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Kerstin Lammer verlässt die Hochschule

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Prof. Dr. Kerstin Lammer; Foto: Marc Doradzillo

Prof. Dr. habil. Kerstin Lammer (56) hat Ende September 2019 die Evangelische Hochschule Freiburg verlassen. Seit dem 1. Oktober 2019 leitet sie den Hauptbereich Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Lammer war seit dem 1. April 2007 Professorin für Theologie mit den Schwerpunkten Seelsorge und Pastoralpsychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Von 2007 bis 2012 leitete sie den Bachelor-Studiengang Religionspädagogik / Gemeindediakonie.

2008 übernahm sie die Leitung des bis heute durchgehend stark nachgefragten berufsbegleitenden Master-Studiengangs Supervision und entwickelte ein neues und einzigartiges Profil: das Y–Modell mit den Zweigen Systemtheorie / Konstruktivismus und Pastoralpsychologie. Pastoralpsychologische Supervision bietet im deutschsprachigen Raum seither allein die Evangelische Hochschule Freiburg an.

Rektorin Prof. Dr. Renate Kirchhoff: “Wir sind Kerstin Lammer sehr dankbar für Ihre hohe Fachkompetenz, mit der sie insbesondere den Master-Studiengang Supervision mit einem bundesweit einzigartigen Profil entwickelt hat. In zahlreichen externen Gremien hat sie nicht nur die Interessen der Evangelischen Hochschule vertreten, sondern sie auch mit ihrem wissenschaftlichen Portfolio deutlich sichtbarer gemacht.“

2014 gründete Professorin Lammer das Institut für interdisziplinäre Theologie und Beratungsforschung (itb) unter dem Dach von FIVE e.V. – dem Forschungs- und Innovationsverbund an der Hochschule, das sie bis September 2019 geleitet hat. In diesem Institut haben mehrere Professor*innen der Evangelischen Hochschule Evaluationsstudien zur Wirksamkeit und Outcomes kirchlicher Arbeit, Fortbildungsangebote in den Bereichen Beratung mit theologischer und psychologischer Kompetenz, Begleitung von trauernden und traumatisierten Menschen, Krisenintervention durch Einsatzkräfte, Ethikberatung, Menschenrechtspädagogik sowie Global Education durchgeführt.

Seit 2015 war die Theologin Prodekanin des Fachbereichs II Theologische Bildungs- und Diakoniewissenschaft.

Die Venia Legendi für das Fach Praktische Theologie wurde Kerstin Lammer 2019 an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erteilt. Bei der Habilitations-Schrift handelt es sich um eine Mixed-Methods-Studie zu Wirkungen und Wirkfaktoren der Seelsorge, untersucht an vier Seelsorge-Modellprojekten der EKD. Der

Habilitations-Vortrag zu „Entgrenzung und Begrenzung im Pfarrberuf im Spiegel pastoraltheologischer Entwürfe der 21. Jahrhunderts“ fand am 23. Januar 2019 in Münster statt.

Lammer hat kontinuierlich auch über die Hochschule hinaus, insbesondere in der Evangelischen Kirche auf Landes- und Bundesebene und in bundesweiten Berufs- und Fachverbänden, ihre Fachexpertise eingebracht. Sie hat die EH Freiburg als wissenschaftlichen Kooperationspartner des Zentrums für Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden vertreten. Sie war u.a. sechs Jahre lang Erste Vorsitzende der neu gegründeten Ständigen Konferenz für Seelsorge in der EKD und ist heute Zweite Vorsitzende dieser EKD-Konferenz sowie des Seelsorgeausschuss der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands (VELKD).

Kerstin Lammer hat als Kommissionsmitglied der EKD an der Handreichung „Christlicher Umgang mit Sterben und Tod“ mitgearbeitet, die 2018 gemeinsam von EKD und Orthodoxer Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) herausgegeben wurde.

Die Theologin hat den Vorsitz des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP) inne. Zudem ist sie Delegierte für internationale Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv).

Im April 2019 nahm Lammer als Vertreterin der EKD und als wissenschaftliche Seelsorge-Expertin an der 46-köpfigen Fachkommission teil, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zum geplanten Verbot so genannter „Konversionstherapien“ berufen hatte.

Werdegang

Geboren 1963 in Bonn; aufgewachsen im Rheinland, studierte Kerstin Lammer in Bonn und Kiel Evangelische Theologie. Von 1989 bis 1991 war sie als Stipendiatin im Bereich der Seelsorge und Supervisionsausbildung an der University of Chicago Hospitals und am Queen’s Medical Center in Honolulu in Hawaii tätig. 1991 bis 1993 absolvierte sie ihr Vikariat in Hamburg-Altona. Nach ihrer Ordination 1993 war sie Beratungspastorin für Mitarbeitende in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf sowie Leiterin der Alsterdorfer Schwesternschaft in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.

1994 wurde sie Assistentin bei Prof. Dr. Reiner Preul am Institut für Praktische Theologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und unterrichtete als Dozentin die Fächer Seelsorge, Homiletik, Katechetik, Diakonik und Liturgie. Nebenamtlich war Kerstin Lammer als Pastorin der Pauluskirchengemeinde Hamburg-Altona beschäftigt. Von 1997 bis 2002 war sie als hauptamtliche Pastorin der Kirchengemeinde St. Johannes Glinde (bei Hamburg) tätig, ab 1998 leitete sie den dortigen Kirchenvorstand. Von 2002 bis 2007 war sie Dozentin und Bereichsleiterin für die Fachbereiche Seelsorge, Beratung und Supervision und Gruppen- und Bildungsarbeit am Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) im Haus Villigst (Schwerte).

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