Partizipatives Studiendesign zu Gewalt in Drogenszenen

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"Gewalt erfüllt klar definierbare, zielgerichtete und unterschiedliche Funktionen in Drogenszenen", stellt Professorin Anke Stallwitz nach einem sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in Vancouver, Kanada, fest. Die Besonderheit des Studiendesigns war, dass Mitarbeiter*innen des Forschungsprojekts und Mitglieder der lokalen Drogenszene in das Projekt eingebunden waren.

 

Oftmals wird Gewalt als selbstverständlich gegebenes und charakteristisches Element illegaler Drogenkulturen angesehen oder vorausgesetzt. Dass es hinsichtlich Normalität und Akzeptanz von Gewalt im Bereich illegaler Drogen signifikante Unterschiede gibt und Gewalt klar definierbare, zielgerichtete und verschiedene Funktionen erfüllt, war eine Haupterkenntnis des sechsmonatigen Forschungsaufenthalts von Professorin Anke Stallwitz in Kanada.

 

Von März bis August 2016 war sie Gastwissenschaftlerin an der Urban Health Research Initiative am British Columbia Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver und erforschte in Kooperation mit dem Vancouver Area Network of Drug Users (VANDU) die Bedingungen, Ursachen und Funktionen von Gewalt in Drogenverkaufssituationen im Stadtteil Downtown Eastside. VANDU ist eine der weltweit größten Drug User Unions (Drogenkonsumentenvereinigungen) mit einem substantiellen Einfluss auf lokale Drogenpolitik, wie die Eröffnung des ersten nordamerikanischen Drogenkonsumraums Insite im Jahr 2003.

 

Die Besonderheit von Stallwitz‘ Studie war das partizipative Studiendesign, dementsprechend Mitglieder der lokalen Drogenszene in alle Schritte des Forschungsprozesses involviert waren. Im März 2016 gründete Stallwitz zusammen mit VANDU das „Safer Neighbourhood Research and Action Team“, das aus 11 VANDU-Mitgliedern bestand, und auch von ihr geleitet wurde. Ab August 2016 übernahmen Gruppenmitglieder die Leitung, bis das Team im November 2016 vorerst suspendiert wurde.

 

Ziel der Gruppe war einerseits die Beteiligung und das Mitgestalten des Forschungsprozesses durch die Zurverfügungstellung von Insiderwissen hinsichtlich der Strukturen der Drogenszene in der Downtown Eastside. So konnte Stallwitz während des gesamten Forschungsprozesses immer wieder das Forschungsdesign auf Umsetzbarkeit und die ersten vorläufigen Studienergebnisse auf Validität prüfen. Gruppenmitglieder beteiligten sich weiterhin an der Studie, indem sie beim Rekrutieren von Interviewpartnern mittels ihrer sozialen Netzwerke und Kontakte innerhalb der Szene halfen und Daten im Rahmen von peer-geleiteten Fokusgruppen sammelten.

 

Informiert durch die Studienergebnisse entwickelte Stallwitz zusammen mit der Gruppe ein Konzept der peergeleiteten Gewaltvermeidung basierend auf einem gemeinsinnorientierten Verhaltenskodex für Drogenverkäufer und -käufer. „Gemeinsinn in Drogenszenen“ setzt sich aus gegenseitiger Fürsorge, klaren sozialen Regeln und gewaltfreien Sanktionen bei Regelübertritten zusammen Die Studie und die Gruppe erlangten breite Aufmerksamkeit innerhalb der örtlichen Drogenszene, sozialer Institutionen des Stadtteils und der Medien.

 

Von Januar bis August 2017 ist Anke Stallwitz Gastforscherin am Centre for Social Research on Alcohol and Drugs der Universität Stockholm, wo sie in Zusammenarbeit mit Stockholms Brukarföreningen, der Stockholmer Drug User Union, eine Studie durchführt, die Gewalt im sozialen Netzwerk der Stockholmer Drogenszene analysiert und mit der Situation in Vancouver vergleicht. Zudem bauen Stallwitz und Stockholms Brukarföreningen eine Peergruppe zur Reduzierung von Gewalt gegen Frauen im Drogenmilieu auf.

 

Freiburg, 10.04.2017

 

Mehr Info

Kontakt

Prof. Dr. Anke Stallwitz

Evangelische Hochschule Freiburg

Professur für Sozialpsychologie

stallwitz@eh-freiburg.de

 
 
 
 

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