Studiengänge
Master-Studiengänge
Master Supervision
Als eine der ersten Hochschulen in Deutschland hat die EH Freiburg seit 1974 Supervisionsausbildungen angeboten. Mit dem Master-Studiengang Supervision mit systemischem Schwerpunkt sind wir 2004 als erste Hochschule an den Start gegangen.
Seit 2008 bieten wir als einzige Hochschule im deutschsprachigen Raum in einem neuen, zweiten Zweig des Studiengangs die Möglichkeit, Pastoralpsychologische Supervision zu studieren. Der Masterstudiengang wurde bis 2015 reakkreditiert.
Das Besondere am Freiburger Master Supervision ist seine Konzeption als Y–Modell mit den Zweigen Systemtheorie/Konstruktivismus und Pastoralpsychologie. Die Hochschule leistet damit einen wichtigen Beitrag zur weiteren Akademisierung der Supervisionsausbildung und zur Integration verschiedener supervisorischer Fachrichtungen.
Supervision gewinnt gegenwärtig immer mehr an Bedeutung, denn der Beratungsbedarf steigt in Organisationen und Einrichtungen des Non-Profit- und des Profit-Bereichs, in Kirche, Diakonie und Caritas, in NGOs und Politik. Supervision ist eine praxisorientierte Beratung für berufliche Zusammenhänge. Die berufliche Arbeit der Ratsuchenden soll reflektiert und optimiert werden, d.h. der Fokus der Beratung liegt nicht auf Person und Persönlichkeit, sondern auf arbeitsbezogenen Themen bzw. Arbeitsproblemen.
Im Zentrum des Studiums steht die Qualifizierung für die fundierte supervisorische Beratungstätigkeit
- Erwerb des aktuellen Stands der Theorie und Praxis zur Supervision
- Beraterisches Handlungsrepertoire in den Settings: Einzelsupervision/Coaching; Gruppensupervision; Teamsupervision; Supervision von Abteilungen, Einrichtungen, Organisationen und in Netzwerken im Rahmen von Organisationsentwicklung
- Akquisition und Durchführung von Beratungsprozessen
- Wissenschaftlicher Diskurs / Forschungsarbeit
- Entwicklung einer eigenen BeraterInnen-Identität und berufspolitischen Haltung zum Berufsbild SupervisorIn
Qualifikationen / Kooperationen
Wir sind eine staatlich anerkannte Hochschule; unser Studiengang ist ordnungsgemäß akkreditiert. Wir haben aufgrund fachlicher Anschlussfähigkeit und vergleichbarer Ausbildungsstandards Kooperationsverträge mit der DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision) der DGfP (Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie) und mit der CPT (Clinical Pastoral Training) in der Schweiz.
Profil des Studiengangs
Y–Modell mit den Zweigen Systemtheorie/Konstruktivismus und Pastoralpsychologie :
Neu am Freiburger Konzept ist das Y-Modell mit zwei fachlich verschiedenen Zweigen. Die Hochschule leistet damit einen wichtigen Beitrag zur weiteren Akademisierung der Supervisionsausbildung und zur Integration verschiedener supervisorischer Fachrichtungen.
Sie können den Zweig „Systemtheorie und Konstruktivismus“ oder den Zweig „Pastoralpsychologie“ wählen. Etwa 70 Prozent der Studienmodule studieren beide Studiengruppen gemeinsam, etwa 30 Prozent aufgeteilt nach Zweigen. Am Ende jedes geteilten Studienmoduls findet ein „Cross-Over“ statt, in dem die Studierenden eines Zweigs denen des jeweils anderen Zweigs die Essentials ihrer Lerngewinne vermitteln – ein äußerst fruchtbarer Vorgang: Man blickt nicht nur über den Zaun der jeweils anderen Fachlichkeit, sondern festigt auch die eigene, indem man Anderen das selbst Erlernte präsentiert – beim Lehren lernt man ja bekanntlich am meisten.
Profile der beiden Zweige
Die beiden Studienzweige zeichnen sich aus
1. durch verschiedene Zielgruppen und
2. durch unterschiedliche theoretische und zu einem geringeren Teil auch unterschiedliche methodische Hintergründe, die aber, so hat sich in den ersten Durchläufen schon gezeigt, hohe Affinität und Kompatibilität haben.
