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Johannes Merz im Interview

Masterstudium an der Evangelischen Hochschule Freiburg sowie am FH Campus Wien; Mitarbeiter im Kommunalen Sozialen Dienst des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Freiburg, Promotionsverfahren in Vorbereitung.

Johannes Merz, geboren 1987; Bachelorstudium an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Masterstudium an der Evangelischen Hochschule Freiburg sowie am FH Campus Wien

Aktuelle Berufstätigkeit: Mitarbeiter im Kommunalen Sozialen Dienst des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Freiburg

Promotionsverfahren in Vorbereitung

 

  1. Wer in die Wissenschaft will, braucht den Doktortitel? Was sind Ihre Gründe für eine Promotion gewesen?

    Diese Frage möchte ich in zweierlei Hinsicht beantworten. Wenngleich noch diverse strukturelle Hürden innerhalb der jeweiligen Promotionsordnungen bestehen, sehe ich die Möglichkeiten einer Promotion „in“ Sozialer Arbeit als große Errungenschaft innerhalb der bisherigen Diskurse um die Eigenständigkeit Sozialer Arbeit als Disziplin und Profession.

    Andererseits sind natürlich auch meine ganz persönlichen Gründe relevant: Die letzten Jahre war ich nebenberuflich als Lehrbeauftragter und Referent an verschiedenen Hochschulen und Institutionen tätig und konnte in diesem Zusammenhang Lehr- und Prüfungserfahrung sammeln. Insgesamt liegt mir die Lehrtätigkeit und die Arbeit mit Studierenden, die ich mittelfristig gerne ausweiten möchte. Daneben ist die Forschung für mich reizvoll.

    Ein Promotionsverfahren ist damit ein „verstärktes“ Scharnier zwischen Impulsen aus meiner bisherigen beruflichen Praxis und dem Wissenschaftsbetrieb. Es ermöglicht mir, ein Thema intensiv wie nie zuvor zu bearbeiten und somit auf eine „wissenschaftliche Reise“ zu gehen. Kurzum: Die Auseinandersetzung mit einem Thema ist damit reizvolle Chance und Herausforderung zugleich.

  2. Über welches Thema promovieren Sie? Und was hat Sie motiviert zu dieser Wahl?

    Bereits während meines Masterstudiums konnte ich methodologischen Gegenständen wie subjektive Bedeutungen und Wirklichkeitskonstruktionen große Begeisterung entgehen bringen. Meine berufliche Tätigkeit hat mich zudem bisher gelehrt, dass subjektive Sinnzuschreibungen und die individuellen Konzepte meiner Klientinnen und Klienten von hoher Bedeutung für das Fallverstehen, spezifische Interessensvertretung und den Erfolg der jeweiligen Hilfe- und Unterstützungsform im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sind.

    Insofern fällt für mich die Wahl auf ein qualitatives Forschungsdesign beim „Erforschen der Welt in Kopf von Menschen“. Aktuell richtet sich mein Erkenntnisinteresse – also das, was ich erforschen möchte – auf Entscheidungs- und Beratungsprozesse von interprofessionellen Teams.

  3. Was bringt Ihnen die Teilnahme am Doktorandenolloquium?

    Ich empfinde vor allem den Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe als sehr gewinnbringend. Sie stehen entweder mitten in einem Promotionsverfahren oder haben dieses gerade abgeschlossen. In jedem Fall bieten neben den Plenarvorträgen auch Einzelgespräche einen geschützten Rahmen zur Diskussion von Fallstricken und Durststrecken, mit denen wohl jeder zu kämpfen hat(te).

    Die Teilnahme an den letzten Doktorandenkolloquien und die dortigen Beiträge der bereits promovierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer verhalfen mir vor allem zu einem realistischen Bild über den Verlauf und die Dauer eines Dissertationsprojektes: die Hürden, mögliche Rückschläge, aber auch individuelle Berufsaussichten.

    Zur inhaltlichen Diskussion der einzelnen Projekte lässt sich sagen, dass die Atmosphäre durchgängig offen und von Wertschätzung geprägt war – „gegrillt“ wurde nach meinem bisherigen Erleben also noch niemand!

  4. Und was kommt danach? Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?

    Aktuell habe ich eine Planstelle in einem Jugendamt inne und sehe die praktische Arbeit als gewisse „Erdung“ und Gegenpol zu meiner nebenberuflichen Lehrtätigkeit. Der Abschluss meiner Promotion mag zwar noch in der Ferne liegen; ich sehe mich dennoch langfristig im wissenschaftlichen Lehrbetrieb.

 

Freiburg, im Mai 2017

Doktorandenkolloquium an der EH Freiburg

Seit 2007 wird jährlich an der Evangelischen Hochschule Freiburg das hochschulübergreifende DGSA-Doktorandenkolloquium durchgeführt.