ev.olve - 03/2023

nen Referent*innen und Freiburger Professor*innen setzten sich die Teilnehmenden mit potenziellen Karrierewegen nach der Promotion auseinander. Stefanie Pietsch ist Forschungsreferentin an der EH Freiburg und organisiert dieWorkshops. Sie erzählt, dass sich im Prozess derWinterschool auch durchaus herausstellen darf, dass eine Professur gar nicht das passende Karriereziel ist. „Dann werden im Rahmen derWorkshops und individuellen Coachings berufliche Alternativen und konkrete Etappenziele ausgelotet.“ DieWorkshops helfen zudem dabei, Besonder- heiten der Professuren an HAW zu klären – sei es im Vorfeld, sei es im Verlauf. Beispiel eins: Kurz vor Beginn der ersten Winterschool haben die baden-württembergischen HAW über einen neuen Verband im Herbst 2022 das Promotionsrecht erhalten. Beispiel zwei: DieWinterschool der EH Freiburg konzentriert sich auf Professuren an HAW mit SAGE-Profil, also auf Arbeitsmöglichkeiten in den Feldern Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung. Stefanie Pietsch fasst es so zusammen: „Wir wollen Lust machen auf eine Professur an den HAW – und insbesondere auf die Arbeit an der EH Freiburg.“ Nachwuchswissenschaftlerin Isabel Dean sieht schon jetzt, welche langfristigen Vorteile ihr dieWinterschool gebracht hat: „Der kollegiale Umgang hat dazu beigetragen, dass ich mein Netzwerk erweitern konnte und alte Kontakte erneuert habe.“ Gemeinsam mit einer anderen Teilnehmerin hat sie sich vorge- nommen, in Zukunft bei Stellenausschreibungen für HAW-Pro- fessuren aufeinander zu verweisen und deutlich zu machen, dass sie sich auch die Teilung der Professur vorstellen können. Sozialwissenschaftlerin Sylvia Nienhaus bewertet dieWinter- school ähnlich positiv: „Mir hilft der Austausch auf mehreren Ebenen. Ich bekomme neue Impulse und lerne andere Sicht- weisen kennen. Und ich kann meine Erfahrungen weiterge- ben.“ Sie findet es wichtig, aus der Einzelkämpfer*innen-Rolle herauszutreten, Unterstützung anzubieten und anzunehmen. Allzu oft sei der akademischeWerdegang ein Alleingang. In Austausch kommen Auch beim Forschen wünscht sich Sylvia Nienhaus mehr Ko- operation. Vor allem das interdisziplinäre Zusammenarbeiten scheitere jedoch oft am Zeitmangel im Berufsalltag. Oder an der Prioritätensetzung. Winterschool-Teilnehmerin Juliane Wahren meint: „Kooperation würde das Geschäft sicher noch mehr beleben.“ Die offene Atmosphäre während der Workshops habe ihr geholfen, neue Kontakte zu knüpfen und Wissenslücken zu schließen. Wahren findet es wichtig, ein Netzwerk zu haben, an das sie sich bei Bedarf wenden kann. Für die EH Freiburg wiederum ist das neue Format eine gute Möglichkeit, Postdocs den Hochschultyp HAW näherzubrin- gen. Denn viele Nachwissenschaftler*innen orientieren sich immer noch an Universitätskarrieren, zu denen eine Habilita- tion gehört und bei denen derWeg relativ klar vorgezeichnet ist. DieWege an eine HAW haben zwar üblicherweise mehr Kreuzungen und Abzweigungen, aber dadurch können sie auch vielfältiger sein oder sogar kürzer. Für eine HAW-Profes- sur muss man nicht habilitieren, sie setzt allerdings fünf Jahre Berufspraxis, davon drei Jahre außerhalb der Hochschulwelt, voraus. Für Akademiker*innen, denen diese Praxis fehlt, hat die EH Freiburg eine Lösung: Die sogenannte Tandemprofes- sur verbindet den Einstieg in die Professur mit einer beruf- lichen Tätigkeit (siehe QR-Code für weitere Infos). Bei der Zielgruppe hat dieWinterschool auf jeden Fall einen Nerv getroffen, zumal sie als Safe Space konzipiert war und Raum ließ zum Nach- und Hinterfragen. Koordinatorin Stefanie Pietsch sagt: „Für jungeWissenschaftler*innen in der Post- doc-Phase existieren bislang kaum Foren, in denen Karriere- fragen offen besprochen werden und die Teilnehmer*innen konstruktives Feedback zu ihrem Lebenslauf und ihren Skills bekommen.“ Mit der Resonanz auf die ersteWinterschool ist sie sehr zufrieden: „Wir hatten viel mehr Bewerber*innen als Plätze. Es gab ein großes, überregionales Interesse, mit über- raschend vielen Kandidat*innen, die nicht an HAW, sondern an Universitäten studiert hatten.“ Auf die erste Runde folgen zwei weitereWorkshop-Reihen: 2024 und 2026. Wer zum SAGE-Profil passt, seine Promotion demnächst abschließt be- ziehungsweise Postdoc ist und mitmachen will, kann sich jetzt schon an Stefanie Pietsch wenden. Dirk Nordhoff Mehr Infos und Kontakte zur Winterschool Beispiel für eine Tandemprofessur: Tobias Hauck ist zu 50 Prozent als Hochschulprofessor tätig und zu 50 Prozent beim Sozialwissenschaft­ lichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI EKD). „Mir hilft der Austausch auf mehreren Ebenen. Ich bekomme neue Impulse und lerne andere Sichtweisen kennen. Und ich kann meine Erfahrungen weitergeben.“ „Wir wollen Lust machen auf eine Professur an den HAW.“ Allein auf Professur? ev.olve 2 6 2 7

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