1. Zielgruppen
Studierende unseres Masterstudiengangs Supervision sind in den verschiedensten Berufen tätig und leben z.B. in Freiburg, Koblenz, Köln, Essen, Berlin, Potsdam, Leipzig, Zürich, Wien usw. Während des Studiums arbeiten sie in ihren Berufen weiter und kommen ca. alle 6-8 Wochen zu einem Blockseminar zu uns nach Freiburg (insgesamt für 53 Tage in zweieinhalb Jahren).
Der systemisch-konstruktivistische Zweig wendet sich an Menschen mit einer beliebigen akademischen Erstausbildung, die in der Regel in einem helfenden Beruf arbeiten oder in anderen Berufssparten moderierende, facilitierende oder gruppenleitende Aufgaben haben. Überwiegend nehmen SozialarbeiterInnen, (Sozial-) PädagogInnen und PsychotherapeutInnen teil, aber auch andere Berufsgruppen sind vertreten. Zuletzt z.B. eine Hebamme, eine Musikerin, ein Ingenieur, ein kommunaler Amtsleiter sowie leitende Angestellte aus Gesundheitseinrichtungen und aus der Industrie. Für sie ist das Studium bei uns in Freiburg durch folgende Faktoren attraktiv:
- das akademische Niveau und das klare theoretische und methodische Profil der Ausbildung;
- das breite Spektrum der Berufsgruppen und fachlichen Perspektiven, die im Studiengang unter Studierenden (22-24) und Dozierenden (ca. 15 mit sehr unterschiedlichen Expertisen und Feldkompetenzen) vertreten sind;
- die Möglichkeit, durch die KommilitonInnen im pastoralpsychologischen Studienzweig Feldkenntnisse in den Arbeitsfeldern der Kirchen und ihrer Hilfswerke zu erwerben - diese bilden in Deutschland den größten Arbeitgeber nach der öffentlichen Hand und sind mit rund 800.000 Mitarbeitenden (ohne Ehrenamtliche) im Bereich sozialpsychologischer und agogische Dienstleistungen ein wichtiger Markt für Supervision.
- die Möglichkeit, Negativ-Erfahrungen eigener kirchlicher Sozialisation durch positive Begegnungen mit kirchlichen Mitarbeitenden abzubauen und zu relevanten existentiellen und religiösen Fragen wieder ins Gespräch zu kommen.
Der Pastoralpsychologische Zweig wendet sich an Menschen mit einer theologischen, religionspädagogischen, religions- oder diakoniewissenschaftlichen Erstausbildung, die in der Regel in einem kirchlichen Beruf arbeiten. Überwiegend nehmen PfarrerInnen und DiakonInnen verschiedener Konfessionen aus verschiedenen in- und ausländischen Kirchen teil. Für sie gibt es vor allem drei Anreize, ihre Supervisionsausbildung bei uns in Freiburg zu machen:
- nur hier haben sie die Möglichkeit, eine pastoralpsychologische Supervisionsausbildung auf akademischem Niveau und mit einem Masterabschluss zu absolvieren;
- hier haben sie die Möglichkeit, zugleich einerseits im Rahmen ihrer eigenen Fachlichkeit weiter zu arbeiten und andererseits den Rahmen binnenkirchlicher Perspektiven zu verlassen. Denn die KommilitonInnen aus dem anderen Studienzweig bieten ihnen Einblicke in und Dialoge mit ganz anderen Lebens- und Arbeitswelten (vgl. o.);
- mit dem Studienabschluss bei uns erwerben sie eine Doppelqualifikation DGsV / DGfP (vgl. o.).
2. Theoretische und methodische Hintergründe
Pastoralpsychologie arbeitet interdisziplinär: theologische und psychologische Zugänge werden miteinander verschränkt. Man sieht quasi durch zwei Brillen bzw. durch eine Gleitsichtbrille (Pastoralpsychologie als erweiterte, interdisziplinäre Hermeneutik und Methodik nach Lammer, 2005). Man hat Auslegungsmaterial und Auslegungsmethoden aus beiden Disziplinen, theologischerseits z.B. die Fragen nach dem Sitz im Leben und nach dem Sitz im Erleben dessen, was SupervisandInnen in die Supervision einbringen (vgl.o.). PastoralpsychologInnen sind hermeneutisch geschult, d.h. sie verfügen über eine hohe Auslegungs- und Übersetzungskompetenz: Sie können Menschen helfen, ihr Selbst- und Weltverständnis weiter zu entwickeln (und zwar auch dann, wenn sich deren weltanschaulicher oder konkreter Referenzrahmen von ihrem eigenen unterscheidet!); Sie sind in der Lage, verschiedene Referenzrahmen zu identifizieren und miteinander in Dialoge zu bringen. Sie setzen einen Fokus bei der Sinndimension von Klärungsprozessen (vgl. u.). Sie haben eine besondere Feldkompetenz für kirchliche und diakonische bzw. caritative Arbeitsfelder.
