Jubiläum 1918 – 2018 – Der Festakt

Mehr Lebensqualität und Gesundheit durch regionale Netzwerke

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06.12.2018
Forschung/Promotion, Studium/Lehre

Mit dem Präventionsnetzwerk PNO wurde ein bundesweit richtungsweisendes Modell für die Gesundheitsförderung und Prävention von Kindern entwickelt. Das Bundesforschungsministerium hat für dieses neue Netzwerk im Ortenaukreis rund 4 Mio. von 2014 – 2018 investiert. Signifikant stieg das psychische Wohlbefinden der Kinder aus den teilnehmenden Einrichtungen. Das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis ist ein gemeinsames Praxisforschungsprojekt des Landratsamts Ortenaukreis und des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) an der EH Freiburg.

Am 10. und 11. Oktober 2018 fand die Abschlusstagung des über vier Jahre vom BMBF geförderten Praxisforschungsprojektes „Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO)“ statt. PNO hat die Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit sowie der sozialen Teilhabe von drei- bis zehn-jährigen Kindern und ihren Familien zum Ziel. Mit diesem Netzwerk wurde im flächengrößten Landkreis Baden-Württembergs eine kommunale Gesamtpräventionsstrategie von der Schwangerschaft bis zum zehnten Lebensjahr mit einem systemübergreifenden Netzwerk aus Akteuren des Gesundheits-, Jugendhilfe- und Bildungssystems in den Lebenswelten Kindertageseinrichtungen und Schule flächendeckend umgesetzt.

Das Praxisforschungsprojekt wurde gemeinsam vom Ortenaukreis und dem Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg getragen. Aufgrund der positiven Erfolge in der Umsetzung und der guten Evaluationsergebnisse hat der Kreistag des Ortenaukreises die Weiterführung des PNO über den Förderzeitraum hinaus beschlossen und dazu gemeinsam mit Trägern der Sozialversicherung ein innovatives Finanzierungskonzept auf Grundlage des Präventionsgesetzes entwickelt.

Auf der Abschlusstagung wurden die Ergebnisse aus der Praxis und der wissenschaftlichen Evaluation des PNO einem breiten Publikum von Praktikerinnen und Praktikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Kommunen, Bund und Ländern vorgestellt. Nach Grußworten des Landkreises des Ortenaukreises (Frank Scherer), einem Vertreter des Sozialministeriums Baden-Württemberg (Ulrich Schmolz), sowie einer Videobotschaft der Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Heidrun Theis, wurden zunächst in einem Plenumsvortrag das Konzept sowie die Praxiserfahrungen durch Ullrich Böttinger, dem Leiter PNO Praxis beim Landratsamt Ortenaukreis, vorgestellt.

Es konnte gezeigt werden, dass zum einen tragfähige Netzwerkstrukturen auf Gesamtkreisebene, aber auch in den fünf großen Regionen des Kreises etabliert wurden. Die Kooperationen zwischen AkteurInnen aus Gesundheits-, Bildungs- und Jugendhilfesystemen konnten systematisch gefestigt werden. Dabei wurde eine Gesamtstrategie entwickelt, die dann in den Settings Kindertageseinrichtungen und Schule umgesetzt wurde. Es wurden zwei wichtige Formate entwickelt: Zum einen die 18-monatige Organisations- beziehungsweise Schulentwicklung von Kindertageseinrichtungen und (Grund-)Schulen zu gesundheitsförderlichen Institutionen auf der Grundlage eines dezidiert ausgearbeiteten Curriculums. Zum anderen konnten die Institutionen „Bedarfsorientierte Fortbildungen“ von bis zu zwei Tagen Dauer erhalten; Themen waren hier zum Beispiel „Gesundheit der pädagogischen Fachkräfte“, „Herausforderndes Verhalten in Kindertageseinrichtungen und (Grund-)Schulen“ oder die „Förderung der seelischen Gesundheit/Resilienz“.

Eine wichtige, koordinierende Funktion hatten sowohl die zentrale Präventionsbeauftragte, als auch die, für die fünf Regionen (Raumschaften) zuständigen, regionalen Präventionsbeauftragten. Diese koordinierten Anfragen, förderten den Aufbau lokaler Netzwerkstrukturen und initiierten gemeinsam mit den Fachkräften vor Ort weitere Fachveranstaltungen, die wiederum der Vernetzung dient. Insgesamt wurden auf diese Weise alle Kindertageseinrichtungen und (Grund-)Schulen im Ortenaukreis erreicht; an den verschiedenen Angeboten nahmen 75% der Institutionen teil.

Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff (ZfKJ) stellte die Ergebnisse der Evaluation der hochkomplexen Interventionen dar. Dabei konnten empirische Belege für den gelungenen Aufbau der Netzwerkstrukturen gezeigt werden. Darüber hinaus zeigte sich, dass die an den Organisationsentwicklungsprozessen teilnehmenden Fachkräfte ihre Kompetenz im Bereich der Gesundheitsförderung deutlich verbessert haben. Die Eltern aus den teilnehmenden Einrichtungen zeigten ein hohes Maß an Zufriedenheit und berichteten von verbesserter Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften in Kitas und Schulen. Effekte waren bis auf die Ebene der Kinder nachzuweisen: Obwohl diese nur mittelbar AdressatInnen der Intervention waren, stieg im Prä/postvergleich das mit standardisierten Instrumenten erfasste psychische Wohlbefinden der Kinder aus den teilnehmenden Einrichtungen signifikant.

Prof. Dr. Ulla Walter vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover warf ebenso wie Prof. Dr. Uwe Bittlingmayer, Pädagogische Hochschule Freiburg, einen „Blick von außen“ auf PNO. Dabei wurde deutlich, dass durch das Präventionsnetzwerk ein bundesweit richtungsweisendes Modell entstanden ist, das zum einen den immer wieder dargestellten Anforderungen an wirkungsvolle Prävention und Gesundheitsförderung „in der Fläche“ entspricht und hier wissenschaftlichen Standards gerecht wird. Zum anderen werden Grundgedanken des Präventionsgesetztes erstmalig systematisch umgesetzt und es konnten die positiven Wirkungen gezeigt werden.

Prof. Dr. Anja Voß, Alice Salomon Hochschule Berlin, hielt einen weiteren Plenumsvortrag zum Thema „Gesundheit von pädagogischen Fach- und Lehrkräften in Kita und Schule: Belastungen und Ressourcen“. Dieser Vortrag bestätigt einerseits die auch in der Evaluation des PNO festgestellten Ergebnisse, dass sich pädagogische Fachkräfte in Kitas und Schulen in besonderer Weise belastet fühlen; dies zeigen auch aktuelle Studien verschiedener Krankenkassen. Zum anderen wurde deutlich, dass noch stärker auf eine systematische Gesundheitsförderung auch für die pädagogischen Fachkräfte geachtet werden muss – hier wird ein Entwicklungsbedarf für die Zukunft der Arbeit des PNO deutlich.

In insgesamt zwölf Workshops wurde zum einen die praktische Arbeit im PNO einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und auch gemeinsam reflektiert. Das Spektrum reichte dabei von den Aspekten der Kita-Organisationsentwicklung zur gesundheitsförderlichen Einrichtung über die Gesundheitsberichtserstattung des PNO, sowie die Darstellung weiterer Elemente, wie zum Beispiel der sozioökonomischen Belastungsanalyse der Bildungseinrichtungen im Ortenaukreis. In weiteren Workshops wurden Gelingensfaktoren bei der Umsetzung der Organisationsentwicklungen in Kitas und Schulen dargelegt, sowie die Elemente einer guten Präventionskette herausgearbeitet.

Insgesamt ist das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis als Erfolg und ein Good-Practice Beispiel auch für weitere Aktivitäten der Präventions- und Gesundheitsförderung zu bewerten – im Besonderen, weil die Verbindung zwischen der kommunalen Gesamtstrategie und der konkreten Förderung in den Settings Kita und (Grund-)Schule gelungen ist.

 

Freiburg, 06.12.2018

 

www.pno-ortenau.de

  • Fröhlich-Gildhoff, K. & Böttinger, U. (2018). Prävention und Gesundheitsförderung als kommunale Strategie. Konzept, Entwicklung und Evaluation des „Präventionsnetzwerks Ortenaukreis (PNO)“. Freiburg: FEL. 
  • Fröhlich-Gildhoff, K., Böttinger, U., Döther, S. & Kerscher-Becker, J. (Hrsg.)(2018). Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder im Alter von 3-10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Ein Curriculum für die Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften. Freiburg: FEL.

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