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Nachruf auf Silvia Staub-Bernasconi

Die Evangelische Hochschule Freiburg trauert um Professorin Dr.in Silvia Staub-Bernasconi, die im Juli 2026 in Zürich verstorben ist. Sie hat zusammen mit Prof. Dr. Björn Kraus von 2007 bis 2017 das Doktorand*innenkolloquium der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) an der Evangelischen Hochschule durchgeführt. Gemeinsames Anliegen war es, die disziplinäre Entwicklung der Sozialen Arbeit voranzubringen.

Silvia Staub-Bernasconi an der EH Freiburg, 2014, Foto: Marc Doradzillo

Für die Hochschule spricht Prof. Dr. Björn Kraus über seine Verbundenheit mit der Wissenschaftlerin, mit der er viele Jahre einen fachlichen Disput gepflegt hat.

„Ich habe großen Respekt vor Silvias Leistung für die Soziale Arbeit. Auch bin ich dankbar für die Gelegenheiten der persönlich zugewandten, intensiven Auseinandersetzung und ich bin schlicht und ergreifend traurig über diesen Verlust.

Silvia Staub-Bernasconi lernte ich kennen, als ich um die Jahrtausendwende in den von ihr seinerzeit geleiteten Arbeitskreis eintrat, aus dem später die Theorie-Sektion der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) erwuchs. Unsere anfängliche fachliche Auseinandersetzung war zunächst und vor allen Dingen ein intensives Streiten auf verschiedenen Ebenen. Unsere grundlegend verschiedenen erkenntnistheoretischen Fundamente haben Konsequenzen für unsere Theorieentwürfe, die eben auch zu Widerspruch führen.

Mit Blick auf die Praxis hatten wir zwar auch anschlussfähige Positionen und gerade ihre Einführung des dritten Mandates war ein Meilenstein auf dem Weg der Sozialen Arbeit zur Profession. Darüber, dass Soziale Arbeit im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle eine eigene Grundlage braucht, um wissenschaftlich und ethisch fundierte Entscheidungen treffen zu können, waren wir uns einig. Über die diesbezüglichen Aufgaben und Möglichkeiten von Wissenschaft und Ethik haben wir jedoch engagiert gestritten.

Trotz unserer unterschiedlichen Perspektiven fanden wir zu einer persönlich zugewandten Form der Auseinandersetzung. Was uns einte, war das leidenschaftliche Interesse an der Entwicklung einer wissenschaftlich qualifizierten Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit. In diesem Zusammenhang haben wir 10 Jahre lang gemeinsam das DGSA-Doktorand*innenkolloquium an der EH Freiburg durchgeführt. Gerade dabei wurde deutlich, wie sehr die theoretischen Unterschiede in den Hintergrund treten können und sollten, um sich mit den grundlegenden Fragen der Entwicklung von Profession und Disziplin befassen zu können. Das gilt gerade dann, wenn es um die fachliche Identität und wissenschaftliche Qualität von Promotionen in der Sozialen Arbeit geht.

Ich werde Silvia vermissen – fachlich und persönlich. Denn wissenschaftlicher Fortschritt und professionelle Identität konstituieren sich erst in der methodischen und theoretischen Konfrontation, nicht durch selbstreferenzielle Abgrenzung.

Das gemeinsame Aushalten und produktive Wenden fundamentaler Differenzen – ohne den Respekt vor der Person und ihrer wissenschaftlichen Position zu verlieren – ist eine Haltung, die ich bei Silvia Staub-Bernasconi erlebt habe. Diese Form der Auseinandersetzung und Zusammenarbeit wird mir fehlen.“

Ansprechperson