Leitlinien für rechtliche Handlungsfähigkeit bei Demenz

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Im Rahmen des Forschungsprojektes EmMa - Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz, hat Professor Thomas Klie, Jurist und Gerontologe an der Evangelischen Hochschule, die Entwicklung einer ärztlichen Leitlinie zur Frage der Einwilligungsfähigkeit initiiert. Nach rund eineinhalb Jahren Vorarbeiten hat am 8. Februar 2017 die konstituierende Sitzung der Steuerungs- und Autorengruppe stattgefunden. Diese Arbeitsgruppe wird eine erste Interdisziplinäre Leitlinie erarbeiten. Die Federführung liegt bei der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie.

 

In Zusammenarbeit von Psychologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Ethik wird durch das Forschungsprojekt EmMa die Fähigkeit von Menschen mit Demenz zur Einwilligung in medizinische Maßnahmen untersucht. Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass Menschen mit Demenz gegenwärtig dadurch benachteiligt werden, dass die zur Feststellung ihrer Einwilligungsfähigkeit angewendeten Methoden deutlich von ihren verbalen Fähigkeiten abhängen, gerade diese jedoch durch die Krankheit eingeschränkt sind.

 

Auch die Leitlinie wird in einem interdisziplinär gestalteten Prozess unter Beteiligung ärztlicher Fachgesellschaften der Psychiatrie, Neurologie, Chirurgie und Nuklearmedizin entwickelt. Darüber hinaus sind Vertreter*Innen von Fachgesellschaften und -verbänden der Psychologie, Ethik, Sozialen Arbeit und Rechtswissenschaft involviert.* 

 

Die Leitlinie soll sich den klinischen Fragen widmen, wie die Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz festgestellt werden kann, um Menschen mit eingeschränkter hirnorganischer Leistungsfähigkeit in ihrer rechtlichen Handlungsfähigkeit zu unterstützen. Dabei wird auch untersucht, welche Bedeutung den stellvertretenden Entscheidungen und Vorausverfügungen, wie zum Beispiel der Patientenverfügung und dem Advance Care Planning - einer dynamischen Form der Patientenverfügung -, zukommt.

 

Professor Klie: "In dem hoch anspruchsvollen und methodisch ausgereiften Konzept der Leitlinienerstellung wird die Steuerungsgruppe bis zum Sommer 2018 ihren Entwurf fertigstellen." Der Entwicklungsprozess wird mit einer Konsensuskonferenz abschließen.

 

Ärztliche Leitlinien haben eine wichtige standardbildende Orientierungsfunktion für Ärzte. Als untergesetzliche Normierung kommt ihnen auch in der Rechtspraxis eine wesentliche Bedeutung zu. 

 

Das FIVE-Forschungsinstitut AGP Sozialforschung beteiligt sich an dem Projekt EmMa seit 2011. Thomas Klie, der auch das AGP Sozialforschung leitet, betreut eine juristische Promotion zum Thema der Einwilligungsfähigkeit. Auf diesem Wege ist der Leitlinienprozess in die wissenschaftlichen Arbeiten an der Evangelischen Hochschule Freiburg integriert.

 

*Beteiligte Fachgesellschaften und Fachverbände sind zum Beispiel: Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), Akademie für Ethik in der Medizin (AEM), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), Betreuungsgerichtstag (BGT) Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA), Deutsche Gesellschaft für Medizinrecht e.V. (DGMR), Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH), Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN,) Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP).

 

Freiburg, 15.02.2017

 

Mehr Info zum Forschungsprojekt

"Förderung der Einwilligungsfähigkeit in medizinische Maßnahmen bei Demenz durch ressourcenorientierte Kommunikation", https://www.uni-frankfurt.de/53964717/EmMa

  • Projektbeteiligte: Dr. Julia Haberstroh, Prof. Dr. Frank Oswald, Prof. Dr. Johannes Pantel, Prof. Dr. Dr. Gisela Zenz (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Dipl.-Psych. Maren Knebel, Prof. Dr. Johannes Schröder (Institut für Gerontologie/Sektion Gerontopsychiatrische Forschung, Universität Heidelberg), Prof. Dr. Thomas Klie (Evangelische Hochschule Freiburg), Dipl.-Psych. Tanja Müller, Dr. Susanne Markwort (Main-Kinzig-Kliniken)
  • Förderung: VolkswagenStiftung
  • Laufzeit: 01.06.2011 - 30.11.2016

 

Kontakt an der Evangelischen Hochschule Freiburg

Prof. Dr. habil. Thomas Klie

Evangelische Hochschule Freiburg

klie@eh-freiburg.de, Telefon 0761 47812-696

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen, die Ärzte, Zahnärzte, Angehörige anderer Gesundheitsberufe und Patienten bei ihren Entscheidungen über die angemessene Gesundheitsversorgung unter spezifischen klinischen Umständen unterstützen sollen.
 
 
 
 

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