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Gunda Wössners Expertise in interdiszplinärer Kommission zu Maßnahmen im Strafvollzug nach Häftlingstod gefragt

Eine Expert*innenkommission hat im Auftrag der Justizministerin Anna Sporrer (Österreich) strukturelle Mängel im Strafvollzug nach dem Tod eines Strafgefangenen analysiert und Handlungsempfehlungen vorgelegt.

Gunda Wössner, MDoradzillo

Gunda Wössner, Foto: Marc Doradzillo

Kommission im Februar 2026 einberufen, Abschlussbericht im Juli 2026 vorgelegt

Prof.in Dr.in Gunda Wössner wurde von Justizministerin Anna Sporrer in die im Februar 2026 aufgestellte Expert*innenkommission für den Strafvollzug berufen. Der Abschlussbericht der Kommission wurde am 6. Juli 2026 vom Kommissionsvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Gratz dem österreichischen Bundesjustizministerium für Justiz vorgelegt.

Justizministerin Sporrer hatte das Gremium nach dem Tod eines Strafgefangenen der Justizanstalt Hirtenberg beauftragt, die Situation von psychisch beeinträchtigten Personen in Haft und deren Unterbringung zu analysieren, mögliche strukturelle Mängel aufzuzeigen und entsprechende Empfehlungen auszusprechen.

Gunda Wössner bringt langjährige Fachexpertise ein

Gunda Wössner ist Professorin für Allgemeine Psychologie und Klinische Psychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg sowie Fachpsychologin für Rechtspsychologie und Kriminologin. Fachexpertise für die österreichische Kommission bringt sie u.a. auch ein durch ihre Tätigkeit als Deutsches Mitglied im Europäischen Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT). Seit 2021 gehört sie zu dem Komitee des Europarats, seit 2025 ist die 2. Vizepräsidentin des CPT.

Wissenschaftliche Expertise als Gutachtertätigkeit einzubringen ist Teil von Third Mission

Wissenschaftler*innen der Evangelischen Hochschule bringen – neben Lehre und Forschung – ihre Expertise beratend zur Unterstützung wissenschaftsbasierter Entscheidungen ein: das gehört zur so genannten Third Mission. Dies umfasst gutachterliche Tätigkeiten wie in der o.g. unabhängigen Expert*innenkommission, Mitwirkung an Arbeitskreisen und Stellungnahmen, wie z.B. für das Bundesverfassungsgericht, Kultusministerien auf Länderebene oder in Form von Positionspapieren, Expert*innenworkshops für bzw. mit Bundesministerien, Aktivitäten in Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) und der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE).

78 Empfehlungen, um strukturelle Defizite zu bearbeiten

Neben einer detaillierten Analyse der Situation von psychisch beeinträchtigten Strafgefangenen und Untergebrachten enthält der Bericht der interdisziplinären Kommission 78 Empfehlungen, um strukturellen Defiziten kurz-, mittel- und langfristig zu begegnen. Dies betrifft vor allem die Kommunikation und interne Abläufe. Diese werden nun von der Generaldirektion für den Strafvollzug und Vollzug freiheitsentziehender Maßnahmen (Österreich) eingehend geprüft. Andere Defizite, die sich negativ gerade auf die vulnerable Gruppe der psychisch beeinträchtigten Häftlinge auswirken, sind die bekannten mangelnden Personalressourcen und die Überbelegungen in den Haftanstalten in Österreich.

Justizverwaltung in Bayern und Baden-Württemberg vor ähnlichen Herausforderungen

Der Bericht weist auch auf Bayern und Baden-Württemberg hin, wo die Justizverwaltung vor ähnlichen Herausforderungen stand, nämlich einer steigenden Anzahl psychisch auffälliger Gefangener bei strukturell begrenzten psychiatrischen und psychotherapeutischen Ressourcen. Der Weg heraus – so zeigen diese beiden Beispiele – ist ein kohärentes Gesamtkonzept mit dem Ausbau der psychiatrischen Versorgung oder der Überstellung in fachlich spezialisierte Einrichtungen, klare Verhaltens- und Verfahrensregeln und ein laufendes Monitoring. Spezifische Trainings in Aus- und Fortbildung für schwierige Einsätze sollen verstärkt zu Dialog und Deeskalation befähigen und somit eine sozialkommunikative Professionalisierung bewirken.

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Ansprechperson

  • Prof.in Dr.in Gunda Wössner

    Professur für Allgemeine und Klinische Psychologie; Leitung Interreligiöse Weiterbildung Seelsorge im Justizvollzug; Prodekanin Fachbereich I Soziale Arbeit; Mitglied im Promotionszentrum BW-CAR des Promotionsverbands der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg · Fachbereich I Soziale Arbeit