ev.olve - 03/2023
(Un-)Mögliche Diskursräume Isabelle Ihring lehrt als Professorin für Jugend und Soziale Arbeit. Schwerpunktmäßig arbeitet sie zum Bereich der Hilfen zur Erziehung mit besonderem Blick auf Kinder- schutz und zur Analyse globaler Ungleichheitsverhältnisse mit besonderem Fokus auf Rassismus aus postkolonialer und intersektionaler Perspektive. Hinzu kommt die Aus- einandersetzung mit dekolonialen Praktiken und deren Relevanz für die Soziale Arbeit. Björn Kraus ist Professor für Wissenschaft Soziale Arbeit. Er leitet den Master-Studiengang Supervision und Coaching. Seit Ende der 1990er-Jahre zählt er zu den Protagonisten konstruktivistischer Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit. Neben wissenschaftstheoretischen Grundlagenarbeiten zählen zu seinen Arbeitsschwerpunk- ten etwa Fragen der Macht, der Lebenswelten und Lebens- lagen und des professionellen Handelns. Wir wollen mit den hier angerissenen „Blitzlichtern“ eine Ahnung davon vermitteln, wie weit Diskursräume sein können und müssen. Gleichwohl ist uns klar, dass im Rahmen des durch das Magazin vorgegebenen Formates keine differen- zierte Darstellung unserer Positionen oder der Diskurse, an denen wir uns beteiligen und die wir miteinander führen, möglich ist. Wir haben lange gemeinsam überlegt, ob wir das machen sollen. Denn wir sehen die Gefahr, dass alles, was wir sagen, als Gegenposition gelesen werden kann: auch deshalb, weil wir als Gegensätze wahrgenommen werden (Mann/Frau, schwarz/weiß). Wir sind besorgt darüber, wie eng die Diskursräume mittlerweile sind. Unsere Positionen haben Schnittmengen, ergänzen oder unterscheiden sich eben auch. An welchen Stellen und inwieweit sie das tun, wird im Rahmen dieses kurzen Textes nicht deutlich – ebenso wenig, an welchen Stellen die Unterschiede gar nicht imWiderspruch stehen, sondern sich vielmehr ergänzen. Betonen möchten wir, dass wir fachlich und persönlich froh über die Gelegenheiten sind, solche Diskurse zu führen. Sie sind für uns gerade deswegen bereichernd, weil wir unter- schiedliche Themen bearbeiten und dabei nicht nur gemeinsa- me, sondern auch unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Dabei sind wir uns des gegenseitigen Respektes auch dann sicher, wenn wir widersprechende Positionen vertreten. Fußnoten ¹⁾ Argumentum ad hominem: Darunter werden Scheinargumente verstanden, die sich gegen Personen richten und sich nur vermeintlich auf Positionen und Argumente beziehen. ²⁾ Siehe hierzu etwa den Beutelsbacher Konsens des Indoktrinationsverbots in der politischen Bildung. Eine gemeinsame Bemerkung von Isabelle Ihring und Björn Kraus ev.olve 2 2 2 3
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