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Christine Bruker im Interview

Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei AGP Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg; Promotionsvorhaben an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung im Fachbereich Palliative Care und OrganisationsEthik in Wien

geboren 1982; Diplom Sozialarbeiterin/ Sozialpädagogin. Studium an der Evangelischen Hochschule (EH) Freiburg und an der Universität La Paz, Bolivien

Aktuelle Tätigkeiten: Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei AGP Sozialforschung an der EH Freiburg; Lehrbeauftragte an der Hochschule Ravensburg-Weingarten und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart; Freie Mitarbeiterin im Wilhelminen-Hospiz in Niebüll, Nordfriesland; Promotionsvorhaben an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung im Fachbereich Palliative Care und OrganisationsEthik in Wien

 

Frage 1: Ich promoviere weil…

Es ist die Freude am Nachdenken, aus der heraus ich promoviere. Der Motor meiner akademischen Arbeit ist also eine Art professioneller und persönlicher Neugierde. Ich finde es zunächst persönlich bereichernd, die Strukturen und Lebenswelten kennenzulernen, in denen Menschen ihr Leben gestalten, und sie dann zu reflektieren und ggf. weiterzuentwickeln. Mich interessieren die Gedanken und Theorien anderer. In diesen Zusammenhängen hat mir der wertvolle Support von meinem Doktorvater Thomas Klie immer wieder neue Wege bereitet. Außerdem ist mit der Promotion die Idee verbunden, die neuen Erkenntnisse in den Dienst einer Gesellschaft zu stellen, in der das Leben auch unter schwierigen Vorzeichen gelingen kann. Sie ist also auch Ausdruck und Zeichen meiner gesellschaftlichen Mit-Verantwortung. Schließlich möchte ich weiterhin in der Wissenschaft arbeiten, das unterstützt die Dissertation.

Frage 2: Über welches Thema promovieren Sie? Was hat Sie bewegt zu dieser Wahl?

Ich beschäftige mich mit der gesellschaftlichen Sorge für lebensverkürzt erkrankte Kinder und Jugendliche, also junge Menschen, die unheilbar krank sind und die wahrscheinlich sterben, bevor sie erwachsen sind. Im Rahmen regionaler Studien haben wir als AGP Sozialforschung die Versorgung und die Lebenssituationen betroffener Familien untersucht. Die Errungenschaften vor allem der Kinderhospiz Community wurden sichtbar, aber auch die häufig prekären Lebenslagen, das Kollabieren professioneller Hilfen und die massiven Versorgungsnöte, zum Beispiel in der ambulanten Pflege. Die Geschichten betroffener Eltern haben mich berührt – aufgrund ihrer Nöte, aber auch, weil sie gezeigt haben, dass ein gutes Leben in diesen Zusammenhängen möglich sein kann. Die Familien haben dann zwar weniger Zeit zusammen, aber trotzdem oder gerade deshalb Zeit, die wertvoll ist. Den Fragen und Irritationen, die offen blieben, versuche ich in meiner Dissertation nachzugehen und dabei die Themen rund um Palliative Care und Zivilgesellschaft, Gesundheit und Pflege, Teilhabe bei Behinderung und Familie aufeinander zu beziehen. Dabei zeigt sich deutlich: Diese Situationen sind allein als Familie kaum zu bewältigen. Es braucht vielmehr das Zusammenspiel von Familie, einer guten sozialstaatlich getragenen Versorgung und über sie hinaus eine lebensweltlich verankerte, bürgerschaftliche Solidarität und Sorge. Letztlich gilt es, die gesellschaftlich vernachlässigte Wirklichkeit betroffener Familien immer stärker zum Thema zu machen.

Frage 3: Was bringt Ihnen die Teilnahme am Doktorandenkolloquium?

Es braucht für eine Dissertation immer die Anderen bzw. den Anderen, nämlich als fachliches Korrektiv zur Reflexion, aber auch als empathisches Gegenüber. Ich habe das große Glück, in Wien bei Andreas Heller und dem Team am IFF in ein phantastisches Kolleg eingebunden zu sein – sozial, kulturell und fachlich. Es ist interdisziplinär ausgelegt und es ermöglicht, meine Arbeit regelmäßig und intensiv zu beraten. Das Freiburger Kolloquium eröffnet die wertvolle Rückbindung meiner Gedanken an die Soziale Arbeit, eine Perspektive, die es nicht nur implizit braucht, sondern die es auch immer wieder zu explizieren gilt. Insgesamt zeigt die Dissertation einmal mehr, wie sehr wir als Menschen auf andere Menschen verwiesen sind. Das wird in den Kolloquien aufgenommen.

Frage 4: Und was kommt danach? Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?

Zunächst steht der Abschluss meiner Promotion an. Ich möchte danach weiter in der Wissenschaft arbeiten, in Forschung und Lehre, und das ganz praktisch im Dialog mit Menschen und Organisationen im Sozial- und Gesundheitswesen.

 

Freiburg, im April 2017