Die Klimafrage ist eine soziale Frage
Viele spüren Ohnmacht: Klimakrise, steigende Kosten, Energiearmut. Ist das ein Thema für Soziale Arbeit? Materialien zum gemeinsamen Verstehen und ins Handeln kommen.
Bildungsbaustein 01
Warum dieser Workshop?
Klimawandel geht uns alle an. Aber inwiefern ganz konkret die Soziale Arbeit und vor allem, was kann sie tun?
Auch wenn die Frage erfreulicherweise immer häufiger gestellt wird – wir erleben bei uns und bei anderen auch viel Unsicherheit, häufig auch Ambivalenzen. Wir steigen mit Aussagen von Sozialarbeitenden ein, die mal resigniert, mal skeptisch, mal selbstbewusst und handlungsmächtig in Bezug auf ihre Handlungsräume klingen. Sie sollen zur Wahrnehmung von eigenen Haltungen und Erwartungen an das eigene Handeln einladen.
Außerdem findet sich in diesem Baustein ein exemplarischer Ablaufplan für ein Workshop und ein Bingo als spielerischer Einstieg in die gemeinsame Arbeit.
Praktische Bausteine für die Soziale Arbeit – sofort einsatzbereit.
Auf dieser Seite finden Sozialarbeitende fertige Materialien zum Thema Klimakrise für die Praxis. Alle Inhalte stehen als Texte und PDFs zur Verfügung – einzeln in den Abschnitten herunterladbar oder hier als komplettes Paket.
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Anleitung zum Einstieg
Klimapolitik als Thema der Sozialen Arbeit? Suchbewegungen zum Einstieg
Vorbereitend werden die Zitate jeweils auf Karten ausgedruckt und im Raum verteilt. Anschließend finden sich alle Teilenehmer:innen in einen Sitzkreis zusammen.
Die Moderation erklärt, dass die Zitate aus Interviews mit Sozialarbeiter:innen und Menschen mit geringem Einkommen stammen. Nun erhalten die Teilnehmer:innen die Aufgabe, die Zitate zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Daraufhin sucht sich jede Person ein Zitat aus, das sie bewegt oder überrascht. Zurück im Plenum lädt die Moderation die Teilnehmer:innen ein, ihre Zitate vorzustellen und einzelne Eindrücke mit der Gruppe zu teilen. Dabei müssen nicht alle Zitate besprochen werden.
Ziel ist es, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und die Gruppe zum Nachdenken anzuregen. Die Moderation kann sich wiederholende Themen sammeln, um den roten Faden des Workshops zu wahren.

Mögliche Impulsfragen könnten sein:
- Weshalb hat Sie dieses Zitat angesprochen und welche Gefühle hat es in Ihnen ausgelöst?
- Wenn Sie diese Aussage hören, was erfahren Sie dabei über die Verbindung von Klimafragen und sozialen Fragen?
- An welche Beobachtungen oder Erfahrungen aus der Praxis denken Sie bei der Aussage?
- Stellen Sie Widersprüche oder Spannungen zu anderen Zitaten fest?

Die folgenden Zitate von Sozialarbeiter:innen werden auf Karten gedruckt:
- Also gerade mit dem Hintergrund, dass ja vulnerable Gruppen sehr viel stärker vom Klimawandel betroffen sind, dass selbst diese Information noch gar nicht angekommen ist und auch da natürlich selten, bis gar nicht mit den Folgen gearbeitet wird.
- Die haben nicht die Idee, wenn wir jetzt Energie einsparen, retten wir damit die Welt, wir verhindern Klimaerwärmung und Sonstiges. So weit geht der Blick, glaube ich, net raus, da ist dann einfach in der Not.
- Wo soll ich den Leuten dann noch erklären, wo sie noch großartig sparen können und, und auch wenn sie dann gehört würden, die würden dann sagen, wir brauchen mehr ja mehr Geld, um zu kompensieren, dass die Lebensmittel teurer werden.
- A: Und was haben Sie den Eindruck, wie die Familien so damit umgehen, wie das für die eine Rolle spielt?
- B: Ganz ehrlich? Wäre ich schon froh, wenn wir es schaffen, den Müll zu trennen. Ähm, es ist extremst mühsam, Klimathemen an der Stelle auf die Tagesordnung zu holen.
- Vielleicht ist es tatsächlich auch in so einem Forschungsprojekt, vielleicht so ein bisschen auch ausgrenzend, dass eher so getan wird, als würde es auf die Menschen ankommen, mit wenig oder ohne Einkommen, obwohl es da gar nicht so viel Stellschrauben gibt.
- Ich merke, dass da auch eine große Frustration, aber auch Sorge ist, dass eigentlich fast gar nichts geht, also, dass wir schon gute Sachen machen, Klimaschutz, Energieeinsparung oder Community-Organizing im Stadtteil, aber diese große Meta-Ebene ja quasi irgendwie so gegen die Wand geht. Dass man sich so hilflos und frustriert fühlt.
- Also ist dann auch eine schöne Geschichte, wenn sie sagen, muss da jetzt ein Platz wieder neu gepflastert werden. Sie argumentieren eigentlich mit einer klimaschützenden Maßnahme, ohne dass sie wirklich merken, dass sie das machen können.
- Wir unterstützen praktisch Leute dabei, demokratisch aktiv zu sein.
- Informationen waren oft zu kompliziert oder wurden über Wege verbreitet, die die Menschen nicht erreicht haben.
- Und dann sagt die Stadt: “Wir bezahlen euch dafür, dass ihr jetzt städtische Politik kritisiert.” Und da haben wir gesagt: “Ja, das ist unser Job.”
- Wir haben wirklich eben dadurch, dass wir im Hauseingang standen, fast 100 Prozent der Menschen erreicht.
- Es geht nicht nur um zutrauen, dass die Menschen was können, sondern auch verlangen, die Leute fordern und zu sagen: Tu Was!
- Unsere Vorstellung von Zusammenleben/Gemeinschaftsleben ist unsere, aber die Menschen haben ein Recht, ganz anders zu sein, nämlich so, wie sie sein wollen.
- Das ist die Kunst Sozialer Arbeit: Zu sagen, Wir kriegen das hin! Wenn du dich ärgerst, wenn du ein Problem hast, wenn du willst das es anders wird, dann mach was..!
- Ich bin dann von Tür zu Tür gegangen, geklingelt […] ich will, dass ihr sagt, was gemacht werden soll. […] Und ich habe dann wirklich […] Wohnungen abgeklingelt […] und zu jedem gesagt, ihr müsst kommen. Wenn ihr nicht kommt, habt ihr Pech gehabt, dann entscheiden andere über euch.

Quelle: Die Klimafrage ist eine soziale Frage
Dieser Bildungsbaustein ist Teil des Projekts (Un-) Gerechtigkeit in der Energiewende – Vom digitalen Diskurs zur Lebenswelt der EH Freiburg.