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Keine Forschung, keine klugen Köpfe, keine Zukunft

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23.10.2019
Quelle: Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg, Montage: Jürgen Oschwald

„No science, no future“: Unter diesem Motto verhandeln derzeit die Landesuniversitäten und Hochschulen Baden-Württembergs mit dem Finanzministerium in Stuttgart. Am Ende soll ein Hochschulfinanzierungsvertrag für die Jahre 2021 bis 2025 unterschrieben werden. Die Rektorinnen und Rektoren aller Hochschularten beziehen klar Position: Ohne Geld gibt es keine Forschung, keine erstklassige Lehre und damit auch keine Zukunft als Innovations- und Wissenschaftsstandort.

Die Studierendenvertretungen beteiligen sich mit einem ebenso prägnanten Slogan: „Hochgeschult – kaputtgespart“. Gemeinsam werden Studierende und Beschäftigte am 30. Oktober 2019 in ganz Baden-Württemberg auf die Straße gehen, um ein Zeichen gegen die Unterfinanzierung zu setzen. In Freiburg beginnt die Demonstration um 12 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge.

Baden-Württemberg ist eine traditionell starke Hochburg in Wissenschaft, Lehre und Forschung. Als Land ohne Bodenschätze ist es auf seine klugen Köpfe angewiesen. Die Hochschulen bieten Antworten und Lösungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen wie die Digitalisierung, den Klimawandel, den Fachkräftemangel und den Pflegenotstand. Nur durch spürbare Investitionen kann das Land seiner Rolle und Bedeutung in Wissenschaft und Transfer und für Wirtschaft und Gesellschaft gerecht werden, denn die Lage der Hochschulen in Baden-Württemberg wird immer kritischer: Die Zahl der Studierenden an allen Hochschulen – Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Pädagogische Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, Duale Hochschule und Universitäten – ist in den vergangenen 20 Jahren rasant gestiegen. Es sind weit mehr Studierende als finanzierte Studienplätze – und die finanzierten Studienplätze sind nicht ausreichend ausgestattet: Pro Studierenden erhalten beispielsweise die Universitäten heute 3.540 Euro weniger als noch im Jahr 1998. Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Pädagogischen Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen benötigen pro Studierenden 1.000 Euro zusätzlich im Jahr, um ihrem hochschul- und gesellschaftspolitischen Auftrag weiterhin in hoher Qualität gerecht werden zu können.

Gemeinsam wollen die fünf Freiburger Hochschulen nun ein Zeichen setzen und der Politik die Konsequenzen vor Augen führen: Kapazitätsabbau, Stellenstreichungen, weniger Service für Studierende. Das kann die Politik nicht wollen – deshalb fordern die Hochschulen eine ausreichende Finanzierung für die notwendige Digitalisierung von Forschung, Lehre und Dienstleistungen, für eine bessere Betreuung von Studierenden und Promovierenden sowie für die Sicherung von Stellen in Verwaltung, Service und Technik.

Statements

„Die Erwartungen an die Hochschulen haben sich in Bezug auf Lehre, Forschung und Verwaltung erheblich verändert. Ich gehe an dieser Stelle einmal als Beispiel auf die Wissenschaftsadministration an der Pädagogischen Hochschule ein, ohne die Forschung und Lehre nicht möglich sind. Die Verwaltung hat heute zum Beispiel die Neufassung des Umsatzsteuerrechts, die EU-Datenschutzgrundverordnung, die Vorgaben zur Informationssicherheit, das Mutterschutzgesetz und die gesamte Digitalisierung der Verwaltung umzusetzen, ohne dass sie dafür die notwendigen zusätzlichen Planstellen oder die Möglichkeit zur Neubewertung von Dienstposten erhalten hat. Unsere Berechnung belegt, dass dafür allein in Freiburg 6,5 Stellen zusätzlich nötig wären. Ohne entsprechende Zuwächse kann die zwingend notwendige Rechtsförmigkeit der Verwaltung nur erhalten werden, indem Stellen aus dem wissenschaftlichen Bereich in die Verwaltung verlagert werden – mit entsprechenden Folgen für die Lehre und die Betreuung der Studierenden.“
Prof. Dr. Ulrich Druwe, Pädagogische Hochschule

