025-6-414

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Arbeitsblatt zur Reflexion Workshopteil 2

Reflexionsübung zur Relevanz der Klimakrise für die Soziale Arbeit

Folgende Reflexion wird auf drei Ebenen stattfinden (ICH-DU-WIR). Im ersten Schritt beschäftigt ihr euch mit der persönlichen Ebene in Einzelarbeit. Findet euch anschließend zu zweit zusammen und kommt in Austausch über folgende Fragen der DU-Ebene. Im dritten Schritt brainstormen wir im Plenum, welche Herausforderungen sich für die Soziale Arbeit ergeben können.

ICH — stille Einzelreflexion, persönlich

Wählt 1-3 Fragen aus, die euch besonders ansprechen. Ihr müsst nicht alle beantworten

Was war neu für mich? Was war mir bereits bewusst?  

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Wo berühren mich die Themen der vier Bereiche in meinem eigenen Leben am stärksten? Von welchen Themen bin ich (eher) nicht betroffen?  

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Welche Gedanken kommen mir, wenn ich Menschen sehe, die nicht nachhaltig konsumieren (Kleidung, Essen und Mobilität)?  

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Welche Rolle spielen Schuldgefühle und Scham für mich im Kontext der Klimakrise? 

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DU — zu zweit im Austausch im Hinblick auf Adressat*innen 

Kommt über die beiden folgenden Fragen ins Gespräch: 

Welche Situationen aus meinem Praxisalltag/Studium fallen mir ein, in denen Klimafolgen eine Rolle gespielt haben – vielleicht ohne, dass wir es als „Klimathema“ benannt haben?  

Wo sehe ich in meinem Arbeitsfeld (oder Wunsch-Arbeitsfeld) konkrete Berührungspunkte mit den vier Bereichen Gesundheit, Wohnen, Generationen und Klassismus? 

WIR — im Plenum 

Ideen im Plenum sammeln und festhalten

Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Profession Soziale Arbeit?  

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Quelle: Die Klimafrage ist eine soziale Frage

Dieser Bildungsbaustein ist Teil des Projekts (Un-) Gerechtigkeit in der Energiewende – Vom digitalen Diskurs zur Lebenswelt der EH Freiburg.