Pastoralpsychologie schult dabei besonders im Umgang mit symbolischer Kommunikation und setzt die Arbeit mit Symbolen und Ritualen methodisch ein; sie reflektiert die supervisorischen Implikationen des christlichen Menschenbildes, das sich vom humanistischen unterscheidet.
Systemtheorie und Konstruktivismus gehen davon aus, dass Menschen und die sozialen Organisationen, in denen sie sich bewegen, weder „objektiv“ betrachtet noch von außen gesteuert werden können, sondern ihr Selbst- und Wirklichkeitsverständnis selbstreferentiell (d.h. auf sich selber rückbezüglich) konstruieren und sich selber nach Eigengesetzlichkeiten (Autopoiese) steuern. Sie betrachten das Handeln Einzelner niemals isoliert, sondern im Kontext des sozialen Systems, in dem sie entwickelt wurden. Sie fragen nicht nach einfachen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen, sondern nach zirkulären Wechselwirkungen in der Kommunikation zwischen Menschen. Sie fragen nicht nach einer „objektiven“ Wahrheit, sondern nach verschiedenen Sichtweisen, die gleich gültig sind und einander gegenseitig ergänzen. SystemikerInnen sind darin geübt, Menschen nach ihren Denk- und Handlungsmustern zu befragen, das Gute im Schlechten und das Schlechte im Guten betrachten zu helfen und erweiterte und alternative Sichtweisen auf Probleme beizusteuern. Sie nehmen an, dass es nicht die „richtige“ Lösung für Probleme gibt, sondern verschiedene passende Lösungen, und dass die Beteiligten die zur Lösung nötigen Ressourcen selbst in sich tragen und aktivieren können. Dazu regen SystemikerInnen durch spezielle Fragetechniken an. Sie arbeiten lösungs- und ressourcenorientiert.
Gemeinsamkeiten zwischen Pastoralpsychologie und Systemtheorie/Konstruktivismus sind:
- theoretisch das Wissen um die System- oder Kontextbedingtheit von Bedeutungsumgebungen;
- methodisch-beraterisch das Bemühen um die Verflüssigung verfestigter, nicht hilfreicher Deutungsmuster und
- das dialogische Einführen alternativer Betrachtungsweisen im Sinne einer Erweiterung von Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten.
- In Bezug auf das Menschenbild ist beiden Ansätzen die Ermutigung zur individuellen und sozialen Entfaltung der KlientInnen i.S. der Erweiterung der bisherigen eigenen Möglichkeiten gemeinsam.
Mindestens in diesen Punkten sind pastoralpsychologische und konstruktivistische Zugänge zur Beratung aneinander bestens anschlussfähig (die Liste ließe sich sicher erweitern).
Es bestehen aber auch spezifische Unterschiede zwischen beiden:
- das Menschenbild und die daraus folgenden beraterischen Ziele (SystemikerInnen gehen von der Autonomie und Autopoise von Menschen und Systemen aus, PastoralpsychologInnen von der grundsätzlichen Angewiesenheit, Gebrochenheit und Konflikthaftigkeit; die „Schattenseite“ wird einbezogen);
- methodische Verfahren (PastoralpsychologInnen nutzen besonders die symbolische Kommunikation) und
- das angebotene hermeneutische Material (beide arbeiten mit u.a. mit Geschichten und Bildern als alternativen Deutungsmöglichkeiten / Einladung zu Perspektivwechseln; SystemikerInnen nutzen dabei eher säkulare Fabeln, PastoralpsychologInnen u.a. auch christliches Traditionsgut).
Alle oben gemachten Aussagen zu Pastoralpsychologie und Konstruktivismus gelten natürlich für die Anwendung in allen Beratungskontexten. Das Spezifikum der supervisorischen Beratung gegenüber anderen Beratungsformen liegt weniger in Hermeneutik und Methodik als vielmehr in Perspektive und Fokus des Beratungskontrakts. Supervision berät im Unterschied zu anderen Beratungsformaten weniger person- und persönlichkeitsbezogen als vielmehr konsequent arbeitsbezogen: im Mittelpunkt stehen als Gegenstand der Supervision die beruflichen Fragen der beratenen Personen.