„Wir sind als Musikhochschule zwar eine vergleichsweise kleine Institution, sind jedoch für die differenzierten Anforderungen bei der Digitalisierung und in der Administration gleichermaßen auf einen Personalstellenaufwuchs in diesen Bereichen angewiesen. Die enge Zusammenarbeit mit der Universität im kürzlich gegründeten Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik (FZM) sowie die ebenfalls intensive Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule in der Forschung und in gemeinsamen Studiengängen veranlasst uns dazu, solidarisch mit unseren Partnerhochschulen aufzutreten.“
Prof. Dr. Ludwig Holtmeier, Rektor der Hochschule für Musik Freiburg

„Rund zwei Drittel der Studierenden in den Bereichen Sozialwesen, Gesundheit und Pflege studieren an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Um dem Fachkräftemangel in diesen für die Gesellschaft wesentlichen Bereichen zu begegnen und die Zukunftsfähigkeit dieser zu garantieren, ist eine ausreichende Finanzierung der Hochschulen unverzichtbar.“
Prof. Dr. Renate Kirchhoff, Rektorin der Evangelischen Hochschule Freiburg

„Die Hochschulen haben in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben übernommen, ohne dafür zusätzliche Ressourcen zu erhalten. Die Hochschulen können diesen bei anhaltender Unterfinanzierung nicht mehr gerecht werden. Am Ende sind die Studierenden die Leidtragenden dieser Entwicklung, weil sie spürbare Einschnitte in Qualität bei der Betreuung und der Studieninhalte treffen.“
Prof. Dr. Edgar Kösler, Rektor der Katholischen Hochschule Freiburg

„Die Landesuniversitäten sind die einzigen Hochschulen, die die laufenden Betriebskosten aus dem eigenen Haushalt begleichen müssen – ob Reinigung, Sicherheit, Wartung, Mieten für Gebäude oder Ausstattungen von Hörsälen. Seit 20 Jahren haben wir dafür keinen Euro zusätzlich bekommen. Das produziert Defizite, die durch stetige Kostensteigerungen jedes Jahr größer werden. Das ist eine Bürde, die wir tragen müssen und die uns schachmatt setzt. Dabei haben wir kontinuierlich bewiesen, dass eine Investition in Hochschulen einer Investition in die Zukunft des Landes gleichkommt: Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung, um die Hochschulen Baden-Württembergs angesichts der immer stärker werdenden internationalen und nationalen Konkurrenz wettbewerbsfähig und attraktiv zu halten.“
Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

„Die aus mangelnder Grundfinanzierung resultierende Not ist im Hochschulsektor allgegenwärtig und im Studienalltag spürbar. Deshalb fordern wir, dass endlich eine ausreichende Grundfinanzierung beschlossen wird. Nur wenn angefangen wird, Hochschulen angemessen gegenzufinanzieren, das heißt, die tatsächlichen Studierendenzahlen und Aufwendungen aus dem laufenden Betrieb kostendeckend zu tragen, können Bildung und Forschung in Baden-Württemberg auf Dauer gesichert werden. Dabei ist es wichtig, dass die in den vergangenen Jahren geschaffenen Studienplätze erhalten bleiben. Wir rufen deshalb alle auf, gemeinsam mit uns ein Zeichen zu setzen und am 30. Oktober mit uns zu demonstrieren.“
Studierendenvertretungen der Freiburger Hochschulen

(Gemeinsame Pressemitteilung der fünf Freiburger Hochschulen; Freiburg, 23.10.2019)

Weitere Informationen

nosciencenofuture.de
hochgeschult-kaputtgespart.de

Gemeinsame Pressemitteilung der Freiburger Studierendenvertretungen