Radikalisierung als Prozess verstehen
Im Mai 2026 kamen rund 60 Personen aus drei Ländern – Frankreich, Schweiz, Deutschland – im Elsass für fünf Tage zum Thema „Radikalisierung und Soziale Arbeit“ zusammen. „Studierende von sechs am RECOS-Programm beteiligten Hochschulen und Ausbildungsinstitutionen wagten sich an eine teilweise emotionale Auseinandersetzung mit diesem Thema, das vielschichtig ist und zudem in den drei beteiligten Ländern sehr unterschiedlich behandelt wird“, erklärt Prof. Dr. Berthold Dietz, RECOS-Beauftragter an der Evangelischen Hochschule Freiburg. RECOS ist eine seit mehr als 35 Jahren aktive Trinationale Hochschulkooperation und zugleich eine Zusatzqualifikation für Bachelor-Studierende. Seit 1990 bieten heute sechs Hochschulen aus Freiburg, Basel, Mulhouse und Strasbourg im Rahmen von RECOS gemeinsam Lehrveranstaltungen für angehenden Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen und Religionspädagog*innen. Inhalte sind die politischen, rechtlichen und sozialen Grundlagen der Mitgliedsländer.

Diskutiert wurde Fragen wie z.B.: Wie entwickeln sich unsere Gesellschaften und warum neigen sie dazu, in extreme, polarisierende Positionen abzugleiten? Was wissen wir über politische, religiöse oder geschlechtsidentitäre Radikalisierungen? Warum nehmen scheinbar Toleranzen ab und die Gewaltbereitschaft zu, wenn es um diese Themen geht? Was bedeuten diese Entwicklungen für uns als Studierende, Lehrende und Professionelle? Und: Was bringen wir in unsere Diskurse und Begegnungen aus unseren eigenen Erfahrungen und Überzeugungen ein?
Berthold Dietz: „Der Radikalisierungsprozess verläuft schleichend, und es ist durchaus schwer zu beschreiben, wie er sich vollzieht, um möglicherweise Warnsignale zu erkennen. Er bewegt sich zwischen sozialstrukturellen Entwicklungen (neue soziale Bewegungen), öffentlichen Diskursen und individuellen Orientierungen. Dennoch steht die Prävention immer im Vordergrund.“
In so genannten Ländertagen in Strasbourg, Freiburg und Basel kamen die Studierenden mit Expert*innen von spezialisierten Sozialorganisationen und Behörden zusammen und lernten dabei, wie vielfältig und engagiert Gewaltprävention und neue Dialogformen diskutiert und praktiziert werden. Dazu gehörte es auch als Ziel dieser Woche, dass Studierende der beteiligten Hochschulen im Oberrheingebiet nicht nur ihr Wissen über Formen der verschiedenen politischen, religiösen oder geschlechtsidentitären Radikalisierungen erweitern, sondern auch die professionellen Netzwerke über die Grenzen hinweg kennenlernen und selbst mit ausbauen.
Weitere Informationen zu RECOS sind hier online
Ansprechperson
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Prof. Dr. Berthold Dietz
Professur für Soziologie; Studiengangsleitung M.A. Sozialmanagement; RECOS-Beauftragter · Fachbereich I Soziale Arbeit
Prof. Dr. Berthold Dietz
Professur für Soziologie; Studiengangsleitung M.A. Sozialmanagement; RECOS-Beauftragter · Fachbereich I Soziale Arbeit