ev.olve - 03/2023
Der Euro-Campus RECOS stärkt mit dem neuen Projekt CELIS die Mobilität von Studierenden, Lehrenden und Praktiker*innen im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Dabei geht es vor allem darum, die grenzüberschreitende Soziale Arbeit auszubauen. Frau Fischer, mit der Entwicklung eines Euro-Campus wollen Sie die grenzüberschreitende Soziale Arbeit stärken.Warum ist das wichtig? Sibylle Fischer: Die Notwendigkeit, grenzüberschreitende Kompetenzen auszubauen und zu verstetigen, ergibt sich aus der Alltagspraxis: Die Gesell- schaft ist zunehmend beruflich und pri- vat mobil, damit muss die Soziale Arbeit auch mobiler werden. Allein national ausgerichtete Schutz- und Hilfsmaß- nahmen führen zu Brüchen in den Hilfe- leistungen. Im Bereich der Sexarbeit etwa, im Bereich der Kriminalität und ganz besonders im Kinderschutz gibt es große Unterstützungsbedarfe, die auch kontinuierlich zunehmen. Forschungs- projekte im Bereich Kinderschutz zeigen: Durch Umzug ins Nachbarland oder denWechsel der Arbeitsstelle brechen Hilfen oft ab oder werden nicht mehr weitergeführt, weil man die Familien aus dem Blick verliert. Damit geraten Kinder in Gefahr. Dass die grenzüberschrei- tende Arbeit durch CELIS strukturell so verankert wird, dass ihr Gelingen nicht mehr so stark abhängig ist von Einzel- personen und deren Engagement, ist ein großer Fortschritt. Wie werden Angehörige der Hoch- schulen und Sozialarbeiter*innen in der Region vom Euro-Campus profitieren? Durch den Euro-Campus entsteht eine noch engmaschigere Verzahnung der Projektpartner*innen, und die Mobilität wird gestärkt. Unter anderem werden Studierende, Lehrende und Praktiker*in- nen gemeinsam Sprachkurse besuchen. Für die Studierenden wird es eine große Bereicherung sein, Seminare regelmäßig nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz oder in Frankreich zu be- legen und ihren Abschluss in mehreren Ländern zugleich erwerben zu können. Durch das grenzüberschreitende Studi- um erlangen sie wichtige Kenntnisse auf rechtlicher und theoriebildender Ebene. Auch das Erleben von Vielfalt und Ver- schiedenheit und die Auseinanderset- zung mit der Sprache der Nachbarländer spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau von Kompetenzen. Womit legen Sie los? Und was wäre am Ende das optimale Ergebnis? Wir steigen mit drei Forschungsprojek- ten ein: zu nachhaltiger Entwicklung im Gemeinwesen unter ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive, zu Inklusion und zum Kinderschutz. Hier werden wir Studierende von Anfang an einbinden, sie mit Lehrenden und Fach- kräften in der Praxis zusammenbringen. Auf lange Sicht träume ich davon, dass die Studierenden gemeinsame Biblio- thekszugänge und Onlinetools nutzen, sich nicht nur in, sondern auch außer- halb von Seminaren treffen und später miteinander vernetzt arbeiten. Im Ideal- fall werden Lehrende, Studierende und auch die Verwaltungsfachkräfte mobiler, schauen sich an, wie in den anderen Ländern gearbeitet wird, sodass wir am Ende alle voneinander lernen. Nora Lessing Titel: Campus européen de l’interven- tion sociale dans le Rhin supérieur / Europäischer Campus der Sozialen Arbeit am Oberrhein Projektleitung: Sibylle Fischer, RECOS-Beauftragte der EH Freiburg Projektträger: Evangelische Hochschu- le Freiburg, Katholische Hochschule Freiburg, École Supérieure Européen- ne de l'Intervention Sociale Stras- bourg (ESEIS), EDIAC Strasbourg, École Supérieure de Praxis Sociale Mulhouse (PRAXIS), Fachhochschule Nordwestschweiz Muttenz (FHNW) Kooperation: Euro-Institut Kehl, Région Grand Est, Communauté Européenne d’Alsace und weitere Landkreise, Kommunen undTräger der Sozialen Arbeit in Deutschland, Frankreich und der Schweiz Laufzeit: 2023–2027 Drittmittel: Landkreise in Deutsch- land, Frankreich und der Schweiz; Europäische territoriale Zusammen- arbeit (Interreg) [in Beantragung] Grenzüberschreitung mit System Ziel: Ab 2023 intensivieren die Kooperationspartner mit dem Projekt CELIS die grenzüberschreitende Kooperation, indem sie den Europäischen Campus für Soziale Arbeit zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz weiter ausbauen. Es geht um mehr Angebote für Studierende, Lehrende und Sozialarbeiter*innen, grenzüber- schreitend tätig zu sein – in Lehrformaten, Forschungsprojekten und im Rahmen der praktischen Sozialen Arbeit. Ein zentrales Ziel ist, dass Studierende in mehreren Ländern zugleich den Bachelor Soziale Arbeit erwerben können. Das multinationale Studium soll sie systematisch für die Soziale Arbeit in allen drei Ländern sowie im Grenzgebiet qualifizieren, spätere Beschäftigungsmöglichkeiten vervielfältigen und die Qualität der Begleitung von Adressat*innen verbessern. Hintergrund: Seit 1992 stärkt der Hochschulpakt RECOS (Regio-Akademie für Soziale Arbeit / Regio-Pole de formation sur le travail social) im Dreiländereck die grenzüberschreitende Soziale Arbeit in Theorie und Praxis. Hervorgegangen sind daraus unter anderem gemeinsame Forschungsprojekte, grenzüberschreitendeWei- terbildungsaktivitäten und multinationale Maßnahmen in der Sozialen Arbeit. Dazu gehört das gleichnamige Zusatzlehrprogramm RECOS. Rund 1500 Studierende der beteiligten Hochschulen haben es in den vergangenen Jahren erfolgreich absolviert und sich so mit den besonderen Anforderungen und Logiken Sozialer Arbeit im Grenzgebiet vertraut gemacht. Darüber hinaus erhalten sie die Möglichkeit, sich an grenzüberschreitenden, praktischen Projekten zu beteiligen. CELIS ist ein Teil von RECOS. Europäischer Campus für Soziale Arbeit wächst 1 4 1 5 ev.olve
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